31. Januar 2020, 22:57 Uhr

In der Doppelrolle

Cedric Ohly spielt derzeit für beide Licher Teams. Am Samstag trifft er mit der Regionalliga-Mannschaft auf Bensheim. Vor dem Topspiel erklärt der Pointguard seine Rolle im Verein - und erinnert sich auch noch mal Kobe Bryant.
31. Januar 2020, 22:57 Uhr
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Von Sebastian Kilsbach
Cedric Ohly kommt derzeit auf vier bis fünf Minuten Einsatzzeit pro Partie in der 2. Regionalliga. Seine Licher Basketballer empfangen heute Bensheim. FOTO: FRIEDRICH

Seit der U12 durchlief Cedric Ohly bei Lich Basketball alle Altersklassen. Während der 19-jährige Guard mit der zweiten Mannschaft kurz vorm Aufstieg in die Oberliga steht, veränderte sich im Laufe der Saison auch seine Rolle in der 2. Regionalliga. Im Interview äußert sich das Talent über das anstehende Spitzenspiel gegen Bensheim (Sa., 19 Uhr), seinen Werdegang und Vorbilder innerhalb und außerhalb der Licher Basketball-Familie.

Herr Ohly, wie haben Sie den Unfalltod von NBA-Legende Kobe Bryant aufgenommen?

Wir hatten am Sonntag gegen Butzbach gewonnen. Als wir feiernd im Auto saßen, machte die Nachricht die Runde, dass er mit dem Helikopter abgestürzt sei. Im ersten Moment machten wir Witze und konnten es nicht glauben. Als die ersten offiziellen Meldungen kamen, waren wir bestürzt. Mein erstes Trikot von Kobe habe ich mit fünf Jahren bekommen. Für mich war er ein Vorbild. Ich besitze auch die Schuhe von ihm, auf die ich jetzt sein Todesdatum geschrieben habe. Beides werde ich nicht mehr anziehen.

Wie sind Sie zum Basketball gekommen?

Mein Cousin hat mir schon früh einen Ball in die Hand gedrückt und gezeigt, wie man wirft. Mit drei Jahren bin ich regelmäßig ausgebüchst und habe auf einen alten Eisenbasketballkorb in der Nähe geworfen. Seit der U12 gehörte ich den Licher BasketBären an. Ab 2006 war ich auch bei den Spielen der ersten Mannschaft. Da hat Coach Viktor Klassen noch gespielt.

Ist es von Vorteil, wenn der Trainer früher die gleiche Position gespielt hat wie man selbst?

Auf jeden Fall ist da ein Verständnis vorhanden. Es ist schwer, auf der Aufbauposition Fuß zu fassen. Das dauert, wie mir Vik erklärt. Er hat sich in meinem Alter über jede Sekunde gefreut, die er in der Bundesliga eingesetzt wurde. Er hat eine Arbeitsmoral, wie ich sie noch bei keinem anderen gesehen habe. Offensive ist Talent, aber Defensive ist Willen: Diesen Leitspruch von ihm habe ich immer im Hinterkopf.

Im November verletzte sich Nils Pompalla am Knie. Wie hat sich Ihre Rolle seither verändert, und wie geht es Ihrem Teamkameraden?

Neulich wurde bestätigt, dass er für diese Saison leider raus ist. Von Nils Niveau bin ich noch weit entfernt. Er strahlt riesiges Vertrauen aus und hat einen Draht zu seinen Mitspielern. Das kann ich nach dieser kurzen Zeit noch nicht mitbringen. Meine Spielzeit hat sich seither bei vier bis fünf Minuten eingependelt, manchmal auch länger.

Mit Lich II stehen Sie vor dem Oberliga-Aufstieg. Welche Rolle nehmen Sie in diesem Team ein?

Als ich dort eingegliedert wurde, habe ich die großen Unterschiede zum Jugendbasketball bemerkt. Alles war schneller und physischer. Aber ich habe mich sofort mit allen toll verstanden und wir profitierten davon, zusammengeblieben zu sein. Wir haben einen Riesenspaß. Mal scort Paul Gänger 20 Punkte, mal Johannes Roith oder eben ich. Weil wir eine starke Starting Five haben, sehe ich meine Rolle als nicht so tragend. Aber es tut gut, dort viel Einsatzzeit zu bekommen.

Sie spielen in Lichs »Erster« mit Publikumsliebling Jermale Jones. Der US-Guard schnürte schon in so mancher Saison die Schuhe für Lich. Ist er eine Art Vorbild?

Es ist schon cool, jetzt mit ihm zu spielen. Schon 2012, als er in den Playdowns mit Bernau gegen uns gespielt hat, ist er mir direkt aufgefallen. Alle waren fasziniert, weil er so schnell und agil war. Er hat einen tollen Schuss, egal ob aus der Mitteldistanz oder von der Dreierlinie. Mit ihm zusammenzuspielen, war ein Kindheitstraum.

Derzeit absolvieren Sie ein Freiwilliges Soziales Jahr bei Lich Basketball. Wie sehen Ihre Aufgaben aus, und wie könnte es danach weitergehen?

Insgesamt sind wir zu dritt. Wir bieten Teaser-Sport und Basketball-AGs in Schulen im Umland und Lich selbst an. Es macht Spaß, weil ich den Kids zeigen kann, wie Basketball funktioniert. Danach möchte ich irgendetwas mit Pädagogik machen, vielleicht Jugenderzieher. Aber da möchte ich mich noch nicht festlegen.

Gegen Bensheim wartet ein Topspiel vor voller Halle. Wie geht das Team mit dem Druck um?

Nach der Niederlage im Hinspiel war der Frust groß. Wir wollen alles geben und müssen zeigen, dass wir sie schlagen können und den Aufstieg noch nicht aufgegeben haben. Das sind wir den Fans schuldig, die uns zu jedem Spiel begleiten und lautstark unterstützen. Viktor hat das Training angezogen und gesagt, wir sollen härter arbeiten. Das wird helfen.

Welche Stärke bringen Sie mit und woran müssen Sie noch arbeiten?

Mir fehlt noch etwas der Körper, um in der 2. Regionalliga mitzuhalten. Auch mein Schuss muss noch konstanter werden, obwohl ich von außen ein gutes Händchen habe. Zu meinen Stärken gehören Schnelligkeit und Übersicht. Und ich bin ein nerviger Verteidiger.



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