12. Oktober 2020, 07:00 Uhr

Fußball

Platzverweis stoppt FC Gießen in Bahlingen

Der FC Gießen ist beim Bahlinger SC zunächst auf einem guten Weg, steht bei der 1:3-Niederlage aber mit leeren Händen da. Wieder ist ein früher Platzverweis der Türöffner für den Gegner.
12. Oktober 2020, 07:00 Uhr
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Da ist die Gießener Welt noch in Ordnung: Milad Salems Kunstschuss zum 1:0 sitzt. Nikola Trkulja beobachtet, wie der Ball über die Mauer fliegt. FOTO: CLAUS G. STOLL

Das Treffen zweier corona-gebeutelter Regionalligisten im Kaiserstuhlstadion ging am Samstag an den Gastgeber. Der FC Gießen musste die lange Heimreise aus Süddeutschland ohne etwas Zählbares antreten. 1:3 (1:3) unterlag die Mannschaft von Trainer Daniyel Cimen beim Bahlinger SC und befindet sich vor dem nächsten Auswärtsspiel am Mittwoch bei Astoria Walldorf auf Rang 20 im Klassement.

Es waren gerade zehn Minuten gespielt, als Milad Salem einen Freistoß aus 17 Metern formvollendet zur 1:0-Führung für die Cimen-Elf in die Maschen chippte. Die Klage von BSC-Trainer Axel Siefert, ein Gießener Spieler habe sich irregulär in der Bahlinger Mauer postiert, prallte am Schiedsrichtergespann um Gaetano Falcicchio so erfolglos ab wie Zuschauer ohne Maske am aufmerksamen Stadionpersonal.

Die Gießener, die corona-bedingt gleich drei Begegnungen verpasst hatten, spielten mutig nach vorn. »Wir waren gut im Spiel«, konstatierte Cimen. Die Kräfteverhältnisse auf dem Platz änderten sich allerdings schlagartig in der 18. Minute: FC-Innenverteidiger Sascha Heil, der bereits in der 2. Minute wegen Ballwegschlagens die Gelbe Karte gesehen hatte, ging etwas ungestüm in ein Laufduell mit dem Bahlinger Shqipon Bektasi. Der fiel zu Boden, und Heil musste mit »Gelb-Rot« vom Platz. Cimen meinte, der Referee hätte »mit etwas Fingerspitzengefühl« den Karton stecken lassen können. »Es gab einen leichten Kontakt an der Schulter. Aber der Stürmer hätte den Ball ohnehin nicht erreicht«, erklärte Gießens Coach. Dennoch: Vollkommen unberechtigt war die Sanktion von Falcicchio nicht.

Die Folge war ein neues Spiel: Bahlingen erwachte aus seinem spielerischen Tiefschlaf, während Gießen in Unterzahl überfordert wirkte mit dem Versuch, die Räume in der eigenen Hälfte zu schließen. Im Zehn-Minuten-Takt fielen die Bahlinger Treffer, erst wuchtig per Kopf durch Santiago Fischer nach Ecke von Hasan Pepic (22.), dann gefühlvoll mittels Schlenzer aus 20 Metern von Rico Wehrle (31.), schließlich entschlossen und abgebrüht, als Pepic freistehend aus 15 Metern vollenden konnte (40.). »Wir waren zu passiv und zu weit weg von den Leuten«, bemängelte Cimen. »Wir waren passsicher und lauffreudig und haben uns so viele Chancen herausgearbeitet«, stellte BSC-Coach Dennis Bührer fest.

In der Tat waren die Gäste mit dem 1:3 zur Pause noch gut bedient. Allein Yannick Häringer scheiterte dreimal freistehend an FC-Keeper Frederic Löhe, einmal davon per Foulelfmeter, nachdem Löhe Angreifer Bektasi von den Beinen geholt hatte. Bektasi brachte zudem das Kunststück fertig, den Pfosten des leeren Gießener Tores zu treffen (44.).

Passable Leistung von Marco Boras

Nach dem Seitenwechsel ließen die Gastgeber weiter Ball und Gegner laufen, wenngleich die Chancendichte geringer wurde. Fischer scheiterte per Kopf an Löhe, dem besten Gießener an diesem Tag (56.). Rico Wehrle visierte noch einmal den Pfosten an (57.). Dann aber versiegte der Angriffsdruck, womöglich bedingt durch Personalwechsel sowie nachlassende Kraft. Fast wäre dem eingewechselten Ryunosuke Takehara nach einem fulminanten Konter noch der 2:3-Anschlusstreffer für die Mittelhessen gelungen, doch BSC-Keeper Marvin Geng boxte seinen Schuss reaktionsschnell zur Ecke (77.).

Neuzugang Marco Boras bot als Innenverteidiger beim FC Gießen eine passable Leistung. Er agierte an der Seite von Sascha Heil und Andrej Markovic in der Dreier-Abwehrkette, die nach der taktischen Umstellung von Trainer Cimen für defensive Stabilität sorgen sollte. Das klappte auch recht gut - allerdings nur bis zur 18. Minute.

Ein früher Platzverweis war dem FCG übrigens auch schon bei der Niederlage gegen den FC Homburg (1:2) im ersten Heimspiel der Saison zum Verhängnis geworden. Damals musste Jure Colak vorzeitig zum Duschen, der am Samstag zum nicht einsatzfähigen Gießener Quintett gehörte. »Daran müssen wir arbeiten, dass so etwas nicht wieder vorkommt«, analysierte Cimen. »Die erste Gelbe Karte nach zwei Minuten war natürlich dumm. Aber wir müssen das bis zur Pause dann trotzdem anders spielen. So kann man nicht verteidigen.«

Bahlinger SC: Geng; Gbadamassi, Alihoxha, Adam; Wehrle (81. Bauer), Gutjahr (76. Bischoff), Häringer, Rodas; Pepic; Fischer, Bektasi (65. Falahen).

FC Gießen: Löhe; Heil, Boras, Markovic; Weiß, Hofmann, Trkulja; Hodja (46. Takehara), Salem (46. Münn), Mateus (78. Korzuschek); Bangert.

Im Stenogramm: SR: Falcicchio (Fulgenstadt). - Zu.: 500. - Tore: 0:1 Salem (10.), 1:1 Fischer (22.), 2:1 Wehrle (31.), 3:1 Pepic (40.). - Gelb-Rote Karte: Heil (18.). - bes. Vork.: Löhe hält Foulelfmeter von Häringer (35.).



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