06. Juni 2019, 17:42 Uhr

Großmeister gegen Überflieger

06. Juni 2019, 17:42 Uhr
Maik Machulla will seinem Ex-Coach Gislason mit Flensburg den Titel wegschnappen.

Vor dem Showdown am Sonntag (15 Uhr) herrscht Funkstille. SMS-Nachrichten, WhatsApp oder gar einen kurzen Anruf wird es zwischen dem scheidenden Großmeister Alfred Gislason und seinem früheren Lehrling Maik Machulla nicht geben. »Wir beide sind angespannt, und jeder möchte seine Mannschaft bestmöglich auf das letzte Spiel vorbereiten, da macht Kontakt vorher wenig Sinn«, sagte Flensburgs Coach Machulla vor dem letzten Akt im Fernduell um die deutsche Handball-Meisterschaft mit dem THW Kiel der »Sport Bild«.

Seit Wochen elektrisiert der Wettstreit der beiden Erzrivalen die Handball-Szene. Rettet Titelverteidiger SG Flensburg-Handewitt (beim Bergischen HC) seinen Vorsprung am Wochenende ins Ziel, oder gelingt Branchenprimus Kiel (gegen Hannover-Burgdorf) im letzten Spiel von Trainer-Ikone Gislason doch noch das Überholmanöver? Der Meistertitel wäre für den Isländer, der das Bundesliga-Geschehen in mehr als zwei Jahrzehnten an der Seitenlinie maßgeblich prägte, der glanzvolle Schlusspunkt einer großen Karriere als Vereinscoach. Ob Meisterschaft, Pokal, Champions League oder Europacup-Titel - Gislason gewann sie alle in den 22 Jahren, seit er aus Island zum VfL Hameln gewechselt war. Mehrfach.

»Die Bundesliga verliert einen ganz starken Trainer, der Großes geleistet hat«, sagte Weltmeister-Coach Heiner Brand: »Nun werden andere kommen, die der Liga ihren Stempel aufdrücken. Trainer wie Maik Machulla, Florian Kehrmann oder Bennet Wiegert. Die neue Generation ist gut.« Auch Machulla würdigte Gislasons »großartige Karriere, dafür verdient er meinen vollen Respekt. Hut ab, dass er so lange auf dem Trainer-Karussell mitgefahren ist.«

Nun, nach rund 1200 Spielen als Coach, ist Schluss mit der wilden Fahrt. Nach dem Heimspiel am Sonntag (15.00 Uhr/Sky) gegen die TSV Hannover-Burgdorf wird Gislason sein Team, mit dem er in elf Jahren 20 Titel gewann, an Filip Jicha übergeben. Der 59-Jährige macht Platz für eine neue Trainergeneration.

Zu der gehört auch Machulla. Einst in Magdeburg selbst als Spieler durch die harte Schule Gislasons gegangen, schickt sich der Senkrechtstarter an, seinem früheren Lehrmeister ein zweites Schnippchen zu schlagen. Schon in der vergangenen, seiner Premierensaison als Bundesliga-Trainer, hatte Machulla die SG zum Titel geführt. »Die Chancen stehen 80:20 für Flensburg«, sagte Brand: »Sie werden so fokussiert sein, dass sie es nach Hause schaukeln werden.«

Machulla selbst gestand zwar, »nervös und angespannt« zu sein, doch der 42-Jährige wirkte beim letzten offiziellen Medientermin vor dem »Endspiel« beim Bergischen HC vollkommen aufgeräumt und ziemlich unaufgeregt: »Wir sind mental durch so viele schwierige Situationen in diesem Jahr gegangen und haben sie gemeistert. Das gibt viel Mut und Selbstvertrauen.« (Fotos: dpa)

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