18. August 2017, 17:34 Uhr

Offensivpower für Klassenerhalt

18. August 2017, 17:34 Uhr
Philipp_Keßler
Von Philipp Keßler
Hannah Wudy von Eintracht Lollar ist meist einen Schritt schneller als ihre Gegenspielerinnern. Das soll auch in der Hessenliga so bleiben. (Foto: Friedrich)

Sie ist der Wirbelwind auf der rechten Außenbahn und hat erst im vergangenen Jahr ihre Torgefahr entdeckt: Hannah Wudy von Fußball-Hessenliga-Aufsteiger Eintracht Lollar. In der neuen Spielklasse will die 21-jährige Lehramtsstudentin aus Gießen zeigen, dass ihre torreiche Saison aus dem Vorjahr kein Einzelfall war – und ihre Mannschaft, dass der Aufstieg in Hessens höchste Spielklasse nichts mit Zufall zu tun hatte.

Frau Wudy, Sie spielen am Samstag gegen den SC Rüsselsheim zum ersten Mal Hessenliga. Was erwarten Sie?

Hannah Wudy: Richtig, Samstag wird meine Premiere in der Hessenliga sein. Aber wir haben bereits im Hessenpokal gegen höherklassige Mannschaften gespielt und auch gewonnen, so dass wir ein gutes Selbstbewusstsein haben. Rüsselsheim ist uns als Mannschaft unbekannt und wird sicher stark sein, zumal sie in der letzten Saison noch Regionalliga gespielt haben. Aber wir sind vorbereitet.

Sie sprechen die Vorbereitung bereits an. Was haben Sie im Vergleich zu den Vorjahren verändert?

Wudy: Gar nicht viel. Die körperliche Fitness war schon immer unsere Stärke und könnte in dieser Saison unser Trumpf werden. Wir können kämpfen bis zum Schluss. Darauf sollten wir uns verlassen. Wir haben pro Woche drei Trainingseinheiten auf dem Platz gemacht, dazu eine Krafteinheit und ein Testspiel. In den letzten Spielen sind wir zurück zu unserem alten 4-4-2-System gegangen, das hat besser geklappt, als das 4-5-1, das wir zunächst ausprobiert haben. Taktisch liegt unser Fokus seit einigen Wochen auf dem Gegenpressing. Da sind wir als Gruppe mittlerweile sehr gut eingestellt.

4-4-2-System, Gegenpressing – klingt alles sehr nach der Offensive mit 99 Toren von der vergangenen Saison. Soll es dabei auch in der Hessenliga bleiben?

Wudy: Ja, die Offensive soll beibehalten werden. Angriff ist unsere beste Verteidigung. Denn dort haben wir durch unsere Variabilität unsere Stärke. Wir hatten in der vergangenen Saison gleich vier Spielerinnen unter den Top-Torjägerinnen und haben uns weiter verstärkt, sodass unser Trainer in der Offensive mittlerweile ein Luxusproblem hat.

Das bedeutet für sie als Mittelfeldspielerin aber mehr Konkurrenz.

Wudy: Das ist richtig, aber der Konkurrenzkampf spornt einen an, auch im Training immer Vollgas zu geben. Ich sehe bei mir noch Luft nach oben und hoffe, dass ich jetzt einige Zeit in der Hessenliga spielen kann. Der Klassenerhalt ist das erklärte Ziel.

Was sind Ihre Stärken, die Ihnen den Stammplatz sichern sollen?

Wudy: Ich bin für das Gegenpressing wie gemacht, denn ich kann bei einer Balleroberung schnell lang geschickt werden. Wenn ich den Ball habe, bin ich kaum zu stoppen. Und meine Torgefahr habe ich ja zum Glück auch in der vergangenen Saison wiederentdeckt. Zudem bin ich mit den anderen Offensivkräften sehr gut eingespielt. Wir werden zwar nicht mehr die Favoritenrolle der vergangenen zwei Jahre haben und dadurch nicht mehr so oft so hoch gewinnen, aber ich hoffe dennoch, auch weiterhin in den entscheidenden Momenten die Tore zu machen.

Wie ist die Stimmung insgesamt in der Mannschaft: Überwiegt die Euphorie oder der Respekt vor der neuen Aufgabe?

Wudy: Ganz klar die Euphorie. Jeder hat richtig Lust, ist hoch motiviert. Wir haben so lange um den Aufstieg gekämpft und sind dadurch zusammengewachsen, so dass wir mittlerweile nach dem Training oder nach Spielen unsere eigenen Rituale haben. Zudem ist unser Trainer Chris Vogl schon lange an unserer Seite, er schenkt uns Vertrauen und das gute Gefühl nehmen wir mit auf den Platz.

Wie sehen Sie die Entwicklung des Frauenfußballs in der Region?

Wudy: Ich gehöre zu den Spielerinnen, die vor einigen Jahren mitsamt Trainer von Buseck nach Lollar gewechselt sind. Dort haben wir zunächst um den Klassenerhalt gekämpft, seitdem haben wir viele junge Spielerinnen dazubekommen und uns selbst enorm verbessert. Aber auch da ist noch Luft nach oben: Zudem ist unsere Jugendarbeit sehr gut, ich trainiere selbst die D-Juniorinnen. Ich denke, wir können uns hinter Wetzlar, das mit der Bundesliga-Mannschaft natürlich das Aushängeschild ist, zur Nummer zwei der Region entwickeln. Das zeigen auch unsere drei Zugänge aus Wetzlar.

Wie sehen Sie Ihren Stellenwert als Frauenmannschaft im Verein?

Wudy: Der Vorstand steht immer hinter uns, um uns zu unterstützen. Die beiden Vorsitzenden sind große Fans und bei fast jedem Spiel dabei. In anderen Vereinen ist der Frauenfußball oft Nebensache, das ist hier ganz anders. Das fühlt man als Spielerin auf dem Platz.



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