Lokalsport

Neues Format für den Fußball-Stadtpokal Gießen?

Der Fußball-Stadtpokal Gießen ist eine feste Größe im Sportkalender - seit mehr als 30 Jahren. Doch nun scheint das bisherige Format keine Zukunft mehr zu haben.
11. April 2020, 09:00 Uhr
Michael Schüssler
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Ende Dezember war es ein fixer Termin im Gießener Sport. Der Fußball-Stadtpokal in der Sporthalle Ost, zumeist an drei Tagen waren die Gießener Stadtvereine aktiv, ehe der Sieger gekürt wurde. In Glanzzeiten mit einer bestens gefüllten Halle.

Doch die letzte Auflage vor wenigen Monaten sorgte beispielsweise nicht nur bei Kreisfußballwart Henry Mohr dafür, dass der Traditionswettbewerb in dieser Form kaum mehr tragfähig scheint. »Es hat kein Hand und Fuß mehr gehabt, das ganze Drumherum. Auch die Spiele waren oft nicht zum Anschauen«, erläutert Mohr seine Beweggründe. »Es muss was passieren.«

Ein neues Konzept muss her. Der Gießener Fußball-Chef erarbeitete einen Entwurf, fand mit dem ASV Gießen und dem TSV Klein-Linden auch zwei Vereine, die ebenfalls für ein neues Format plädieren - und sich an die Arbeit gemacht haben. Björn Watzke (ASV Gießen) und Gerd Kerzmann (TSV Klein-Linden) waren und sind offen für neue Ideen, um das Turnier wieder aufzuwerten. Mohr stellt dabei auch klar: »Ich stehe nur beratend zur Seite.«

»Der letzte Stadtpokal war meiner Meinung nach recht herzlos. Sowohl für die Besucher als auch für die Teilnehmer«, sagt Björn Watzke. »Die letzten Jahre haben gezeigt, dass das Leistungsgefälle zu groß ist. Aber es ist natürlich auch schwierig, aus der Komfortzone zu kommen«, weiß Watzke, dass eine neue Idee auch eine gewisse Zeit benötigt, um angenommen zu werden. »Was haben wir uns dabei gedacht? Die Qualität soll wieder gesteigert werden. Mannschaften aus unter Ligen haben größere Chancen, an der Endrunde teilzunehmen. Die Spiele sollen eng und spannend sein usw.«, erläutert Watzke das Ansinnen der beiden Klubs.

Futsal statt Fußball mit Bande

»Wir haben uns ein paar Sachen ausgedacht, um den Stadtpokal wieder attraktiver zu machen. Und ich glaube, wir haben unsere Hausaufgaben gemacht«, sagt Gerhard Kerzmann vom TSV Klein-Linden. »Wir haben auch Sportamtsleiter Tobias Erben unsere Ideen präsentiert, er war sehr angetan«, führt Kerzmann aus. So haben der ASV Gießen und der TSV Klein-Linden einen Katalog entworfen, der dem Stadtpokal Gießen neues Leben einhauchen soll (siehe Extra-Kasten). Elementar ist auch, dass der Stadtpokal wieder mit den Junioren stattfinden soll. »Das halten wir für ganz wichtig«, so Kerzmann.

Vorgesehen war ursprünglich, dass sich die Gießener Fußballvereine im April treffen wollten, doch die Corona-Pandemie hat allen Beteiligten einen Strich durch die Rechnung gemacht. »Daher bleibt uns im Moment nur der E-Mail-Weg, um mit euch in Kontakt zu treten«, hatten Watzke/Kerzmann ihr Vorhaben dennoch zeitnah an die Vereine bringen können. Mittlerweile liegen Rückmeldungen vor, mehrere Vereine befürworten die Ideen des ASV und des TSV, ein Klub aus der Stadt Gießen hingegen ist kein Freund der Neuerungen. Es gibt aber auch Vereine, die bislang noch nicht reagiert haben. Grundtenor ist aber, dass der Stadtpokal in seiner bisherigen Form keine Zukunft mehr hat.

Einer der Befürworter ist die Spvgg. Blau-Weiß Gießen mit Abteilungsleiter Norbert Karl Matt an der Spitze. Er bringt auch zwei Vorschläge ein. Einmal, ob man die Sporthalle Ost verlassen und nach Wieseck in die Sporthalle wechseln könnte. Zweitens bringt Matt ins Spiel, sich von dem Termin zwischen den Jahren zu verabschieden und in den Januar zu wechseln. »Wir sind für alle Vorschläge und Ideen dankbar«, sagt Kerzmann, der darauf verweist, dass die Bundesliga-Basketballer der Gießen 46ers auch nicht abgeneigt wären, den Termin Ende Dezember zu übernehmen.

Fest steht, die Stadtvereine sollten eine tragfähige Mehrheit finden, dass man sich vom normalen Hallenfußball verabschiedet und Futsal spielen wird. Das stößt aber unter anderem bei der TSG Wieseck auf wenig Gegenliebe: »Leider hatten wir im letzten Jahr schon erhebliche Schwierigkeiten, eine wettbewerbsfähige Mannschaft in das Turnier zu schicken. Trotz Bande und normalem Fußball. Derzeit sieht es so aus, dass wir bei Futsal und ohne Bande keine Mannschaft aus Spielern unserer ersten Mannschaft stellen können«, teilt Jörg Hildebrand stellvertretend für die TSG Wieseck (Abteilung Fußball) mit.

Auch Wechsel nach Wieseck vorstellbar

Was einen möglichen Standortwechsel (von der Sporthalle Ost nach Wieseck) angeht, haben sich Kerzmann und Watzke natürlich auch Gedanken gemacht: »Auch das wurde mit dem Sportamt besprochen. Hier ist aber der Knackpunkt, dass die Hallenkapazität nicht ausreichend sein kann. Wenn feststeht, dass nur 400 Leute kommen, ist das eine Alternative. Da wir aber auf mehr hoffen, müssen wir die Osthalle weiterhin nutzen. Aber auch hier muss man flexibel reagieren können für die kommenden Jahre«, heißt es in der Mitteilung an die Vereine.

Mit der Sporthalle Wieseck würde die TSG indes gut leben, zumal Hildebrand eine weitere Möglichkeit ins Spiel gebracht hat: »Unser Abteilungsleiter Fußball, Deniz Solmaz, plant ein großes Jugend-Hallenturnier 2020/21 mit der aktuellen Bande - und vor allem mit Kunstrasen. Das hat eine sehr große Attraktivität. Erstklassige Referenzen dazu gibt es genügend durch die letzte Veranstaltung. Bande und Kunstrasen in Kombination hat diese Veranstaltung noch nicht gehabt. Die Neugierde und der Reiz wären unter der Gießener Fußballgemeinde enorm hoch und die Halle mit Sicherheit sehr gut besucht. Allein aufgrund der Tatsache, dass es so etwas noch nie in Gießen gegeben hat«, führt Hildebrand aus.

Es herrscht zumindest Konsens in der Fußballstadt Gießen darüber, dass man den Stadtpokal aufwerten will. Über Details, Austragungsmodus, Spielort usw. müssen sich die Klubs noch einigen. Es wird noch einige Zeit ins Land gehen, bis sich die Klubvertreter treffen können, zumal weitere Rückmeldungen noch ausstehen. Vorgesehen ist, sofern dies möglich ist, dass man sich eventuell im Mai zusammenfindet, um dann genauer in die Planung einzusteigen. Vielleicht kann man sich schnell einigen, falls nicht, dann könnte es aber auch sein, dass der Stadtpokal in diesem Jahr ausfällt.

Immerhin hat sich aber der TSV Klein-Linden vorab bereit erklärt, in diesem Jahr die Ausrichtung zu übernehmen. 2021 würde der ASV Gießen für die Ausrichtung verantwortlich zeichnen, im Jahr darauf wieder der TSV, der ASV anschließend. FOTOS: HF/RAS/PM

Das Turnier wird an zwei Tagen ausgetragen. Am ersten Tag spielen die Mannschaften aus den »unteren« Klassen (Gießen-Cup).

Die ersten vier qualifizieren sich für den Gießener Stadtpokal am folgenden Tag. Dort spielen die sechs klassenhöchsten Mannschaften plus die vier Teams vom Vortag. Die vier Erstplatzierten am Ende des Turniers erhalten Geldpreise.

Zudem werden beste Torhüter, Spieler und Torschützen prämiert, auch die fairste Mannschaft wird ausgezeichnet. Und schließlich wird Futsal gespielt. Der Hallenfußball mit Bande entfällt.

Der Stadtpokalsieger fährt außerdem zur Futsal-Hessenmeisterschaft.

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/sport/lokalsport-gaz/Lokalsport-Neues-Format-fuer-den-Fussball-Stadtpokal-Giessen;art1434,677911

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