10. Oktober 2018, 12:00 Uhr

Anstoß

Henni – »der hessische Komet«

Eine neue Runde unseres lockeren Zwiegesprächs mit der hessischen Comedian-Legende Henni Nachtsheim liegt vor. Natürlich ist Frankfurts Ex-Trainer Niko Kovac auch ein Thema.
10. Oktober 2018, 12:00 Uhr
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Von Ronny Herteux
Henni Nachtsheim - hessische Comedy-Legende, Eintracht-Fan und Kolumnist dieser Zeitung. (MDV-Grafik: J. Engel)

Hallo Herr Nachtsheim, so langsam dämmert es mir, so langsam komme ich hinter ihr Tun und Handeln. Das mit dem Kovac, den Wechsel von Frankfurt nach München, das haben Sie doch eingefädelt. Klammheimlich. Das war durchdacht. Geben Sie es endlich zu!

Henni: Natürlich würde ich jetzt gerne antworten: »Jawohl, das war ich!« Aber das hat das Schicksal ganz alleine geregelt. Verbunden mit der wunderbaren Erkenntnis, dass es nicht immer unbedingt der nächstbessere Schritt ist, einen Verein zu verlassen, sobald die Bayern rufen. Wobei wir natürlich noch nicht wirklich wissen, ob er bleibt und sich vielleicht doch noch durchsetzt. Aber den Unterschied zwischen einem Fredi Bobic und einem Uli Hoeneß oder Karl-Heinz Rummenigge wird er zu spüren bekommen, da bin ich mir sicher! Und ich glaube auch zu wissen, wen er im Vergleich als angenehmer bezeichnen würde.

Ihr Plan war ganz eindeutig, mit einem neuen Trainer die Eintracht zu stärken und die Bayern unter Kovac zu schwächen. Raffiniert. Mal im Ernst, soll Kovac zurück an den Main kommen, ehe er im Voralpenland demontiert wird?

Henni: Warum sollte er zurückkommen? Wenn man sich freundschaftlich hat scheiden lassen, um dann wieder zu heiraten, macht man das ja auch nicht wieder rückgängig, nur weil es der Ex gerade mal nicht so gut geht, sondern kümmert sich trotzdem um die Neue!

Es ist wie immer, der Trainer steht am Pranger. Warum werden Uli Hoeneß, Karl-Heinz Rummenigge und Hasan Salihamidzic für die ganz offenbar verfehlte Personalpolitik nicht an den Pranger gestellt. Und hätte Kovac nicht wissen können, was ihm da nun blüht?

Henni: Das mit den Trainern hat schon immer was von den Hexenverbrennungen im Mittelalter. Da haben die Machthaber auch immer irgendwelche unschuldigen Frauen auf den Scheiterhaufen gezerrt, um von eigenen Fehlern und Versäumnissen abzulenken.

Keine Sorge, gleich kommen wir zur Eintracht, aber Kovac ist ja noch ein bisschen »Eintracht«. Stuttgarts Sportvorstand Michael Reschke spricht Trainer Tayfun Korkut am Samstagabend das Vertrauen aus, am Sonntagmorgen ist er gefeuert. Spinnen die, die Herrschaften in der Vorstandsetage?

Henni: Dort haben sie genau den Trainer, der sie letzte Saison noch fast in die Europa- League gebracht hat, jetzt vom Hof gejagt. Das sind absurde Übersprungshandlungen, die fast immer die Falschen treffen! Und sie zeugen von nicht gerade feinem Charakter der Entscheidungsträger.

Apropos Trainer: Adi Hütter, vor Wochen noch ein unbeschriebenes Blatt und misstrauisch beäugt. Hätten Sie mit dieser Entwicklung gerechnet?

Henni: Sagen wir es so – ich habe mich auf den Instinkt der Eintracht-Chefs verlassen. Die wussten meiner Meinung nach, was sie machen bzw. wen sie da holen. Und so langsam erkennt man, dass das richtig war. Ich bin übrigens sicher, dass das auch für die neuen Spieler gilt, die bislang eher kritisch gesehen worden sind. Das Projekt »Eintracht« braucht sicherlich noch etwas Zeit, um stabil im vorderen Drittel mitzumischen, aber ich bin sicher, dass das so sein wird! Eigentlich ist es so wie mit den neuen Autos früher. Die musste man auch erst mal einfahren, bevor sie reibungslos gelaufen sind. Wobei ich seinerzeit auch ein paar ungeduldige Kumpels hatte, die ihren Karren gleich alles abverlangt haben, was zwangsläufig zu Motorschäden geführt hat. Wenn Sie verstehen, was ich damit sagen will.

Natürlich. Ein Rätsel ist es mir aber trotzdem, wie er die vielen unterschiedlichen Charaktere, Nationalitäten und Spielertypen so motivieren kann, dass das rauskommt, was im Moment rauskommt – eine Mannschaft. Da könnte sich übrigens #DieMannschaft ein Beispiel daran nehmen.

Henni: Ich glaube, das hat zwar auch mit dem Trainer, aber noch mehr mit dem Gesamtklima im Verein zu tun, das ich als ziemlich gut wahrnehme. Klar bedauere ich es, dass in den letzten Jahren kaum noch Frankfurter Jungs mitspielen, andererseits finde ich dieses internationale Gemisch absolut super! Es passt zu Frankfurt!

Nach dem famosen 4:1 in der Europa League gegen Lazio Rom nun am Sonntag das 2:1 in Sinsheim gegen Hoffenheim. Platz sieben in der Tabelle, quasi der unmittelbare Bayern-Verfolger. Der Rekordmeister ist Sechster. Wohin kann das noch führen?

Henni: Also, dass wir in den nächsten Wochen an den Bayern vorbeiziehen, halte ich für unwahrscheinlich. Aber dass vielleicht doch mal wieder ein anderer Verein Meister wird, ist zumindest vorstellbar. Und was die Eintracht betrifft, würde ich es mit einem meiner Onkel halten. Der hat immer gesagt: »Wann’s kimmt, dann kimmt’s! Und wann’s net kimmt, dann kimmt’s halt net!« Eine ausgesprochen schlaue und hochphilosophische Art, in die Zukunft zu blicken…

Na ja, so soll es sein. Nach der Länderspielpause kommt am übernächsten Freitagabend Aufsteiger Fortuna Düsseldorf in die Commerzbank-Arena. Gemäß dem Eintracht-Motto: Gegen starke Teams stark, gegen schwache schwach. Müssen wir uns jetzt wieder Sorgen um die Eintracht machen?

Henni: Hannover hat bei seiner 1:4-Niederlage in Frankfurt nun auch nicht unbedingt auf Real-Madrid-Niveau, sondern eher im Kreisklassen-Modus gespielt. Und das hat die Eintracht trotzdem gut geregelt. Von daher hoffe ich mal, dass dieses caritative Verhalten schwächeren Teams gegenüber der Vergangenheit angehört.

Gegen Düsseldorf wird Ante Rebic fehlen. Er hat sich Gelb-Rot eingehandelt. Bei einer 2:0-Führung gegen Hoffenheim reißt er an der Seitenlinie einen Gegenspieler um. Was ist da los? Sie als Fußball-Routinier können uns bestimmt aus eigener Erfahrung erklären, wie es zu solchen Blackouts kommen kann.

Henni: Ich habe einen kroatischen Kumpel, der ist Gärtner. Und zwar einer, der mit großem Geschick und Können seine Arbeit macht und deswegen auch sehr begehrt ist. Aber ich habe auch schon erlebt, dass er nach dem Streit mit seiner Frau vor lauter Zorn mit der Heckensäge einfach ein Beet mit blühenden Chrysanthemen eliminiert hat. Was ihm schon Sekunden später leidgetan hat. So ähnlich nehme ich Ante Rebic auch wahr. Große, überdurchschnittliche Begabung, aber aufgrund seines Temperaments ab und zu kleine Aussetzer im Sicherungskasten.

Aber irgendwie glaube ich mich erinnern zu können, dass nicht Sie der Foulende waren. Sie, als fleischgewordener Blitz waren es, der immer gefoult wurde. Das war bestimmt auch der Grund dafür, dass Sie früh Abstand vom aktiven Fußball genommen haben. Ein Trost für Sie: Ich kann das nachvollziehen ...

Henni: Ja, das stimmt. Wobei ich tatsächlich dermaßen schnell war, dass mich die Gegenspieler nur selten erwischt haben. Weshalb ich auch Spitznamen wie »Hurricane Nachtsheim«, »Henni the Lichtgeschwindigkeit« oder auch »Der hessische Komet« hatte. Ich erinnere mich an ein Spiel im Sportpark Neu-Isenburg, in dem ich dermaßen schnell unterwegs war, dass ich mich plötzlich mitten auf der A3 wiederfand. Aber ich will hier nicht angeben.



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