24. März 2020, 07:35 Uhr

Basketball

Michael Koch: Wir-Gefühl muss sich entwickeln

Der neue Geschäftsführer der Gießen 46ers, Michael Koch, arbeitet mit Hochdruck daran, den Bundesliga-Standort in den schweren Zeiten der Corona-Krise überlebensfähig zu halten.
24. März 2020, 07:35 Uhr
46ers-Geschäftsführer Michael Koch denkt über Kurzarbeit nach. FOTO: FRIEDRICH

Gießen 46ers


Wie geht es weiter mit den Gießen 46ers in der Basketball-Bundesliga? Am Mittwoch gibt es per Videokonferenz einen Austausch der 17 Klubs der BBL. Dann wird erneut darüber beraten, welche Maßnahmen aufgrund der Coronavirus-Krise ergriffen werden. Am 12. März hatte die Liga beschlossen, die aktuelle Spielzeit 2019/20 zu unterbrechen. Das Ziel war damals, die Saison zu einem späteren Zeitpunkt zu Ende zu spielen. Ein Grund dafür war Zeitgewinnen - die Liga weiß, dass die Clubs auf ihre Zuschauereinnahmen angewiesen sind. Die auf Rang 13 platzierten Gießen 46ers haben bereits zwölf Heimspiele absolviert, vier stehen noch aus - insgesamt noch zwölf Partien bis zum Hauptrunden-Ende. 46ers-Geschäftsführer Michael Koch wünscht sich am Mittwoch endlich eine klare Entscheidung seitens der BBL - am liebsten in Richtung Abbruch der Saison.

Muss einem bange um die Zukunft der Gießen 46ers sein?

Bange muss uns allen sein. Keiner kann uns eine Vorhersage geben, wie lange uns der Coronavirus lahmlegt, wie er diese Saison oder auch noch die nächste beeinflusst. Augenblicklich funktioniert noch alles. Die Zeit spielt dabei eine große Rolle. Wir müssen einfach abwarten, wie sich das entwickelt.

Die US-Spieler Luke Petrasek, Kendall Gray, Teyvon Myers, Jordan Barnett, Stephen Brown und Matt Tiby sind bereits in ihre Heimat zurückgeflogen. Was war der Grund dafür, dass sie das vor dem Entscheidungstermin der BBL getan haben?

Das State Department in Amerika hat Ende letzter Woche ein Statement herausgegeben, dass alle amerikanischen Staatsbürger, die im Ausland leben, so schnell wie möglich nach Hause kommen sollen. Die Regierung kann nicht garantieren, dass in den nächsten Tagen noch die Möglichkeit besteht, amerikanische Staatsbürger nach Amerika einreisen zu lassen. So bestand die Gefahr, dass die Amerikaner in Europa stranden. Deswegen haben auch viele andere Amerikaner verschiedener BBL-Clubs den Weg nach Hause angetreten.

Gab es diesbezüglich eine Absprache von Ihrer Seite mit der Liga?

Nein. Von unserer Seite nicht. Wir sind die Sache mit einem großen Verständnis für die Spieler angegangen. Teilweise kamen sie auch auf uns zu und baten darum, zu ihren Familien zurückfliegen zu können.

Dass die Verträge vorzeitig aufgelöst wurden, kommt Ihrem Club in der schwierigen Situation zugute. Da sparen Sie gut eineinhalb Monate Gehalt. Oder?

Wenn die Verträge in beiderseitigem Einvernehmen aufgelöst werden, dann ist das so. Das gilt für alle außer Tiby. Das müssen wir noch final klären. Das war für uns eine grundsätzliche Herangehensweise, um das in diesem Rahmen zu lösen, damit der Club in den nächsten Monaten einen gewissen finanziellen Spielraum hat. Die Gehälter sind erst einmal vom Etat weg. Das hilft uns.

Wie sieht es grundsätzlich finanziell bei den 46ers für die Saison aus. Ihr Club hat dem kuriosen Spielplan geschuldet schon zwölf Heimspiele absolviert. Es stünden nur noch vier aus?

Von der Seite her hatten wir Glück, bei anderen Clubs dagegen stehen noch zehn Heimspiele aus. Das reißt natürlich noch ein größeres Loch in den Etat hinein. Die Frage ist, was entscheidet die BBL am Mittwoch? Wird die Saison beendet, fragen wir uns, was machen dann unsere Sponsoren, unsere Dauer- und VIP-Karteninhaber. Sie könnten ebenfalls Regressansprüche stellen. Deshalb ist es müßig, darüber zu diskutieren. Man muss abwarten, was die Liga entscheidet. Dann wird man sehen, was auf die einzelnen Clubs zukommt - und inwieweit es dann eine Solidarität zwischen allen Beteiligten gibt.

Wie läuft es bei Ihnen in der Geschäftsstelle. Wurde heruntergefahren, gibt es Kurzarbeit?

Wir haben alles heruntergefahren. Im Büro sind maximal drei Leute. Die anderen machen Homeoffice. Es wird aber gewechselt. Das Thema Kurzarbeit kommt nun auch auf die Geschäftsstelle wie auf die Spieler zu, die wir noch hier haben. Bei den Spielern sind wir auf ein Entgegenkommen ihrerseits angewiesen. Sie müssen Kurzarbeit nicht unbedingt akzeptieren. Wir müssen sehen, wie wir bestmöglich aus der Lage herauskommen. Wenn die Liga-Entscheidung fällt, rollt das Ganze an.

Mit welcher Entscheidung der Liga rechnen Sie am Mittwoch?

Ich kann es nicht sagen. Wenn man aber sieht, wie viele Spieler die Vereine bereits schon als Abgänge verzeichnen, dann denkt natürlich jeder darüber nach, dass die Saison beendet werden müsste. Anderseits bin ich in der BBL-Geschäftsstelle nicht so involviert, dass ich sagen kann, inwieweit es Probleme mit MagentaSport und easycredit, die die Hauptsponsoren der Liga sind, bezüglich Regressansprüchen gibt. Da kann ein Riesenfeld in Millionenhöhe auf die Liga zukommen.

Wie halten sich die restlichen Spieler des Kaders fit?

Da alle Hallen geschlossen sind und Kontakte ausgeschlossen sind, muss jeder Spieler selbst sehen, dass er sich fit hält. Wir haben mit Athletiktrainern und den Physios gesprochen, welche Möglichkeiten es für sie gibt.

Was erhoffen Sie sich für eine Entscheidung von der Liga?

Wir alle wünschen uns, dass eine klare Entscheidung kommt und die dann heißt, dass die Saison abgebrochen wird. Und dann wünschen wir uns, dass alle zusammenstehen und sich ein Wirgefühl entwickelt. Gießen und Basketball ist Tradition - und die werden wir versuchen, mit allen Mitteln zu halten. Da gehören alle dazu - die Geschäftsstelle, die Gesellschafter, die Fans, jeder einzelne, der seinen Beitrag geleistet hat, dass es hier funktioniert. Und ich hoffe, dass die Menschen auch weiterhin ihren Beitrag leisten, damit wir erstklassigen Basketball in Gießen sehen.

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