01. Juli 2019, 18:08 Uhr

Happy End im Abstiegskampf

01. Juli 2019, 18:08 Uhr
Andreas Muth feiert mit seinen Sfr. Wieseck den Ligaerhalt. (Archivfoto: Friedrich)

Mit dem knappen 4,5:3,5-Erfolg beim bereits als Absteiger feststehenden SK Niederbrechen II sicherten sich die Erbacher Schachfreunde (15:3 Punkte) am letzten Spieltag die Landesklassen-Meisterschaft samt Aufstieg in die Schach-Verbandsliga Süd. Vergeblich hatte Verfolger SSG Hungen/Lich (13:5 Punkte), der den letztjährigen Verbandsligisten Schachjugend Herborn 6:2 abfertigte und die Punktrunde als Vizemeister beendete, auf einen Ausrutscher des Spitzenreiters aus dem Rheingau gehofft. Dramatische Konsequenzen hatte die Auseinandersetzung um den Klassenerhalt zwischen den Wiesecker Schachfreunden und dem SK Marburg III (Endstand: 5:3) angenommen, was den Beteiligten zum Zeitpunkt des Wettkampfs noch nicht bewusst sein konnte. Auf der Homepage hatte der SK Marburg Mitte April bereits den Klassenerhalt seiner Landesklassen-Truppe gefeiert, die vor der Schlussrunde mit 9:7 Punkten auf Rang vier liegend im ruhigen Gewässer zu surfen schienen. Durch den freiwilligen Rückzug einer südhessischen Oberliga-Mannschaft in die Hessenliga und der dadurch erforderlichen Verbandsliga-Relegation musste Marburg III, das durch die Niederlage in Wieseck auf Rang sieben abgestürzt war, nach dem Punktspielende bestürzt feststellen, dass man aufgrund des fehlenden halben Brettpunktes (!) abgestiegen war. Im Falle eines Teilerfolgs der Marburger wären hingegen die Wiesecker Schachfreunde (9:9 Punkte) auf Rang sieben abgestürzt, so dass die Gießener Vorstädter nach durchwachsener Saison einmal mehr dem Teufel von der Schippe gesprungen sind.

Sfr. Wieseck - SK Marburg III 5:3: Erwartungsgemäß keine Chance hatte Wiesecks Ersatzspieler Volkmar Lüling mit den schwarzen Steinen gegen die syrische Meisterspielerin Rita Yaghi. Die Gastgeber konterten mit zwei souverän herausgespielten Weiß-Erfolgen an den Brettern zwei und acht: Während Markus Schachl gegen Thomas Thimms Königsinder am Damenflügel die positionellen Daumenschrauben anzog und später mittels taktischer Abwicklung einen Offizier erbeutete, erfreute sich Martin Fügert in der Caro-Kann-Fantasy-Variante (1. e4 c6 2. d4 d5 3. f3 g6 usw.) an seinem fidelen Schimmel, der auf dem Feld a8 einen Turm verspeiste und über c7 den Weg zurück in die Heimat fand. Überraschend glatt auch der Schwarz-Sieg von Andreas Muth am Spitzenbrett gegen Sergej Laschenko, der jedoch gegen den Muth-Sizilianer (1. e4 c5 2. Sf3 a6 usw.) keine Bindung zum Spiel fand, den eigenen König in der Brettmitte festnageln ließ, so dass der Wiesecker Erstbrettspieler mit einem hübschen Springerscheinopfer in ein elementar gewonnenes Turm-Leichtfiguren-Endspiel mit zwei Mehrbauern einlenken konnte.

Während die Punkteteilungen von Heinrich Repp im Zweispringerspiel und von Klaus Henzelmann (Kurzremis mit »Modern Defence«) dem Spielverlauf entsprachen, ließen die Gäste an den Brettern fünf und sechs das mögliche 4:4 liegen. Nachdem Steffen Reichmann wie durch ein Wunder mit seinem Holländer nach spektakulärem Opfer-Angriff seines Widersachers Thorsten Brand den Remishafen erreichte und damit auf 4,5:2,5 erhöhte, machte Marburgs Volkmar Hahn den (in der Rückschau) fatalen Fehler, angesichts des entschiedenen Wettkampfs bei eigener Mehrqualität auf Gewinnversuche zu verzichten. Eine knappere Niederlage (3,5:4,5) hätte nämlich Marburg (9:9 - 34,5) den Klassenerhalt beschert, da man bei Brettpunktgleichheit mit dem Ligasechsten TuS Dotzheim II (9:9 - 35,0) den direkten Vergleich siegreich gestaltet hatte.

Orwatsch wechselt zur SSG

SSG Hungen/Lich - Schachjugend Herborn 6:2: Obwohl der Gast den Schlussrundenwettkampf mit einer Equipe bestritt, konnte Hungen/Lich zumindest an den Spitzenbrettern daraus kein Kapital schlagen. Während Joachim Lehwalder gegen Nachwuchsspieler Timm Huber aus dem Bird-Angriff (1. f4) heraus über eine Punkteteilung im remisen Doppelturmendspiel nicht herauskam, kam Fide-Meister Gerd Euler im Drachen-Sizilianer nicht zum Feuer speien und durfte froh sein, dass Widerpart Tobias Blaschke das finale Dauerschach-Motiv des Hungeners mittels Turmopfer übersah.

Dagegen lief es aus Gastgebersicht an den Mittelbrettern wie am Schnürchen. Manuel Hölß öffnete in der Sizilianischen Partie die h-Linie für seine Schwerfiguren und vertrieb Jason Grunebachs Monarchen aus den königlichen Gemächern heraus auf die freie Wiese, wo diesem unter der Grasnarbe des Feldes e6 das Schicksal ereilte. Brettnachbar Marco Hofmann bekam mit den schwarzen Steinen den Marshall-Angriff in der Spanischen Partie aufs Brett - auch hier erfolgte der tödliche Hieb präzise. Längst hatte auch Rene Gabel den vollen Zähler eingetütet, nachdem er im frühen Mittelspiel auf f7 eingedrungen war, den zu überdecken Oliver Mülders zu verzichten glaubte.

Dass »Jugend« ein zumindest dehnbarer Begriff ist, bewies der Einsatz des 82-jährigen Altmeisters Gerd-Erich Keuth im Team der Herborner. Dass auch die geballte Routine nicht vor Torheit schützt, bewies der Verlauf am vierten Brett, wo Keuth (gegen Christoph Soppa) mit Mehrbauer aus seinem Leningrad-Holländer herauskam, um später im Turm-Läufer-Endspiel mittels Figureneinsteller den Selbstzerstörungsknopf zu betätigen. Für die kommende Spielzeit hat sich die SSG die Dienste von Routinier Gerhard Orwatsch gesichert, der vom SK 1858 Gießen wechseln wird.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Monarchen
  • Sport-Mix
  • Südhessen
  • Frank Drill
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos