09. Mai 2019, 11:55 Uhr

Fußball

Homberger Eintracht-Fan in London

Mailand, Lissabon und nun London - die wundersame Europa-League-Reise geht weiter. Und der Homberger Stefan Schabl erlebt den »Städtetrip« von Eintracht Frankfurt hautnah mit.
09. Mai 2019, 11:55 Uhr
Stefan Schabl verlor 1977 sein Fußballherz an die Eintracht aus Frankfurt. Die Europa-Reise 2018/19 lässt ihn staunen: »Das alles mitzuerleben, ist kaum zu beschreiben.«

Eintracht Frankfurt


Während Bernd Hölzenbein und Jürgen Grabowski den großen FC Bayern auf dem Rasen des Waldstadions rundspielten, hatte ein neunjähriger Junge mit Eintracht-Schal um den Hals nur Augen für das Geschehen auf den Rängen. »Es waren 90 Minuten Gänsehaut. Ich saß auf der Haupttribüne und habe die ganze Zeit in die Fankurve gestarrt und dabei versucht, herauszufinden, was die da überhaupt singen«, erinnert sich Stefan Schabl mit einem Schmunzeln an seinen ersten Stadionbesuch anno 1977. Eintracht Frankfurt gewann damals mit 4:0 gegen München - und das Herz von Schabl.

In diesen Tagen schlägt seine Pumpe besonders kräftig, schließlich schweben die »Adler« auf Wolke sieben durch die Europa League. Rom, Mailand, Lissabon oder heute im Halbfinale in London - Schabl war und ist überall dabei. »Das alles mitzuerleben, ist kaum zu beschreiben«, ringt er um Worte: »Es ist definitiv etwas Besonderes.«

Schabl kann es beurteilen. Der 51-Jährige aus Homberg (Ohm) ist seit Jahrzehnten extrem nah dran am Club - und besonders eng an der Fanszene. So gehörte er 1989 zu den Gründungsmitgliedern des Eintracht Fanclubs Ohmtal-adler, seit 2012 arbeitet er für die Fan- und Förderabteilung (FuFA) des Vereins. In deren Auftrag ist er auch während der Europa-Pokal-Nächte unterwegs. Transfer, Ticket, Hotelbuchung - die FuFA-Mitarbeiter bieten dem Eintracht-Anhänger das Komplettpaket. Eine Vollversorgung, hinter der jede Menge Arbeit und noch mehr Zeit steckt. »Während der Auswärtsreisen sind wir schon schwer beschäftigt«, sagt Schabl: »Aber ich gehe darin auf. Stress ist deshalb für mich kein Faktor.«

Wie soll sich auch Überbelastung bemerkbar machen, wenn man beispielsweise im portugiesischen Frühling eine Europapokal-Nacht seines Herzensclubs miterleben darf. »Wahnsinnsstadt, tolles Essen, beeindruckendes Stadion«, resümiert Schabl: »Das Spiel war allerdings weniger ein Highlight.« Die Eintracht hatte mit 2:4 bei Benfica Lissabon verloren, löste aber im Rückspiel das Ticket zum Halbfinale gegen Chelsea.

Heute geht es also in die englische Hauptstadt; für Schabl eine Partie mit besonderem Faktor. »Ich war früher öfter beruflich in London unterwegs«, erzählt der Customer Service Manager: »Jetzt noch mal mit der Eintracht zu so einem Spiel dort zu sein, ist einfach megamäßig.«

Im besten Fall ist es heute Abend nicht die Schlussetappe der Frankfurter Euro-Tour. Bei einem Weiterkommen stünde noch das Finale in Baku (Aserbaidschan) an.

Bei Schabl würde dann am 29. Mai auch eine Fan-Wunde heilen. Denn als die Eintracht zum letzten Mal in einem europäischen Endspiel stand, verpasste der damals Zwölfjährige den UEFA-Pokal-Triumph im Mai 1980 gegen Borussia Mönchengladbach. »Ich hatte zwar eine Karte, konnte dann aber leider krankheitsbedingt nicht ins Stadion.«

Das Baku-Ticket würde einen besonderen Platz im Hause Schabl finden - vielleicht neben der Karte des 4:0-Sieges gegen München 1977. So würde sich auch ein Kreis schließen. Denn Ende Juni ist für Schabl Schluss bei der FuFA. »Dieser Schritt ist mir wahrlich schwergefallen. Aber ich kann auf eine tolle Zeit zurückblicken.«

Und vielleicht brennt sich ja heute Abend eine weitere unvergessliche Europapokal-Nacht in Schabls Fußball-Gedächtnis ein.

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