07. August 2017, 16:00 Uhr

Vor Jugend-WM

Jochen Beppler: »Wir wollen die Früchte ernten«

Der Langgönser U 19-Bundestrainer spricht vor der WM in Georgien über die Chancen des DHB-Nachwuchses sowie sein künftiges Amt als Chefbundestrainer.
07. August 2017, 16:00 Uhr
U 19-Bundestrainer Jochen Beppler (Gießen) steht mit dem Jugend-Nationalteam vor der WM in Georgien. (Foto: Vogler)

Seit vergangenen Dienstag ist Jochen Beppler wieder in der Heimat beschäftigt. Der Jugendkoordinator des Deutschen Handball Bundes hat sich mit der U 19-Nationalmannschaft in Linden auf die Weltmeisterschaft in Georgien vorbereitet. Am 1. August wurde bekanntgegeben, dass der Langgönser ab 1. Dezember beim DHB seinen neuen Posten als Chef-Bundestrainer Nachwuchs antritt. Er folgt somit auf Axel Kromer (männlich) und Maik Nowak (weiblich), womit die Struktur des Leistungssports beim DHB weiter optimiert wird. Am Rande einer Trainingseinheit nahm er sich Zeit, über seine neue Aufgabe zu sprechen.

Wann haben Sie von der neuen Aufgabe erfahren und wie schätzen Sie Ihr neues Arbeitsfeld ein?

Beppler: Es ist schon ein Weilchen her, als mir Wolfgang Sommerfeld, sein Nachfolger Axel Kromer und Bob Hanning ihre Pläne vorgestellt haben. Es war ja auch die Frage, wie es mit mir jetzt weitergeht, da meine ersten zwei Jahre beim DHB bald rum sind. Somit hätte ich in den Schuldienst zurückkehren oder aber beim DHB verlängern müssen. Dafür war zunächst wichtig, dass der Verband klärt, wie er sich aufstellt und das voranzutreiben. Nachdem das erledigt war und man mir das vorgestellt hatte, war das natürlich ein großer Vertrauensbeweis. Wir haben die Details abgeklopft und geschaut, ob wir zusammenkommen. Das war zum Glück so!

Sie haben in jungen Jahren einen ziemlich steilen Aufstieg als Trainer und beim DHB erlebt. Wann haben Sie Ihre Trainerkarriere begonnen?

Beppler: Relativ früh, in Zeiten, in denen ich auch noch gespielt habe. Als Spieler war ich dann irgendwann einfach limitiert. Doch das war nicht das entscheidende, sondern für mich war die Karriere als Spieler innerlich beendet, als ich mit meiner Trainerausbildung begonnen habe. Das war 1999. Da habe ich das Spiel ganz anders kennengelernt. Von da an war klar, dass ich mich damit intensiver auseinandersetze. Das war der Startschuss.

War dann klar, dass der Weg nach oben führen sollte? Hatten Sie sich zum Ziel gesteckt, die Ausbildung weiter fortzuführen?

Beppler: Es war gar nicht so, dass ich gesagt habe: Das will ich als nächstes machen. Es hat sich eins aufs andere ergeben. Ob es der Wechsel in Wetzlar war, wo im Winter 2009 Michael Roth Trainer der HSG wurde. Rainer Dotzauer (damals Manager, Anm. d. Red.) kam auf mich zu und hat mich gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, als Co-Trainer einzusteigen. Dafür bin ich ihm ebenso dankbar wie den Mentoren, die ich damals hatte, mit Eberhard Lang und Dirk Leun. Oder auch meinem ersten Trainerausbilder Thomas Göttmann. Es waren viele Stationen dabei, die nicht geplant waren. Die haben sich ergeben und ich habe, wie ich es auch von einem jungen Spieler erwarten würde, einfach zugepackt und gemacht.

Wann sind Sie beim HHV selbst als Ausbilder eingestiegen?

Beppler: Das war 2004 oder 2005. Ich habe zunächst nur in der C-Lizenz ausgebildet, habe 2005 meine B-Lizenz gemacht und 2007 meine A-Lizenz. Mit der A-Lizenz war ich dann auch in der B-Trainer-Ausbildung dabei und jetzt seit vier Jahren in der A-Lizenz-Ausbildung. Letztes Jahr habe ich die Europäische Mastercoach-Lizenz gemacht. Wenn ich zurückblicke, denke ich manchmal, wie viel Zeit ist da vergangen, wie viele Trainingseinheiten hast du schon abgerissen.

Die erste Tätigkeit für den DHB war die Leitung des Stützpunktes ab 2011 hier in Wetzlar – oder?

Beppler: Ja. Der HHV hat sich darum bemüht. Es weiß kaum noch jemand, wie die Situation damals in Hessen war. Das Internat in Großwallstadt machte auf, die Nachwuchsarbeit des Hessischen Handball-Verbandes lag am Boden. Wir hatten zwei Jahre hintereinander keine Qualifikation für die Länderpokal–Endrunde vorzuweisen, weil wir viele Talente abgeben mussten. Dann haben wir gesagt, wir müssen in die Stärkung unserer Strukturen investieren. Wir haben uns dann mit Wetzlar dafür stark gemacht, diesen DHB-Stützpunkt nach Hessen zu bekommen. Das haben wir in gemeinsamer Anstrengung geschafft und die Effekte waren, dass der Standort Mittelhessen wieder viele Talente herausbrachte.

Wenn ich nur an die 1997er denke, mit denen wir die deutsche Landesmeisterschaft wieder nach Hessen geholt haben. Tim Lauer, Lukas Gümbel waren dabei und es haben als 1998er auch ein Till Klimpke und Hendrik Schreiber mitgespielt. Damit sind viele Talente wieder in Hessen geblieben und haben den Weg nach Hüttenberg oder Wetzlar gefunden. Jannik Hofmann und Möritz Zörb zum Beispiel. Das ist 2011 eine Stärkung der Struktur gewesen. Das war auch der Zeitpunkt, wo ich bei der HSG Wetzlar ausgestiegen bin, weil sich diese Möglichkeit aufgetan hat.

Sie sind beim DHB geblieben. Was haben Sie noch vor, wohin führt Ihr Weg?

Beppler: Auch da gucke ich einfach mal, was kommt. Ich habe ja jetzt nicht unterschrieben, um in zwei Jahren etwas anderes zu machen. Ich sage Talenten immer: Wenn du genau weißt, dass du in zwei Jahren woanders hinwillst, dann wird das nichts. Du musst so eine Entscheidung treffen, als würdest du das fünf Jahre machen. Wenn sich dann etwas ergibt, sich der Verband auch anders aufstellen will, kommt alles ins Wanken. Ich habe einen Zwei-Jahres-Vertrag und wir haben momentan eine tolle Situation. Wir haben bei den Jüngsten neue Strukturen geschaffen, wo wir hoffen, die Früchte zu ernten.

Und wir haben zwei Weltmeisterschaften im eigenen Land, bei denen wir mit den beiden Bundestrainern schauen, wie wir Dinge nach unten transportieren und auch diese Bereiche verzahnen.

Zudem streben Sie an, den männlichen und weiblichen Bereich unter einen Hut zu bekommen.

Beppler: Ja, das macht Sinn. Michael Biegler hat das eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Es hat lange den Irrglauben gegeben, dass die Führung von Frauen- und Männermannschaften vollkommen anders gemacht werden muss. Klar, gibt es Besonderheiten, aber in der Trainingsmethodik, in den Inhalten, was die Strukturen angeht, ist da nichts anders zu machen. Jetzt wollen wir uns natürlich im weiblichen Nachwuchsbereich in der Breite so gut aufstellen wie im männlichen Bereich. Das ist wiederum ein Zusammenwirken aller Institutionen des Dachverbandes, aber auch der Landesverbände. Damit wir auch aus dieser Talsohle der Mitgliederentwicklung herauskommen, umso spannender wird es dann auch wieder, die besten herauszusuchen.

Jetzt steht die WM mit den U 19-Jungs in Georgien an. Die Turniersaison verläuft für den deutschen Handball bisher recht erfolgreich. Wie schätzen Sie die Chancen der U 19 ein?

Beppler: Wir haben zwei, drei schwierige Aufgaben. Zum einen ist das dieses Switchen der Systeme allein in der Vorrunde. Dann ist es ein ganz anderes Turnier als eine EM, wo man in der Hauptrunde noch mal ein verlorenes Spiel ausbügeln kann. Hier darfst du dir ab dem Achtelfinale keine Niederlage mehr leisten. Das ist eine einfache Rechnung und wird auch nur einer Mannschaft gelingen. Es sind acht Mannschaften, die diesen Titel gewinnen können – wir sind eine davon. Wenn wir eine gute Gruppenphase spielen und uns für das Achtelfinale eine gute Ausgangsposition erarbeiten, beginn zwar ab diesem Zeitpunkt ein neues Turnier. Aber dann wird es nicht nur so sein, dass wir sagen, wir würden der einen oder anderen Mannschaft gerne aus dem Weg gehen. Dann werden viele andere sagen, Deutschland wollen wir auch nicht unbedingt haben.

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