22. November 2018, 16:00 Uhr

Springreiter

Niebergs stiller Rücktritt nach einer großen Karriere

Olympia, WM und EM: Der Ex-Homberger Lars Nieberg hat bei den wichtigsten Veranstaltungen Gold gewonnen. Jetzt macht der Springreiter Schluss mit der Jagd nach Siegen.
22. November 2018, 16:00 Uhr
Von Michael Rossmann und Markus Konle
So kennt man ihn: Lars Nieberg jubelt im Sattel von Esprit beim Olympiasieg in Sydney 2000 über seine fehlerfreie Runde. (Foto: dpa)

Das Ende passt zu Lars Nieberg. Still und leise beendet der zweimalige Olympiasieger seine Karriere. »Mir fehlt kein großer Abschied mit Brimborium«, sagt der Springreiter, der stets gerne im Hintergrund blieb. Der aber oft für einen flotten Spruch oder eine ironische Spitze gut war. »Vom Kopf her habe ich die Karriere schon länger beendet«, sagt der Ex-Homberger. Jetzt hat der 55-Jährige einen Schlussstrich gezogen und seine Laufbahn für beendet erklärt.

Seine erfolgreichste Zeit hatte Nieberg, als er das Gestüt Wäldershausen bei Homberg leitete. Hier lebte und arbeitete er 24 Jahre lang (von 1990 bis 2014) und sattelte Nachwuchspferde auch schon mal bei Turnieren im Landkreis Gießen. Zweimal gewann Nieberg mit der Mannschaft Olympia-Gold, 1996 und 2000. Unvergessen bleiben in Homberg die Empfänge nach seinen Triumphen in Atlanta auf dem Wunderhengst For Pleasure und in Sydney auf Esprit. Tausende säumten bei Volksfeststimmung die Straßen der Ohmstadt, um »ihren Lars« zu feiern. »Ich weiß nicht, was bewegender ist: Bei der Nationalhymne auf die deutsche Fahne zu schauen oder hier in Homberg empfangen zu werden«, rief Nieberg nach seinem ersten Olympia-Gold den Menschen auf dem Marktplatz der Vogelsbergstadt zu. Nieberg siegte mit der deutschen Equipe auch bei Europa- und Weltmeisterschaften. Dass er viele Jahre zur Weltspitze zählte, zeigen auch zweite Plätzen im Weltcup 1995 und 1998.

Zuletzt blieben die großen Erfolge aus. »Ohne Sponsor ist es einigermaßen schwer, sich über Wasser zu halten«, erklärt der deutsche Meister von 1995. Einen Traum hat sich Nieberg vor dem Karriere-Ende noch erfüllt. Bei seinem letzten Ritt für die deutsche Nationalmannschaft, seinem 50. Einsatz, trat er gemeinsam mit seinem Sohn Gerrit (25) im Team an – und gewann den Nationenpreis von Dänemark. »Ich bin stolz, dass ich zwei Kinder in den Sport gebracht habe«, sagt Nieberg. »Max macht den ganzen Handel, der ist da besser als ich«, sagt der stolze Vater über den 24-Jährigen. »Gerrit ist noch mehr der Sportler.« Und mit einem typischen Nieberg-Witz fügt er an: »Ich habe das Gefühl, es ist jetzt besser für die Kinder, wenn ich nicht mehr reite.«

An den Karrieren der Söhnen lässt sich gut der Unterschied zwischen Niebergs Anfängen und dem jetzigen Pferdesport erkennen. »Heute ist viel, viel mehr Geld im Sport, und es reiten viel mehr reiche Leute«, erklärt der 55-Jährige: »Für Leute aus normalem Hause ist es schwierig, Fuß zu fassen. Man kann sich nicht vergleichen mit Leuten, die Pferde für 10 oder 15 Millionen im Stall haben.«

»Ich habe die ganze Welt gesehen«, lautet Niebergs Resümee. Das ist ihm wichtiger als die Gold-Medaillen. »Als einfacher Junge vom Land ist das schon interessant, man ist dadurch privilegiert.« Nieberg stammt von einem Bauernhof im niedersächsischen Wittingen. Er arbeitete und lernte beim späteren Bundestrainer Herbert Meyer, leitete ab 1990 das Gestüt Wäldershausen und arbeitet nun seit 2014 als Leiter auf Gut Berl bei Münster. Sein Leben wird weiter von Pferden bestimmt, um rund 100 Tiere muss Nieberg sich auf Gut Berl kümmern. Und: »Ich reite ja weiter, zu Hause oder mal auf einem kleineren Turnier.« Dann aber »ohne sportliche Ambitionen, sondern nur zu Ausbildungszwecken«.

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