24. Februar 2019, 22:11 Uhr

Amateurfußball-Kongress

Löw in Kassel: Kritik an Profis und Lob für die Basis

24. Februar 2019, 22:11 Uhr

Das Spitzenduo zu Besuch an der Basis. Bundestrainer Joachim Löw und Martina Voss-Tecklenburg, die neue Trainerin der deutschen Frauen, besuchten am Sonntag den Amateurfußball-Kongress des DFB in Kassel. Löw überraschte dabei mit starker Kritik am Benehmen der Profis.

Erschwerte Ankunft – E r hatte sich verspätet. Morgens um sieben war Löw in Freiburg in die Bahn gestiegen. »Ich fahre gerne Bahn. Um diese Zeit ist es auch ruhig. An anderen Tagen muss ich schon mal 200 Selfies machen. Da wird es manchmal anstrengend«, erzählt der Bundestrainer später. Die Bahn hatte Verspätung. Ein anderes Hindernis musste Löw überwinden, als er an der Drehtür des Hotels »La Strada« angekommen war. Mit Löw drängten vier Personen hinein. Zuviel. Die Tür blockierte. Erst als alle enger Zusammenrückten, geht es weiter.

Der Geburtstag – Wer kann das schon behaupten? Dass zu seinem 50. Geburtstag der Bundestrainer persönlich kommt. Ganz so war es nicht, aber so ein bisschen kann das Christoph Widera nun behaupten. Er nahm vor dem Eingang des »La Strada« fleißig Glückwünsche entgegen, als Löw vorgefahren wurde. Als der Bundestrainer den Wagen verließ, hatte es den Anschein, als wollte er jetzt mit der Geburtstagsgesellschaft ins Hotel gehen und feiern. Dazu kam es aber nicht – Löw bog links ab, die Geburtstagsgesellschaft rechts.

Die Kritik – Löw und Voss erzählen locker, aufgeräumt, interessant. Erinnern sich an ihre Anfänge in der Jugend, bei den Amateuren. Sprechen über Aufgaben und Ziele. Doch Löw hat auch ein Anliegen mitgebracht, das schnell für Gesprächsstoff sorgen wird: das Benehmen der Profis auf dem Platz. Löw formuliert starke Kritik. Er schimpft über Schwalben. Über Simulieren. Über permanente Rudelbildung. Er sagt energisch: »Das sehen die Kinder, das sehen die Amateure.« Und erteilt einen klaren Auftrag auch an seine Nationalspieler: »Wir müssen das wieder in die richtige Richtung lenken. Fairness ist das höchste Gebot.« Im Saal gibt es anhaltenden Beifall.

Die Sympathieträgerin – Löw kennt jeder – 13 Jahre ist der Mann fast schon Bundestrainer. Aber Martina Voss-Tecklenburg? Die 51-Jährige ist seit drei Monaten im Amt und muss sich ihre Bekanntheit erst erarbeiten. Am Samstag war sie im ZDF-Sportstudio zu Gast, am Sonntag beim Amateurfußball-Kongress – und in diesem Sommer steht die Frauen-WM auf dem Programm. Eines steht jetzt schon fest: Sie taugt zur Sympathieträgerin. In Kassel gibt sie sich volksnah. Steht im Raum als gehöre sie zu den Delegierten und lobt den Amateurfußball: »Ich liebe es, da am Rand zu stehen und eine Bratwurst zu essen.« Manchmal fahre sie mit dem Rad durch die Gegend und halte extra an, um Amateuren beim Kicken zuzuschauen. Sie sagt das alles locker und unbeschwert, als sei sie schon 13 Jahre Bundestrainerin. Dabei wäre es fast nichts geworden mit dem Fußball. Sie gehört einer Generation an, in der Mädchen nicht wie selbstverständlich zum Fußball gingen. »Meine Mutter hat mir das verboten«, erzählt Voss-Tecklenburg. Sie setzte sich durch.

Die Abschiedsworte – Löw und Voss-Tecklenburg haben über ihre Karrieren erzählt und über ihre Mannschaften. Als die Diskussion dem Ende entgegengeht, richten sich beide noch mal an die Amateure. Voss-Tecklenburg bittet: »Bewahrt euch eure positive Energie. Und denkt daran: Wir sind privilegiert, wir leben in Europa, wir haben so viele Chancen.« Und Löw dankt »allen in den Vereinen. Allen, die unbezahlt arbeiten, aber für uns unbezahlbar sind.« Frank Ziemke und Florian Hagemann

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