27. März 2020, 07:00 Uhr

Heimische Fußballvereine in der Corona-Krise

In der Warteschleife

Der Amateurfußball in Hessen ist wegen des Coronavirus vorerst bis zum 19. April ausgesetzt. Für viele Vereine eine Katastrophe, so auch für die heimischen Vertreter der Hessen- und Verbandsliga.
27. März 2020, 07:00 Uhr
Der Sportvorstand des FSV Fernwald mit Günter Hühn (l.) und Marko Semlitsch wartet auf die Entscheidung des HFV, ob die Saison fortgesetzt wird. ARCHIVFOTO: FROESE

Die Fußballplätze in ganz Deutschland sind wegen der Corona-Pandemie verwaist. Auch in Hessen geht aktuell nichts, bis zum 19. April wurde der Spielbetrieb vorerst eingestellt. Ob und wie es danach weitergeht, steht noch in den Sternen. Mit dieser Ungewissheit leben auch die Fußball-Hessenligisten FSV Fernwald und SC Waldgirmes sowie die Verbandsligisten SG Kinzenbach, FC Turabdin/Babylon und FC Cleeberg. Der FC Gießen II und der SC Waldgirmes II sind ohnehin abhängig von ihrer jeweiligen »Ersten«. Wir haben mit den Vereinsvertretern aus Fernwald, Waldgirmes, Kinzenbach und Cleeberg gesprochen. Die Zeiten sind hart, doch die Klubs werden diese überstehen. Anders stellt sich die Situation beim FC Gießen II dar, denn der ist abhängig davon, ob und wie es beim FC Gießen in der Regionalliga Südwest weitergeht.

Es gibt in Hessen aber auch einen Verein, der um seinen Fortbestand fürchtet. Hessenligist Hanauer FC 93 hat am 12. März auf seiner Homepage um Spenden gebeten, der älteste Fußballverein Hessens bangt um seine Existenz. Dafür erntete der Klub Kritik, der sich das Virus zunutze machen würde - so lautet der Vorwurf.

Hessenligist FSV Fernwald, der sportlich gesehen als Tabellenletzter wohl kaum mehr vor dem Abstieg zu retten ist, setzt aktuell auf den Faktor Zeit: »Wir warten ab, was der Hessische Fußball-Verband beschließt«, sagt Marko Semlitsch, seines Zeichens der Sportliche Leiter. Das ist die eine Seite, doch in Sachen Wegfall der Einnahmen ist man beim FSV auf der Suche nach dem Königsweg: »Natürlich fehlen die Einnahmen, obgleich es Ausgaben gibt. Wir müssen uns schon überlegen, wie wir das bündeln können«, so Semlitsch weiter.

Das betrifft auch in Teilen den Kader der ersten Mannschaft des FSV Fernwald, denn vier Spieler sind mit Amateurverträgen ausgestattet, so dass für diese auch entsprechend Sozialabgaben zu entrichten sind. »Auch hier müssen wir sehen, ob und wie es mit dem Spielbetrieb weitergeht. Eine Option wäre, die Verträge zu kündigen, sofern nichts mehr geht«, sagt Semlitsch, obgleich natürlich diese Möglichkeit der Klub aus Fernwald mehr als nur ungern in Betracht zieht.

Ähnlich sieht man die Lage auch beim Ligakontrahenten SC Waldgirmes. »Das ist jetzt noch zu früh. Natürlich ordnen wir unsere Einnahmen und Ausgaben. Aber wir müssen jetzt erst mal warten, ob die Saison vielleicht doch fortgesetzt wird«, sagt der Sportliche Leiter der Lahnauer, Björn Velten.

Keinerlei Probleme sieht man beim Verbandsligisten SG Kinzenbach. »Wir kriegen das hin, zumal bei der ersten Mannschaft nur ein Spieler einen Amateurvertrag hat. Das sollte also kein Problem sein«, sagt Michael Jung, der zuständig für den Spielbetrieb der »Ersten« zuständig ist. Auch die Einnahmeverluste aufgrund der Spielpause für den Gesamtverein ordnet Jung ein: »Da sind wir ganz gut aufgestellt, das ist für uns kein Problem.«

Die Situation stellt sich bei Ligakontrahent FC Cleeberg anders dar. Das betrifft aber nicht die erste Mannschaft, wie Vorsitzender Erik Schimpf erklärt: »Da entstehen uns derzeit keine Kosten, da alle Spieler bei uns nur Fahrtgeld erhalten. Und wenn sie nicht fahren, dann kriegen sie auch kein Geld.« Um den Verein ein bisschen zu helfen, hat auch Trainer Daniel Schäfer sich bereit erklärt, seinen Teil beizutragen. Seit dem Shutdown verzichtet der Übungsleiter auf seine Entschädigung. Aber für die Jugendmannschaften des FC Cleeberg bleibt aktuell nichts hängen. »Wenn wir beispielsweise drei Heimspiele an einem Sonntag gehabt hätten, dann hätten wir Umsatz gemacht. Oder wie im Heimspiel gegen den FC Turabdin/Babylon, als rund 350 Zuschauer da waren. Das ist es, was besonders für den Gesamtverein wehtut«, so Schimpf, der aber auch deutlich betont: »Momentan ist Fußball Nebensache. Es geht um die Gesundheit der Menschen, um Arbeitsplätze, das ist das, was wichtig ist.«

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