29. Dezember 2019, 20:51 Uhr

Gießen 46ers

Niederlage der Gießen 46ers gleicht einer Achterbahnfahrt

Die Gießen 46ers gehen mit einer Niederlage aus dem Jahr 2019. Sie müssen sich zum Jahresabschluss in Bayreuth mit 99:115 geschlagen geben. Nach einem exzellenten ersten Viertel verliert das Team von Trainer Ingo Freyer den Faden und fabriziert zu viele Ballverluste. Kapitän John Bryant schmort fast die gesamte zweite Hälfte auf der Bank.
29. Dezember 2019, 20:51 Uhr
In Bedrängnis: Die Bayreuther Evan Bruinsma (l.) und Bastian Doreth versuchen, 46ers-Spielmacher Stephen Brown bei der Gießener 99:115-Auswärtsniederlage zuzumachen. FOTO: IMAGO

Gießen 46ers


Der Gesichtsausdruck von John Bryant verriet seinen Gemütszustand: Es brodelte in ihm. In der zweiten Hälfte des BBL-Auswärtsspiels in der mit 3400 Zuschauern gefüllten Oberfrankenhalle durfte der 2,11-m-Mann nur um die drei Minuten seinen Job erledigen. Gießens Cheftrainer verzichtete in dieser Phase auf ihn und bevorzugte eine »kleine Formation«, um den zwischenzeitlich auf 21 Punkte angewachsenen Rückstand aufzuholen. Zwar kamen die Gäste von der Lahnstadt noch einmal auf sechs Zähler heran, dann erhöhten die unter gewaltigem Druck des Gewinnenmüssens stehenden Bayreuther noch einmal die Intensität und ließen sich gegen foulbelastete Gießener den Sieg nicht mehr nehmen.

»Wir haben zu viele Ballverluste gehabt, dadurch liefen die Bayreuther Fastbreaks und schlugen daraus ihren Profit«, bilanzierte Stephen Brown - Gießens bester Spieler an diesem Sonntagnachmittag, der wie sein Teamkollege Jordan Barnett 24 Punkte erzielte. Und Freyer analysierte am Tag des 49. Geburtstags seines Co-Trainers Steven Wriedt: »Wir haben sehr gut angefangen und waren mental stärker. In der Mitte des zweiten Viertels gab es dann Situationen, in denen wir nicht mehr so hart gespielt haben wie vorher. So bringt man den Gegner dann natürlich ins Spiel. Und bisher haben wir da noch nicht das Ritual, dass dann jeder Spieler in genau solchen Momenten alles aus sich herausholt und tougher spielt als sein Gegner.«

Die Niederlage bei den favorisierten Bayreuthern ist kein Beinbruch. Dennoch müssen die Gießen 46ers aufpassen, dass sie in der Tabelle nicht noch stärker hinten reinrutschen. Noch haben sie vier Punkte mehr auf dem Konto als der Rangletzte Mitteldeutscher BC. Aber am Samstag geht es zum Hessenderby nach Frankfurt - und am 18. Januar kommen die Bonner in die Osthalle. Zwei Teams, die sich im Dunstkreis des Tabellen-13. bewegen.

»Wir haben viel Selbstvertrauen«, sagte ein zuversichtlich wirkender Coach Freyer noch kurz vor dem Spiel in Bayreuth. Und seine »Jungs« bewiesen dies eindrucksvoll im ersten Viertel. Allen voran Teyvon Myers, der permanent den Korb attackierte - und dabei von keinem Bayreuther gestoppt wurde. Doch nicht nur das Penetrieren klappte, auch der Wurf von außen fiel. Ob bei Myers, dem quirligen Spielmacher Stephen Brown oder dem von der Bank kommenden Jordan Barnett: Sie alle hatten ein heißes Händchen beim Dreierschießen von jenseits der 6,75-m-Linie.

Überhaupt zogen die Gießener im Angriff ein variables Spiel auf. Sie bewegten den Ball in den eigenen Reihen schnell. Der Stecker von Myers auf Center John Bryant war zum Zunge schnalzen. Die Oberfranken kamen mit dem Hoch-Geschwindigkeits-Basketball der Mittelhessen nicht mit. Bei der 17:9-Führung der 46ers (5. Minute) reagierte Bayreuths Trainer Raoul Korner mit einer Auszeit, in der er an sein Team deutliche Worte richtete, was er vom Defenseverhalten hielt. Besserung trat nicht ein, Gießen ließ sich nicht aus dem Tritt bringen und beendete das Sahneviertel mit 32:23.

Im zweiten Quarter kam mit zunehmender Zeit immer mehr Sand ins Getriebe der 46ers. Freyer zog nach dem 15:7-Run der Gastgeber die Notbremse mit einer Auszeit. Doch der Angriffsrhythmus war dahin. Zudem traten Guard James Woodard und Powerforward Reid Travis immer mehr in Erscheinung und initiierten mit ihren Dreiern erneut einen 14:4-Lauf nach 40:45-Rückstand. Das Unheil nahm für Gießen seinen Lauf.

Bereits nach 69 Sekunden Spielzeit im dritten Durchgang hatte Freyer die Faxen dick. Sein Team fing sich erneut elf Punkte am Stück - das wollte er mit einer Auszeit stoppen. Vom Gießener Selbstbewusstsein war aber nicht mehr viel zu sehen, geschweige von einem Spiel ohne Ball. Die Protagonisten agierten zu statisch und gerieten in Foulprobleme. Myers und Kendall Gray mussten sogar vorzeitig das Feld verlassen. Dennoch kämpften sich die willensstarken 46ers zurück. Die Dreier von Brown und Barnett halfen dabei (84:90, 33.). Hoffnung kam bei den Gießener Fans auf. Aber die Oberfranken konnten sich auf Travis verlassen, der weiterhin nicht zu stoppen war und mit 30 Punkten zum Topscorer avancierte.

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