11. Oktober 2017, 07:45 Uhr

Mittelhessen-Trio

Handball-Glück in Konstanz

Drei junge Handballer aus der Region lassen am Bodensee regelmäßig die Halle beben. Das Trio hat den Weg in den südlichsten Zipfel der Republik gefunden – zur HSG Konstanz in die 2. Liga.
11. Oktober 2017, 07:45 Uhr
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Aus der Redaktion
Konstantin Poltrum, Paul Kaletsch und Stefan Hanemann fühlen sich am Bodensee bei der HSG Konstanz sichtlich wohl. (Foto: Peter Hett)

Paul Kaletsch (Reiskirchen), Konstantin Poltrum (Mörlen) und Stefan Hanemann (Wetzlar) spielen bei der HSG Konstanz in der 2. Handball-Bundesliga und sind dort zu Leistungsträgern avanciert. Warum verlassen solch ambitionierte Spieler Heimat und Vorzeigevereine, um in der Fremde neues Glück zu suchen? Wir haben uns auf Spurensuche begeben.

+++ Hier gibt es das Interview mit Kaletsch, Poltrum und Hanemann +++

Die Gelegenheit bot sich im Anschluss an das Heimspiel gegen die ThsV Eisenach, das von Konstanz mit 30:25 gewonnen wurde. Ein gut gewählter Termin, denn es waren wieder einmal die Mittelhessen, die nicht nur dafür sorgten, dass beide Punkte am Bodensee blieben, sondern denen es auch gelang, die Zuschauer in der »Schänzle-Hölle« zu begeistern. Paul Kaletsch (12 Tore/3 Assists) und Kontantin Poltrum (19 Paraden) waren die absoluten Matchwinner. Aufgrund Poltrums starker Leistung kam Stefan Hanemann zu keinen Einsatzzeiten.

Präsident voller Stolz

Das Versäumte holte er eine Woche später in Aue nach, indem er eine Bilanz von 36 Prozent gehaltener Bälle zu verzeichnen hatte. Es ist also kein Wunder, wenn Präsident Otto Eblen voller Stolz über seine Mittelhessen spricht. »Sie passen zu unserer Vereinsphilosophie, haben sich hier wunderbar integriert und leben unsere HSG«, erklärt er.

Wichtig zu wissen ist, dass Konstanz ein spezieller Verein im bezahlten Handball ist. Der Teamgedanke steht über allem. Bedingt durch die Kooperation mit der Exzellenz-Universität und der Fachhochschule gelingt es immer wieder, talentierte Spieler zu verpflichten, die sich nicht nur über den Handball definieren, sondern auch im Leben weiterkommen wollen. Im Grunde genommen ist es eine Studentenauswahl.

Spieler bringen sich in Vereinsleben ein

»Wir verpflichten Spieler nicht nach den Positionen, auf denen sie spielen, sondern wir achten auf den Charakter. Seine Position auf dem Spielfeld werden wir dann gemeinsam finden«, macht Eblen klar. »In der Regel bleiben die Spieler längerfristig bei uns, schon aufgrund des Studiums. Wer einmal hier ist, der geht so schnell nicht wieder weg«, informiert er weiter. Wichtig ist es ihm auch, dass die Spieler in die vielfältigen Aktivitäten des Vereins eingebunden sind. So sind Kaletsch und Poltrum in der Jugendarbeit aktiv, Hanemann bringt sich beim neu ins Leben gerufenen »Handball-Entdecker-Camp« ein.

Paul Kaletsch war der Erste, der 2013 aus Mittelhessen nach Konstanz wechselte und neben dem Handball ein Studium für Politik und Verwaltung mit Schwerpunkt Personalmanagement in Angriff nahm. Von Beginn an erkämpfte er sich einen Stammplatz und ist zu einem Leistungsträger gereift. Hohe Wurfqualität aus der zweiten Reihe gepaart mit gutem 1:1-Verhalten zeichnet sein Spiel aus. Derzeit wird er vorwiegend auf den Halbpositionen eingesetzt.

Zu Beginn der Spielzeit 2015/2016 gingen Poltrum und Hanemann nach Konstanz. Dabei war Hanemann von Wetzlar zunächst nur »ausgeliehen« und mit einem Zweitspielrecht für Konstanz ausgestattet. Mittlerweile hat er seinen Vertrag dort bis zum 30. Juni 2019 verlängert. Dies allerdings ohne das bisherige Zweitspielrecht. Während der vom TV Hüttenberg kommende Poltrum ein Lehramtsstudium mit den Fächern Mathe und Biologie aufnahm, entschied sich der von der HSG Wetzlar gewechselte Hanemann zwar ebenfalls für das Lehramt, allerdings mit den Fächern Sport und Russisch. Ihr großes Torhüterpotenzial zeigt sich unter anderem darin, dass beide sowohl in der Jugend- als auch Juniorennationalmannschaft des DHB zum Einsatz kamen. Den Gewinn der Bronzemedaille bei der Weltmeisterschaft 2013 hat Poltrum seinem Kollegen dabei voraus, der bei der diesjährigen Weltmeisterschaft in Algerien den vierten Platz belegte.

Gründe für Wechsel identisch

Die Gründe für ihren Wechsel sind im Wesentlichen identisch. Der Sprung in die erste Mannschaft ihrer ehemaligen Vereine Wetzlar und Hüttenberg blieb ihnen verwehrt und ihr Einsatzort wäre die Oberliga gewesen. Für derart ambitionierte Spieler zu wenig. Als idealer nächster Karriereschritt kam da die seinerzeit noch in der 3. Liga beheimatete HSG Konstanz genau richtig. »Es ist schade, dass es in der alten Heimat nicht gelungen ist, hinter den Topvereinen Wetzlar und Hüttenberg einen Drittligisten aufzubauen, der sich in dieser Liga etabliert. Viele Talente, die nicht einen ähnlichen Schritt wie wir wagen, gehen dem (Spitzen-)Handball dadurch verloren«, bezieht Kaletsch Stellung.



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