31. Januar 2020, 23:03 Uhr

Mit Biss und Respekt

31. Januar 2020, 23:03 Uhr
Olivia Reeh und ihrer TSG Leihgestern könnte im zweiten Anlauf der Aufstieg in die Oberliga Hessen gelingen. Die 31-Jährige weiß aber um die starken Konkurrenten. FOTO: VOGLER

Die TSG Leihgestern mischt in der Handball-Landesliga der Frauen von Saisonbeginn an oben mit. Das Ziel der ambitionierten Mannschaft heißt: Aufstieg in die Oberliga. Diese Vorgabe verpasste man in der vergangenen Spielzeit nur knapp - und das als Aufsteiger aus der Bezirksoberliga. Mit von der Partie beim erfolgreichen TSG-Projekt ist Olivia »Oli« Reeh, die ihre Laufbahn einst bei der SG Langgöns/Dornholzhausen startete, 2006 mit dem TV Lützellinden in der A-Jugend deutsche Meisterin wurde und beim TV Mainzlar und der SG Kleenheim in der 2. und 3. Bundesliga aktiv war.

Nach dem Zweitliga-Rückzug der Kleebachtalerinnen 2017 wollte die 31-Jährige eigentlich aufhören, überlegte es sich aber doch anders. Die Spielgestalterin folgte dem Ruf einer langjährigen Weggefährtin - und so war das Thema Karriereende ad acta gelegt. Vor dem Derby gegen die HSG Kleenheim-Langgöns II (Sa., 18 Uhr) blickt sie (auch) zurück.

Frau Reeh, wie kam es, dass Sie die Schuhe doch noch mal für die TSG Leihgestern geschnürt haben?

Ich hatte eigentlich gedacht, dass ich aufhöre. Jonna Jensen hatte sich relativ spät dazu entschieden, das Traineramt in Leihgestern zu übernehmen. Sie hat mich gefragt, ob ich Bock hätte, da das Niveau ein bisschen anzuheben und die Leute mitzuziehen, mit auszubilden und nach vorne zu bringen. Da dachte ich mir, warum nicht?

Das war immerhin ein »Abstieg« in die Bezirksoberliga. In der ersten Saison ist gleich der Aufstieg in die Landesliga geglückt. Letztes Jahr hat die TSG die Oberliga nur knapp verpasst. Woran lag es?

Das war in meinen Augen auch in Ordnung so. Lumdatal war die deutlich stabilere Mannschaft. Wir waren noch ein zusammengewürfelter Haufen und es dauert, bis sich ein mental stabiles Mannschaftsgefüge aufbaut. So etwas muss wachsen, deswegen war das gar nicht so schlimm. Das ist dieses Jahr schon viel besser und ich habe auch das Gefühl, dass inzwischen alles ein bisschen harmonischer ist, auch spielerisch. Das geht ganz vielen Spielerinnen so.

Wo kann es diese Saison hingehen? Sie haben bisher zwölf Siege und nur eine Niederlage auf dem Konto...

Wir können da oben bleiben, wenn wir in der Rückrunde die Spiele einfach in einer vernünftigen Art und Weise absolvieren. Ohne einen Totalausfall zu haben, was auch immer mal passieren kann, gerade im Hobbybereich. Da gibt es eben Tage, an denen nichts funktioniert. Das Spiel in Dutenhofen (19:21-Niederlage) war jetzt auch nicht gerade wirklich ein Paradebeispiel für die Leistung, die wir bringen können. Da hat man gemerkt, dass der Kopf nicht so richtig bei der Sache war. Aber das passiert, das ist nicht so dramatisch. Ich hoffe einfach, dass so etwas nicht noch mal vorkommt, sondern wir wirklich unseren Stiefel durchziehen können. Wir haben noch einige schwere Spiele vor uns, deswegen kann ich es nicht so richtig sagen, ob wir am Ende wirklich auf dem ersten Platz sind. Dafür sind unsere Gegner zu stark, als dass ich sagen könnte: Ja, gar kein Problem. Natürlich würde ich mich riesig freuen, wenn es klappt mit dem Aufstieg. Aber es ist auch in Ordnung, wenn eine der starken Mannschaften vor uns steht.

Wie sehr ärgert Sie der Punktabzug wegen Nichterfüllung des Schiedsrichter-Solls?

Das ist sehr ärgerlich, aber da hat die Mannschaft Größe gezeigt. Man hat schon einen blöden Eindruck davon bekommen, was da gelaufen ist. Die Mannschaft hat aber gar nicht lange darüber nachgedacht, sondern klar gemacht: Wir können es nicht ändern, wir machen weiter.

Wenn es mit dem Aufstieg klappt, bleiben Sie bei der TSG? Bleibt die Mannschaft zusammen?

In der Oberliga bleibe ich auf jeden Fall dabei und ein Großteil der Mannschaft auch. Ich hoffe jedenfalls, dass wir zum großen Teil so zusammenbleiben. Die Reise, die die Mannschaft begonnen hat, ist noch nicht zu Ende. Ich glaube, dass das Team sich noch extrem weiterentwickeln würde. Wenn sich jemand anders entscheidet, dann akzeptiert man das. Die Mannschaft ist in Ordnung, ich fühle mich wohl. Das sind alles total liebe Charakterinnen, es bringt jeder seinen Teil mit.

Haben Sie sich ein Limit gesetzt, wann Schluss ist mit Handball?

Nee, nicht so ganz (lacht). Ich hatte es in Kleenheim ja schon mal probiert. Mittlerweile bin ich aber schon an einem Punkt, an dem ich sage: Wenn ich jetzt nicht mehr spielen würde, habe ich genug andere Dinge zu tun. Es wäre zwar schade, weil ich glaube, dass ich es doch vermissen würde, in die Halle zu gehen. Dann kribbelt es wieder in den Fingern und man denkt sich: Du kannst ja mal ins Training gehen. Ich kann es nicht abschätzen. Wenn wir aufsteigen, spiele ich mindestens noch eine Saison Oberliga. Dabei muss man natürlich auch schauen, wie sich das körperlich entwickelt. Wenn man irgendwann nur noch Schmerzen hat, macht es auch keinen Spaß mehr. Das ist bei mir noch in Ordnung, ich fühle mich gut und bin fit.

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