18. Oktober 2017, 05:55 Uhr

DHB-Pokal

Kohlbacher wirft Wetzlar ins Viertelfinale

Die HSG Wetzlar benötigt nach dem Achtelfinal-28:27 beim Bergischen HC nur noch einen Sieg zum Erreichen des Final 4.
18. Oktober 2017, 05:55 Uhr
Daniela_Pieth
Von Daniela Pieth
Im Hexenkessel von Solingen ziehen Kristian Björnsen (Mitte) und die HSG Wetzlar mit einem 28:27-Zittersieg beim Bergischen HC in das DHB-Pokal-Viertelfinale ein. Den HSG-Norweger nicht aufhalten kann hier Fabian Gutbrod (22), Torhüter Christopher Rudeck baut sich noch vor ihm auf. (Foto: Weiss)

In einem wahren Handball-Krimi hat sich die HSG Wetzlar im Achtelfinale des DHB-Pokals beim Bergischen HC mit 28:27 (16:14) durchgesetzt und damit für das Viertelfinale qualifiziert. »Das Spiel hatte für mich Bundesliganiveau«, meinte HSG-Trainer Kai Wandschneider, »das war ein hervorragendes Spiel mit Tempo und guten Aktionen.« Wie erwartet, entwickelte sich eine Partie auf Augenhöhe, in der die HSG wiederholt mit einem Tor in Führung gehen konnten. Der BHC machte sich mit einigen Fehlwürfen selbst das Leben schwer, während es bei Wetzlar eher technische Fehler waren, die einen größeren Vorsprung verhinderten.

Filip Mirkulovski lief in den ersten 20 Minuten allerdings heiß, markierte mit einem Dreierpack das 9:8. Für Torhüter Benjamin Buric verlief der Abend bis dahin weniger gut, er räumte für Nikolai Weber den Kasten, der aber gegen Fabian Gutbrods Kracher zum 10:10 ebenfalls chancenlos war. Eine Zeitstrafe für Maciej Majdzinski nutzten die Grün-Weißen zur 12:10-Führung. Und die HSG legte nach, nutzte die Fehler des Gegners konsequent aus. Schefvert mit Glück und Kristian Björnsen per Gegenstoß erhöhten auf 14:11 und zwangen Löwen-Coach Sebastian Hinze in die erste Auszeit nach 25 Minuten.

Dessen Ansprache zeigte Wirkung. In Zeitnot bediente Tomas Babak Kreisläufer Max Darj, der zum 12:14 einwarf. Kurz darauf zeigte Bastian Rutschmann im Tor der Gastgeber seine erste Parade und leitete so das 13:14 von Majdzinski in der zweiten Welle ein. Ein Siebenmeter von Holst, den Rutschmann schon gehalten wähnte, rutschte zur 16:14-Führung für die HSG Netz.

Der BHC kam besser aus der Kabine und hatte nach zwei Minuten durch Gutbrod den viel umjubelten 16:16-Ausgleich erzielt, kassierte aber kurz darauf eine Zeitstrafe. Das Überzahlspiel der Wetzlarer gelang deutlich besser als in manch anderen Partien – und auch die Siebenmeter-Quote hatte mit Holst wieder eine verlässliche Größenordnung. Kaum zu stoppen war auch Kohlbacher, der sich in Solingen aus seiner Torflaute herauswarf. Beim 22:18 in der 43. Minute erzielte er bereits seinen fünften Treffer. »Das war heute das beste Saisonspiel von Jannick Kohlbacher, und auch die acht von acht Siebenmetern von Holst waren toll«, lobte Wandschneider.

In der Folge brachten technische Fehler der HSG und eine Zeitstrafe gegen Philipp Pöter den Zweitligisten wieder heran. Die Auszeit von Trainer Wandschneider fruchtete zunächst kaum, denn Babak gelang per Lupfer der 21:23-Anschlusstreffer. Der BHC scheiterte oftmals am Aluminium oder aber nun an Buric, der mit seiner Parade den 25:22-Treffer von Alexander Hermann ermöglichte. Der Wetzlarer Keeper fand im zweiten Durchgang deutlich besser ins Spiel und sorgte mit seinen Paraden immer wieder für Ballgewinne, die seine Vorderleute zu nutzen wussten. Kohlbacher traf nach Anspiel von Pöter in der 53. Minute zur wichtigen 27:23-Führung – doch der Drops war noch lange nicht gelutscht.

Trainer Sebastian Hinze brachte in seiner Auszeit die Rückraumkanoniere Gutbrod und Linus Arnesson, die postwendend den 25:27-Anschluss herstellten. Jetzt wurde es für die HSG wieder richtig eng. Arnor Gunnarsson besorgte das 26:27, die Bergischen Löwen profitierten hier auch von zwei Wetzlarer Fehlwürfen, die sogar am Tor vorbeiflogen.

Der Krimi ging weiter. Nachdem Holst die Kugel per Siebenmeter hinter Rutschmann zum 28:26 versenkt hatte und Buric mit zwei Paraden glänzte, schien das Spiel endgültig gelaufen. Doch Gunnarsson traf aus fast unmöglichem Winkel zum 27:28 für die Gastgeber. HSG-Coach Wandschneider nahm seine letzte Auszeit, um seine Mannschaft für die letzten Sekunden zu präparieren. Der BHC versuchte Wetzlar mit einer offenen Manndeckung in Fehler zu zwingen, doch Björnsen konnte sich trotzdem durchsetzen, scheiterte an Christopher Rudek. Somit blieben den Gastgebern noch 15 Sekunden, um sich in die Verlängerung zu retten. Einen von Kristian Nippes herausgeholten Freiwurf setzte Gutbrod jedoch über das Tor. Vorbei. Jubel bei den Grün-Weißen.

»Über 60 Minuten waren wir besser, deshalb geht das Ergebnis in Ordnung«, lautete die Analyse von Trainer Wandschneider. »Wir hatten leider Phasen, wo wir nicht stabil genug waren«, räumte Hinze ein, »trotzdem haben wir eine tolle Moral gezeigt und es geschafft, Wetzlar zu stressen. Insgesamt war Wetzlar heute die bessere Mannschaft. Wir hätten noch irgendein Plus gebraucht, dann hätten wir gewonnen.«



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