24. Januar 2018, 07:00 Uhr

Anstoß

Mit einem Joint im Lamborghini auf Tour

Redakteur Ronny Th. Herteux und unser Kolumnist Henni Nachtsheim haben sich wieder unterhalten. Über Herrn Aubameyang, Joints, einen Lamborghini und die Unwägbarkeiten der Psyche.
24. Januar 2018, 07:00 Uhr
Henni Nachtsheim - hessische Comedy-Legende, Eintracht-Fan und Kolumnist dieser Zeitung. (MDV-Grafik: J. Engel)

Hallo Herr Nachtsheim, wir leben momentan in stürmischen Zeiten. Orkan »Friederike« tobte durchs Land, in Berlin versteckt sich die Politik seit Monaten hinter Gemeinplätzen – was für ein Glück, dass wir die Eintracht haben. Hätten Sie ein 3:1 in Wolfsburg erwartet?

Henni: Vor allem habe ich gehofft, dass sie sich für die unglückliche Hinspiel-Niederlage revanchieren würden. Aber dass sie so gut spielen, hätte ich jetzt nicht geglaubt.

Frankfurt liegt in der Auswärtstabelle hinter den Münchner Bayern auf Platz zwei, das ist phänomenal. Allerdings ist die Heimbilanz wenig glorreich. Was ist da los?

Henni: Naja, wenn die Heimbilanz auch noch so gut wäre, dann wären wir ja vielleicht sogar Erster. Aber solange der Fußball-Gott seine Zentrale in München hat und regelmäßig mit Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge einen Trinken geht, wird es soweit dann doch nicht kommen.

Die Psyche ist unergründlich. Wenn sie für Nervenflattern im eigenen Stadion sorgt, wie kommt sie dann auf die Idee, den Eintracht-Spielern in fremden Stadien Stärke einzuhauchen? Vielleicht muss die SGE-Psyche mal zum Psychiater.

Henni: Ich hatte als Junge mal einen Onkel. Der war, sobald er das Haus verlassen hatte, der Oberchecker. Selbstbewusst, witzig, andere mitreißend. Aber sobald er zu Hause war, wirkte er unsicher, zaghaft, fast ängstlich. Dann hat seine Frau einfach mal sämtliche Möbel in der Wohnung umgestellt, und – so verrückt sich das vielleicht anhört – danach wurde es besser. Meine Mutter meinte später, das hätte mit Feng Shui zu tun gehabt, und dass die Anordnung der Möbel sein Chakra blockiert hätte. Vielleicht sollte man das im Frankfurter Stadion auch mal versuchen. Die Tore an die Seitenlinie, die Strafräume in die Mitte des Spielfeldes und den Mittelkreis direkt vor eins der Tore. Wäre zumindest mal ein Ansatz.

Und die Trainerbank in die Katakomben ... nein, nein, Kovac ist ja ein Guter. Sei’s drum, die Hessen liegen auf Platz sieben nach 19 Spieltagen nur einen Punkt hinter Rang zwei, das wäre Champions League. Sind die Frankfurter schon Champions? Beziehungsweise reif dafür?

Henni: Mein Verstand sagt »Nein!« … aber das hessische Großmaul in mir schreit »Na logo!«

Überhaupt, zwischen Leverkusen auf Rang zwei und Hertha BSC auf Platz elf liegen nur sechs Punkte, das spricht für eine super spannende Restsaison. Wie ist die Ausgeglichenheit zu erklären?

Henni: Keine Ahnung. Mich erinnert das an meine Schulzeit. Da haben sich in der Pause jede Menge Jungs immer wieder gekloppt, und mal war der eine etwas stärker, dann wieder ein anderer. Eine richtige Erklärung dafür gab es aber nicht. Aber spannend war’s! Und das ist doch letztendlich die Hauptsache!

Machen wir einen Abstecher nach unten, also wirklich nach ganz unten. Die vor zwei Wochen total abgeschriebenen Kölner sind nach zwei Siegen dran, selbst im »Keller« scheint alles möglich. Das wäre das Comeback des Jahres, oder?

Henni: Ja, das stimmt. Wobei mich dieses allgemeine »Die sind jetzt schon hundertprozentig abgestiegen«-Gerede irgendwie gestört hat. Gerade wenn im Fußball alle das Gleiche prognostizieren, kommen Dinge manchmal doch noch ganz anders. Mich würde es nicht überraschen, wenn sie das noch zu ihren Gunsten drehen. Wenn sie ihre kleine Serie ausbauen, könnte ihnen das Flügel verleihen.

Obwohl das ja eigentlich das Privileg von RB Leipzig ist!

Henni: Der war net schlecht, Herr Herteux!

Was ein Comeback angeht, ist das etwas, das für den Hamburger SV nach dem 0:2 gegen Köln wohl nicht mehr infrage kommt. Sollten die mal langsam die ersten Schrauben ihrer Bundesliga-Uhr lockern?

Henni: Darauf spekulieren wir ja schon seit gut fünf Jahren, und letztlich bleiben sie doch immer drin. Ich finde aber, dass wir nicht zu streng mit dem HSV sein sollten. Schließlich darf man nicht vergessen, dass es in Hamburg sehr, sehr viele Sadomaso-Clubs gibt. Und so was prägt eine Stadt.

Mehr als eine Schraube locker scheint Pierre-Emerick Aubameyang zu haben. Ich lasse mal Rainer Calmund hier zu Wort kommen: »Es ist doch absolut zum Kotzen, wenn ich sehe, dass so ein Vollidiot mit seinem Vater so ein Theater machen kann.« Sie sind bestimmt gleicher Meinung, würden sich aber diplomatischer ausdrücken ...

Henni: Ja natürlich! Ich würde es so formulieren: »Das ist doch megamäßig zum Abreiern, dass so ein alberner Hannebambel und sein geldgeiler Alter eine Arbeiterregion so was von eklig vor den Kopf hauen. Zehn Wochen Zechen-Arrest und lebenslanges Friseur-Verbot!« Klingt schon besser, oder?

Quasi perfekt. Die Dortmunder werden ihn wohl für 70 Millionen nach London ziehen lassen, da ist zu viel Geld im Spiel. Aber: Würde jeder Fußball-Fan in Deutschland ein paar Euros dem BVB überweisen, und der im Gegenzug den Gabuner bis zum Vertragsende 2021 auf die Tribüne setzen, das wäre mal ein Zeichen.

Henni: Wenn Sie anfangen und mir Ihren Einzahlungsbeleg zeigen, mache ich mit!

Eintracht-Trainer Niko Kovac wird zu diesem Thema im »Kicker« so zitiert: »So etwas kann man nicht gutheißen. Da macht jeder, was er will, dann kommen Spieler zum Training, wann und wie sie wollen. Wo endet das denn? In Anarchie!« Nicht schlecht der Gedanke, denn dann können wir Aubameyangs Lamborghini abgreifen und eine Spritztour machen. Hätten Sie noch ein paar Ideen?

Henni: Ich sehe Sie und mich schon in unseren alten abgewetzten grünen Parkas im Auto von Aubameyang sitzen, wie wir »Ton, Steine, Scherben« oder die »Bots« hören und dabei mit unseren Joints antikapitalistische Parolen ins teure Armaturenbrett brennen! Herrlich!

Gut, dann würde ich sagen, dass wir mit diesen wunderschönen Gedanken für heute aufhören.

Henni: Wir könnten auch noch zu einer alternativen Kita fahren und den Kindern erlauben, den Wagen nach ihrem Geschmack anzumalen!

Ähm, ja, auch schön. Gut, dann bis zum nächsten Mal.

Henni: Oder wir nehmen einen großen Eimer Teer…

Ich denke, das reicht für heute Herr Nachtsheim…

Henni: Schade!

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