29. November 2018, 16:00 Uhr

Rhönrad

Meike Sprankel: Das sportliche und soziale Vorbild

Mit 19 Jahren weist Meike Sprankel eine erstaunliche Reife auf. Die Grünbergerin, die in Gießen studiert, ist beim TSV Groß-Eichen zum Vorbild geworden.
29. November 2018, 16:00 Uhr
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Von Sven Nordmann

Meike Sprankel beweist, dass »oldschool« tatsächlich ziemlich cool ist. Am Samstagmorgen beschäftigt sich die 19-jährige Grünbergerin nicht wie viele in ihrem Alter mit dem Auskatern, sondern damit, das Nachwuchstraining in Groß-Eichen zu leiten und anschließend selbst am Rhönrad zu trainieren. »Freitags, oder generell, feiern zu gehen, das ist nicht so meine Sache. Da bin ich ein bisschen oldschool«, sagt Meike Sprankel. »Da mache ich lieber Sport als bis in die Nacht wegzugehen.«

Die Rhönradturnerin ist beim TSV Groß-Eichen ein Vorbild: Sportlich, aber auch sozial. »Sie ist diejenige, die bei uns auf dem höchsten Level turnt«, sagt Vorsitzender Dirk Wünsch. Die Qualifikation für die deutschen Meisterschaften hat Sprankel in diesem Jahr nur knapp verpasst. »Ich arbeite darauf hin, dass es beim nächsten Mal klappt«, sagt Sprankel.

Die talentierte Sportlerin zeigt zudem soziale Kompetenz, wenn sie sagt: »Ich sehe, dass es wichtig ist, sich zu engagieren. Ansonsten funktioniert es nicht.« Die Grundschullehramt-Studentin der JLU Gießen weiß: »Kinder machen heutzutage zu wenig Sport. Ich finde es wichtig, dass es Angebote gibt und die Kinder die Chance haben, lange im Verein zu bleiben.«

So ist der 19-Jährigen schon jetzt bewusst, dass sie eine tragende Rolle in der Zukunftsplanung des Vereins einnehmen möchte. Es sei wichtig, ein »angenehmes Klima« im Verein zu schaffen – »dann macht man es Sportlern einfacher, zu bleiben und sich zu engagieren«.

30 Aktive beim TSV Groß-Eichen

Das gelingt dem TSV Groß-Eichen, der mit seinen 30 Aktiven über eine eigene Turnhalle verfügt und trotz verschwindend geringer Mitgliedsbeiträge erfolgreich überlebt. Knapp über 50 Euro Jahresbeitrag zahlt Sprankel beispielsweise. Ein Erfolgsrezept des TSV: »Zukünftige Trainer-Generationen generieren. Damit steht und fällt so eine Randsportart«, weiß Wünsch.

Laura Schombert, 26 Jahre alt und ehemalige süddeutsche Schülermeisterin, ist so eine Kandidatin, die erfolgreich in die Trainerrolle geschlüpft ist. »Gut Bewegung sehen können, ein großes Repertoire an Korrekturen«, müsse man mitbringen.

Um für das Rhönrad gerüstet zu sein, bedarf es turnerischer Grundfertigkeiten. »Seine Bewegung mit der ständigen Bewegung des Rads koordinieren«, sei die große Herausforderung. Während Sprankel von einer »guten Körperbeherrschung« als Voraussetzung spricht, erklärt Wünsch: »Keines der Kinder, das hier hinkommt, kann schon einen Handstand. Das lernt man hier.«

Dass die Rhönradturner auf ständige Bewegung gepolt sind, zeige das Reck als ungewohntes Gerät. »Wenn man Rhönradturner da dranstellt, versuchen sie teilweise, das Gerät in Bewegung zu bringen. Das Reck steht an seiner Stelle, beim Rhönrad ist es nie zu 100 Prozent gleich. Da arbeitest du viel damit, was das Rad dir an Schwung und Kraft wiedergibt«, sagt Wünsch.

Die sportliche Komponente, verbunden mit dem Kraftaufwand, ist groß: »Es heißt Rhönradturnen und nicht -fahren«, meint Sprankel, die von Wünsch während der Trainingseinheit am Montagabend während einer Übung zugerufen bekommt: »Schön, jetzt ist das Rad mal rund gelaufen!«

Für die hessischen Meisterschaften kann sich jeder Aktive, von denen es im Rhönrad in Deutschland rund 10 000 gibt, anmelden. Dort kann man sich für die süddeutschen Meisterschaften qualifizieren, worauf die Deutschen Meisterschaften folgen. Dort tritt man in drei Disziplinen (Übungen zur Musik mit einer Dauer von zwei, drei Minuten, Spiraleübung und Sprung) an.

Verpasst hat Sprankel die DM-Quali auch wegen ihrem verbesserungswürdigen Sprung, an dem auch im Training am Montag gearbeitet wird. In der Leistungsgruppe turnen manche am Rad, andere üben Sprünge am Trampolin oder müssen zwischendurch auch mal Liegestütze machen. Bei Sprankel hakt’s seit der Einführung der Schraube am Salto – bis zu den nächsten Hessischen Meisterschaften im Sommer 2019 soll er wieder gerade verlaufen.

Neben den Wettkämpfen zählen zahlreiche Shows, auch selbst veranstaltet, zu den Highlights. »Wir gehören zum Dorf dazu – wenn Aktivitäten in der Großgemeinde Mücke stattfinden, werden wir gefragt«, sagt Wünsch. Einmal in zehn Jahren wird auch eine vereinseigene Rhönrad-Show organisiert – ein Jahr Vorbereitungszeit bedarf es für das Highlight, das 2013 zuletzt rund 900 Zuschauer anlockte. Die nächste Show soll also spätestens 2023 steigen – dann wohl mit Meike Sprankel als Trainerin.



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