Lokalsport

In jedem Alter ist Leistung möglich

Zwei unterschiedliche Personen mit unterschiedlichen Zielen und unterschiedlichen Lebensformen und Voraussetzungen. Doch der Weg zur Leistungssteigerung birgt viele Gemeinsamkeiten. Hier Victor Brück, ein 20-jähriger Lizenz-Radrennfahrer der RSG Gießen und Wieseck, der an der THM Maschinenbau studiert und für das Bundesligateam Opelit-Fachklinik Dr. Herzog am Start steht. Dort Wolfgang Rinn, ein 49-jähriger Radsportler der RV Gießen-Kleinlinden, der fest mit beiden Beinen im Berufsleben bei der Roma KG und mit der geplanten Teilnahme an der Tour Transalp in diesem Sommer vor seinem sportlichen Lebenshöhepunkt steht.
31. März 2017, 17:43 Uhr
Ronny Herteux
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Victor Brück

Zwei unterschiedliche Personen mit unterschiedlichen Zielen und unterschiedlichen Lebensformen und Voraussetzungen. Doch der Weg zur Leistungssteigerung birgt viele Gemeinsamkeiten. Hier Victor Brück, ein 20-jähriger Lizenz-Radrennfahrer der RSG Gießen und Wieseck, der an der THM Maschinenbau studiert und für das Bundesligateam Opelit-Fachklinik Dr. Herzog am Start steht. Dort Wolfgang Rinn, ein 49-jähriger Radsportler der RV Gießen-Kleinlinden, der fest mit beiden Beinen im Berufsleben bei der Roma KG und mit der geplanten Teilnahme an der Tour Transalp in diesem Sommer vor seinem sportlichen Lebenshöhepunkt steht.

Brück, seit 2011 rennmäßig unterwegs und mit 20 Jahren erfahrungsgemäß noch nicht im besten Radsportalter angekommen, hat schon bei mehreren Landesmeisterschaften das Podest erklommen, bewies Stärke auch als 14. bei der U23-DM im Bergzeitfahren und hat trotz aller Qualitäten noch Potenzial »nach oben«. Rinn, in jungen Jahren Handballer und Schwimmer beim TV und der DLRG Hüttenberg, seit 2006 aktiver Breitensport-Radsportler, stand letztes Jahr bei der Roth-Challenge über 180 km am Start und hat trotz seiner 49 Jahre wie Brück noch Potenzial »nach oben«. Der ambitionierte (Hobby-)Radsport ist also keine Frage des Alters.

Wie oft, wo und wie viele Stunden trainieren Sie?

Brück: Ich trainiere zwischen fünf- und siebenmal auf dem Straßenrad, und ein- bis zweimal die Woche wird in der Villa Aktiv an der Athletik gefeilt. Bei schlechtem Wetter wird auch mal auf der Rolle trainiert, aber nur, wenn es draußen gar nicht geht. An Stunden kommen so zwischen 15 bis 30 zusammen.

Rinn: Jeden Tag mit einem Ruhetag in der Woche. Zwei Tage davon steht nur Kraftausdauer und Rückentriathlon in der Villa Aktiv auf dem Programm. Überdies wird zweimal die Woche die Grundlage mit Schwimmeinheiten gestärkt. Zusammen zehn bis 15 Stunden Rad, drei Stunden »Muckibude«, 2,5 Stunden Bahnenschwimmen.

Bei einem derart stundenraubenden Training, wie behält man da die Lust, wie können Sie sich motivieren?

Brück: Wenn man merkt, dass sich das Training auszahlt, und man ein Ziel vor Augen hat, kommt die Motivation von ganz alleine.

Rinn: Der Weg ist das Ziel. Durch die Kontrolle der eigenen Leistungsdaten, dem Dialog mit dem Trainer, der merklichen Leistungssteigerung im Verlauf einer Saison erreiche ich eine Eigendynamik, wo es wenig Motivation benötigt. Sich selbst zu bezwingen, den Schweinehund zu überwinden, selbst wenn man bei strömendem Regen abends im Verlauf einer Dienstreise (wo das Rad immer im Kofferraum liegt) im Dunkeln für zwei Stunden aufs Rennrad steigt, gibt mir im Nachhinein das Gefühl, ja ich habe was für mich getan und nicht faul auf der Couch rumgelegen.

Fahren/Trainieren Sie lieber allein oder in der Gruppe?

Brück: Je nachdem, was auf dem Plan steht, aber am liebsten trainiere ich einer kleinen Gruppe von zwei bis vier Personen. Dort vergeht die Zeit doch schneller als alleine.

Rinn: Sowohl als auch. Während sich lange Grundlageneinheiten problemlos in eine Gruppenfahrt integrieren lassen, sind zum Beispiel Intervall-Einheiten im extensiven Bereich gruppenuntauglich. Da wird sogar die Fahrt mit der Lebenspartnerin schon schwierig, in der gemeinsam beginnenden Ausfahrt trennt man sich, kommt wieder zusammen, trennt sich usw.

Warum sollten auch weniger Trainierte mit dem Fahrradfahren beginnen bzw. sich öfter auf das Fahrrad setzen?

Brück: Man kommt an sehr schönen Orten vorbei, tut was für seine Gesundheit und kann die Natur genießen.

Rinn: Weil man seine Vitalität auf Vordermann bringt. Selbst Ungeübte werden nach anfänglichen Schmerzen im Gesäßbereich feststellen, wie gut einem die Aktivität tut. Darüber hinaus fördert der Radsport, gerade der Vereinsradsport, die Geselligkeit.

Was sind für Sie 2017 die größten Herausforderungen/Ziele?

Brück: Mein Ziel für 2017 ist ein Top-10-Platz bei der Berg-DM und Top-15-Plätze bei UCI-Rennen und in der Bundesliga.

Rinn: Tour Schwalbe Transalp über etwa 900 Kilometer mit knapp 20 000 Höhenmetern. Es wird die Tour, die mich physisch und psychisch an meine Grenzen bringen wird. Das Feld ist groß und stark. Daher gilt für mich als Priorität: Im Ziel im italienischen Arco anzukommen.

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/sport/lokalsport-gaz/Lokalsport-In-jedem-Alter-ist-Leistung-moeglich;art1434,234082

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