08. Oktober 2017, 20:04 Uhr

Vermeidbare Niederlage

HSG Wetzlar zerstört sich selbst

Die HSG Wetzlar verliert trotz starker Leistung und einer Führung über weite Strecken mit 29:31 beim SC Magdeburg. Der Grund liegt – wie schon oft in dieser Saison – beim Team selbst.
08. Oktober 2017, 20:04 Uhr
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Von Ralf Waldschmidt
Tief enttäuscht: Stefan Cavor nach dem 29:31 der HSG Wetzlar beim SC Magdeburg. (Foto: Hübner)

Mit zwei Fehlpässen in der 56. Minute in Überzahl hat sich die HSG Wetzlar am Sonntag beim Auswärtsauftritt beim SC Magdeburg selbst zerstört. Darüber waren sich alle Protagonisten in der Analyse der knappen 29:31 (16:16)-Niederlage vor fast 6000 Zuschauer in der Getec-Arena einig. Zwei Minuten zuvor befand sich das Team von Trainer Kai Wandschneider nach dem 27:26 von Kristian Björnsen noch im Vorteil, doch nach dem 27:27-Ausgleich von Michael Damgaard spielte ausgerechnet der zuvor so überzeugende Wetzlarer Halblinke Alexander Hermann dem durch eine Zeitstrafe dezimierten SCM zweimal hintereinander den Ball in die Hand – und schon lagen die zuvor lange zittrigen Gastgeber durch Treffer von Nemanja Zelenovic und Matthias Musche beim 29:27 mit zwei Treffen vorn.

Sky-Experte Heiner Brand bezeichnete den Österreicher nach seinen zwei Fehlpässen ohne Not denn auch als »tragische Figur der Partie«, SCM-Rechtsaußen Robert Weber bekräftigte, »mit dem 2:0 in Unterzahl den Wetzlarern die Moral genommen« zu haben. HSG-Coach Kai Wandschneider, im Grunde zufrieden mit dem Auftritt seiner Mannschaft, musste leider beipflichten: »Ganz am Ende haben wir in Überzahl unsere Siegchance vergeben. Dadurch kippt das Spiel.«


Wetzlar ideal eingestellt
 

Handball HBL, SC Magdeburg - HSG Wetzlar
Magdeburgs Spielmacher Christian O’Sullivan schreit seine Freude über den Last-Minute-Sieg...

Schade, denn ansonsten ging der kluge Wetzlarer Matchplan bis in die Crunchtime hinein ebenso auf wie vor wenigen Wochen bei der TSV Hannover-Burgdorf. Am Ende aber mit dem gleichen ärgerlichen Resultat – einer Niederlage. Die Grün-Weißen hatten das Tempo gedrosselt, lange Angriffe gefahren und versucht, diese bis zum Ende auszuspielen. Damit hatten die Magdeburger über weite Strecken ihre Probleme, kamen selbst nicht in Fluss und Bewegung und vor allem nicht zu ihren Gegenstößen. Nur vier Steals in 60 Minuten sprechen da eine deutliche Sprache und unterstrichen diesbezüglich die Wetzlarer Qualität. SCM-Trainer Bennet Wiegert anerkennend: »Wetzlar war top eingestellt, taktisch klug und sehr diszipliniert.« Am Ende hatte Wetzlar mehr Gegenstöße erfolgreich abgeschlossen als Magdeburg, scheiterte aber – nicht überraschend – an der negativen 3:7-Bilanz in Überzahl.

Allerdings hatte es die HSG Wetzlar wie schon mehrfach in dieser Spielzeit zuvor verpasst, eine Vorentscheidung zu eigenen Gunsten herbeizuführen. Da SCM-Spielmacher Marco Bezjak die Partie kaum in den Griff bekam, zu viele Eins-gegen-eins- bzw. Durchbruchaktionen gesucht wurden anstatt den Ball schneller laufen zu lassen, waren die Mittelhessen über einen zwischen der 15. und 45. Minute bärenstarken und torgefährlichen Regisseur Filip Mirkulovski über Dreiviertel der Partie obenauf. Im linken Rückraum setzte Alexander Hermann Akzente, Kaspar Kvist verwandelte die Gegenstöße und Benjamin Buric kam auf 14 Paraden. Beim 9:6 nach einer Viertelstunde stoppten zwei Zeitstrafen direkt hintereinander den HSG-Lauf, später verhinderten der eine oder andere technische Fehler sowie im ersten Abschnitte drei Fehlwürfe von Nationalspieler Jannik Kohlbacher ein mögliches Absetzen der Wetzlarer. Das 16:16 zur Pause war dennoch ein respektabler Zwischenstand.


Kein Einbruch trotz Fehlwürfe

Zwei Mirkulovski-Treffer direkt nach der Pause sowie zwei erfolgreich abgeschlossene Gegenstöße von Kristian Björnsen hielten die Grün-Weißen im Spiel, als dann beim 20:18 aber Joao Ferraz (35.) völlig freistehend vergab, kurze Zeit später auch Jannik Kohlbacher und zu allem Überfluss noch Kristian Björnsen, hieß es statt 21:18 oder 22:18 in der 40. Minute plötzlich 21:20 für die Gastgeber durch Kreisläufer Musa. Die erste Magdeburger Führung seit dem 5:4 (10.).

Doch die HSG Wetzlar brach nicht ein, hielt gegen und hatte beim 26:25-Heber von Kasper Kvist (52.) wieder die Führung übernommen. Diese hielt bis zum 27:26 von Kristian Björnsen (54.), ehe die folgenschweren Fehlpässe in Überzahl den SCM zurück in die Spur brachten…

SC Magdeburg: Green, Quenstedt; Musa (4), Chrapkowski (1); Musche (4/2), Petterson, De la Pena, Molina, Christiansen, Mertens, O’Sullivan (4), Bezjak, Weber (6), Kalarash (1), Damgaard (8), Zelenovic (3).

HSG Wetzlar: Buric, Weber, Klimpke (n.e.); Hermann (5), Kneer, Björnsen (5), Pöter, Ferraz, Mirkulovski (6), Volentic, Holst (3/3), Forsell-Schefvert, Kvist (5), Lindskog (1), Cavor (2), Kohlbacher (2).

Im Stenogramm / Schiedsrichter: Behrens/Fasthoff (Neuss). - Zuschauer: 5961. - Zeitstrafen: Chrapkowski (2), Musche, O’Sullivan (alle Magdeburg); Hermann, Kneer, Pöter, Mirkulovski, Lindskog, Cavor (alle Wetzlar). – Torfilm: 1:3 (7.), 5:7 (14.), 8:10 (19.), 12:14 (27.), 16:16 (Halbzeit); 16:18 (33.), 21:20 (40.), 23:25 (47.), 27:27 (54.), 29:27 (56.), 31:28 (58.).



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