27. Juli 2017, 10:19 Uhr

Ollis Tagebuch

HSG Wetzlar: Warum das Team hinter dem Team so wichtig ist

Trainer und Spieler der HSG Wetzlar schwitzen im Trainingslager unter der Sonne Portugals. Damit alles reibungslos klappt, ist das Team hinter dem Team unverzichtbar. Wir stellen es vor.
27. Juli 2017, 10:19 Uhr
Behandlung im Hotelzimmer: Physiotherapeut Max Schuller arbeitet mit Tim Rüdiger. (Foto: Vogler)

Wieder ein neuer Morgen in Santo Tirso, wieder bei Temperaturen, an denen das Thermometer an der 35-Grad-Marke kratzt. Traumhaft im Vergleich zum Dauerregen und den herbstlichen Temperaturen in Deutschland. Nach dem Nachmittagstraining, das trotz der Hitze über zwei Stunden dauerte, waren alle Bundesliga-Handballer der HSG Wetzlar völlig fertig. Dann schlägt die Stunde der fleißigen Helfer, die sich sonst im Hintergrund bewegen. Allen voran die Physiotherapeuten, der Athletiktrainer und der Betreuer der HSG Wetzlar.

Im Trainingslager dabei sind zwei »Physios«, deren Hauptarbeit erst nach den Trainingseinheiten beginnt. Einer ist Max Schuller, 23 Jahre, aus Gründau: »Ich wollte schon immer mit Sportlern arbeiten, so wie ich es aus meiner aktiven Zeit als Triathlet kannte.« Eigentlich wollte er Sportwissenschaften studieren, entschied sich aber dann für eine schulische Ausbildung zum staatlich anerkannten Physiotherapeut und arbeitet seit Oktober für die Gelnhäuser Praxis Physio4Sports Stubbner und Zschau. »Durch meine Betreuung des TV Gelnhausen (Handball 3. Liga) kam ich in Kontakt mit Thomas Stubbner, den ehemaligen Physio der HSG Wetzlar, und arbeite seit Oktober 2016 für dessen Team, so kam der Kontakt zur HSG zustande. Und da für das Trainingslager ein zweiter Physio benötigt wurde, habe ich sofort zugesagt.«


Arbeitszeiten: 14 Uhr bis 23 Uhr

Sein Kollege Jonas Ruppert, ebenfalls 23 Jahre und aus Aschaffenburg, wird bald nach Lahnau ziehen. Er ist ehemaliger Jugend-Handballer beim TV Großwallstadt. »Zu meinem Beruf bin ich durch Zufall gekommen, ich hatte während meiner Schulzeit eine sehr schwere Verletzung und wurde lange physiotherapeutisch behandelt – da wusste ich, diesen Beruf möchte ich einmal ausüben.« Auch Ruppert hat die schulische Ausbildung zum Physiotherapeut absolviert und arbeitet ebenfalls für die Praxis Physio4Sports, er war zudem zwei Jahre Physiotherapeut beim TV Großwallstadt.

»Im Trainingslager hier ist unsere Hauptarbeitszeit meist von 14 Uhr bis nach 23 Uhr«, erklären die beiden Physios unisono. Dann werden die kleinen und größeren Blessuren der Spieler gepflegt und jeder aus dem Team präventiv behandelt. »Regeneration ist mit das Wichtigste, damit man überhaupt trainieren kann, zudem stehen wir in ständigem engen Austausch mit unserer Praxis und dem Ärzteteam und Trainern der HSG Wetzlar«, so die beiden Physios im Einklang.


Experte für Ernährung, Regeneration, Hydration

Jonas Rath, gebürtiger Marburger, der aber seit einigen Jahren in Frankfurt lebt, ist seit März 2016 der Athletiktrainer der HSG Wetzlar. »Ich habe Sportwissenschaften in der Uni Gießen studiert, genauer gesagt den Master für klinische Sportphysiologie und Sporttherapie, danach folgte die Weiterbildung zum Athletiktrainer für Leistungssport im DOSB in Köln«, sagt der sympathische 37-Jährige. In seinem Verantwortungsbereich liegen die Schwerpunkte Kondition und physische Vorbereitung. »Mein Hauptarbeitsbereich ist, die Spieler zu befähigen, ihr Potenzial, das sie besitzen, abzurufen. Ich schaue, wo stehen die Spieler jetzt und helfe ihnen, sie in ihren Fähigkeiten weiterzubringen und Verletzungen zu vermeiden. Weiterhin unterstütze ich sie in den Fragen der Ernährung, der Regeneration und speziell hier im warmen Portugal bei Fragen zur Hydration – das heißt, trinken die Spieler genügend«, erklärt Rath.



Einer, der oft überhaupt nicht wahrgenommen wird, ist Stefan »Migge« Rühl. Der 46-Jährige aus Erda ist der Teambetreuer der HSG. Ein Tausendsassa mit unglaublich vielen Aufgaben. »Anfangs war ich nur ein großer Fan der HSG. Ich hatte eine Dauerkarte und irgendwie hatte ich dem Verein immer mal wieder geholfen, etwas zu organisieren, bis vor neun Jahren das Angebot kam, den Job von Horst Theiß als Mannschaftsbetreuer zu übernehmen.« Doch was gehört alles dazu? »Wäsche waschen, Getränke und Utensilien für das Training bereitstellen, Planung der Auswärtsfahrten, Unterstützung des Trainerteams bei Trainingsinhalten und alle möglichen organisatorischen Fragen«, sagt der ehemalige Handballer aus Erda und Garbenheim.


Der Tausendsassa, den keiner sieht

Seine Brötchen verdient er als Lagerist bei der Wetzlarer Firma Zeiss. Früher war er im Schichtdienst. »Doch das war nicht mehr mit der Arbeit für die HSG Wetzlar zu vereinbaren, denn nach meiner Arbeit von früh morgens bis ca. 14.30 Uhr bin ich in der Halle, und alles dreht sich dann nur noch um die HSG.« 20 Tage Urlaub und zwei bis drei Tage unbezahlter Urlaub gehen für die Arbeit mit »seinen Jungs« drauf. »Ich stoße dabei schon oft auf Unverständnis bei Freunden und Bekannten, was ich für einen Einsatz bringe. Aber ich habe Spaß an der Arbeit mit den Spielern und freue mich jeden Tag aufs Neue, wenn ich in die Halle kann«, sagt Rühl. So richtig traurig wird »Migge« dann, wenn Spieler den Verein verlassen. »Aber ich stehe noch regelmäßig im Kontakt mit vielen Ehemaligen, die rufen mich an oder schreiben mir. Zu Tobias Reichmann oder auch Ivano Balic habe ich noch regelmäßigen Kontakt, hier sind definitiv Freundschaften im Laufe der Jahre entstanden.« Für viele Spieler ist »Migge« die »gute Seele« im Hintergund, immer auch für einen witzigen Spruch gut.

Am Mittwoch stand nach der Laufeinheit und dem Morgentraining in der Sporthalle von Santo Tirso der Besuch und die Besichtigung des Leica-Werkes in Famalicão an, doch darüber morgen mehr...

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