22. Mai 2019, 07:00 Uhr

Interview mit Topsprinterin

Lisa Mayers Ziel ist die WM in Doha

Lisa Mayer ist zurück. Die Topsprinterin hat ihre Verletzungspause hinter sich gebracht. Die 23-Jährige vom Sprintteam Wetzlar will in dieser Saison in den Angriffsmodus schalten. Ein Höhepunkt ist für die Gießenerin die WM in Doha.
22. Mai 2019, 07:00 Uhr
Eine glückliche und optimistische Lisa Mayer: Die Topsprinterin hat sich bei den World Relays in Yokohama nach ihrer langen Verletzungspause mit einem starken Staffel-Lauf zurückgemeldet und geht mit viel Selbstbewusstsein in die Freiluftsaison. (Foto: Vogler)

Lisa Mayer kann es kaum erwarten, den nächsten Wettkampf in Angriff zu nehmen. Sie ist glücklich nach ihrem ersten Start nach ihrer langwierigen, schweren Muskelverletzung nach fast eineinhalb Jahren. In Yokohama lief sie bei den World Relays mit der deutschen 4x100-m-Staffel kürzlich im Vorlauf in das Finale. Sie verzichtete dann aber auf die Teilnahme am Endlauf, in dem das Quartett Bronze holte und sich vorzeitig für die WM in Doha (28. September bis 6. Oktober) qualifizierte. Mayer wollte nicht gleich übertreiben, hörte genau in ihren Körper und entschied sich in Absprache mit den Trainern für den Lauf-Verzicht. Ihrer Freude über die Medaille tat das keinen Abbruch.

Überhaupt steckt die Staffel-Olympia-Vierte voller Tatendrang und will in ihrem »Übergangsjahr« national und international wieder mitmischen. Langfristig strebt die mittelhessische Top-Athletin über 100 Meter eine Zeit unter elf Sekunden an. Aktuell steht bei ihr eine 11,14 als Bestzeit. Über die 200 m ist es für sie schwer einzuschätzen, wohin die Reise gehen wird. Die Bestzeit liegt bei 22,64. Aber erst einmal freut sie sich auf die anstehenden Wettkämpfe.

Das war für Sie sicher sehr aufwühlend, als Sie nach der langen Wettkampfpause aufgrund Ihrer Verletzung wieder gestartet sind - und dann gleich für Deutschland bei den World Relays in Yokohama?

Lisa Mayer: Ich bin sehr glücklich, gesund und munter auf der Bahn gestanden zu haben. Es hat Riesenspaß gemacht. Ich muss auch sagen, als ich im Call-Room saß und dann auf der Bahn stand, hat es sich angefühlt, als wäre es gestern gewesen - was mich sehr erstaunt hat, denn es war schon eine lange Zeit ohne Wettkämpfe.

Wenn Sie Ihren Lauf in der Staffel auf Position zwei reflektieren, wie fühlte er sich für Sie an?

Mayer (lacht): Das ist immer sehr schwierig einzuschätzen. Er war schnell, aber technisch bin ich nicht ganz so zufrieden, wobei ich von anderen nur positives Feedback erhalten habe, dass er sehr gut war - was auch die Auswertung zeigte.

Was war der Grund, warum Sie im Finale nicht im Quartett standen?

Mayer: Ich habe mich körperlich nicht ganz so fit gefühlt, ein minimales Ziehen gefühlt, aber überhaupt nichts Schlimmes. Wir haben gesagt, wir haben uns für alles so viel Zeit gelassen, ich bin im Vorlauf so super gerannt: Es muss jetzt nicht noch einmal auf Teufel-komm-raus sein. Manchmal muss man sich auch mit dem zufrieden geben und glücklich sein.

Was haben Sie sich für die Saison auf der Bahn vorgenommen?

Mayer: Erst einmal in das komplette Wettkampfgeschehen zurückzukehren - Wettkämpfe, Wettkämpfe, Wettkämpfe. Ich möchte mich national, aber auch international wieder etablieren. Ich werde die Rennen suchen - zum Einstieg in Deutschland. Das wird vermutlich Mitte Juni sein. Ich glaube, dass ich die brauche. Zeitenmäßig ist es immer schwierig, so etwas vorauszusagen - oder was man sich da wünscht. Für mich ist es wichtig, zurückzukehren, gesund und belastbar zu sein. Ich bin ein ehrgeiziger Mensch, und wenn ich auf die deutsche Meisterschaft in Berlin vorausschaue, natürlich will ich da um den deutschen Titel mitlaufen. Das steht außer Frage

Das war Ihre Kampfansage, die Sie kürzlich gegenüber dieser Zeitung im Interview gaben.

Mayer: Genau. Aber 2019 wird eine Art Übergangsjahr, weil Tokio schon seine Schatten vorauswirft und mit der Vorgeschichte, dass man erst einmal wieder in den Rhythmus kommen muss. Aber wenn ich mir meine Trainingsleistungen und, und und angucke, dann kann ich sehr selbstbewusst in die Saison gehen.

Sind Sie auf eine Strecke fokussiert - 100 m oder 200 m?

Mayer: Langfristig auf jeden Fall parallel, ganz verstärkt wieder auf die 200 mit Blick auf 2020. 2019 werde ich beide Strecken laufen, merke aber schon, dass ein Trainingsrückstand für 200 m noch ein kleines bisschen da ist. In diesem Rückkehrjahr bleibt der Fokus erst einmal auf den 100 m.

Was sind Ihre Saisonhöhepunkte?

Mayer: Der Höhepunkt ist ganz klar die WM in Doha, wo ich Einzel und mit der Staffel laufen möchte - auch dort im Finale (lacht). Klar, die Deutschen in Berlin 3. und 4. August, eine Woche später die Team-EM in Polen - und in die Diamond League reinzukommen, wäre auch schön. Aber da muss im Vorfeld die Leistung passen, um bei den großen Rennen dabei zu sein.

Wo trainieren Sie eigentlich überall, und wie wichtig ist Ihr Club Sprintteam Wetzlar für Sie?

Mayer: Ich trainiere hauptsächlich in Mannheim, da bin ich vier- bis fünfmal die Woche. Einmal kommt mein Trainer nach Frankfurt, damit ich nicht fahren muss. Und einmal die Woche bin ich bei meinem Physio Dirk Lösel in Launsbach. Mein Verein unterstützt mich, wo immer er nur kann - und hat die ganze Zeit hinter mir gestanden. Trainigstechnisch findet in Wetzlar nicht allzuviel statt - ab und zu Staffeltraining. Ich erhalte von meinem Verein allerhöchste Rückendeckung und Unterstützung auf dem Weg zurück in die deutsche Spitze.

Wie sieht es beruflich bei Ihnen aus?

Mayer: Im März habe ich mein Studium in Germanistik und Geografie abgeschlossen, seit September letzen Jahres bin ich als Sportsoldat bei der Bundeswehr. Bis nach 2020 möchte ich mich voll auf den Sport konzentrieren, ob es dann mit einem Master im Studium weitergeht oder direkt mit einem Jobeinstieg, wird sich dann zeigen.

Wie lange wollen Sie Leistungssport überhaupt betreiben?

Mayer: Sport ist nicht planbar, aber der Blick geht bis Olympia Paris 2024 - dann bin ich 28. Das ist ein Alter, bis dahin kann man auf jeden Fall den Leistungssport ausüben. Das wäre eine Benchmark. Aber vielleicht sage ich auch 2024, ich will nicht aufhören, es ist so schön, ich mache noch zwei Jahre weiter.

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