17. April 2020, 12:00 Uhr

Basketball

Gießener Rackelo-Fanpaar von der Weltreise in die Quarantäne

Eine Weltreise ist einzigartig. Den Rackelo-Fans Sascha Lobers und Sarah Dernbach kam Corona dazwischen. Sie kehrten sicher nach Gießen zurück - und wurden von Anne Leinweber versorgt.
17. April 2020, 12:00 Uhr
Die traumhaften Aussichten an fernen Stränden mussten den Corona-Beschränkungen weichen. Doch in der Quarantäne waren Sascha Lobers und Sarah Dernbach dank der »Wir für euch«-Aktion der Gießen 46ers gut versorgt.

Mit Reisen kennen sich Sascha Lobers und Sarah Dernbach auch basketballerisch aus. Bei jedem Auswärtsspiel der Gießen 46ers Rackelos machen sie sich mit auf den Weg. »Sie waren wirklich bei Wind und Wetter immer dabei«, freut sich Anne Leinweber, die Managerin des Pro B-Teams. Über Social Media verfolgte sie sogar die Weltreise des Fan-Paares, die Anfang Februar startete.

Der Wermutstropfen für alle Beteiligten war, dass Lobers und Dernbach so die Playoffspiele verpassen würden. Als Sechster der Südstaffel wären die Rackelos im Achtelfinale auf den Dritten des Nordens getroffen (Münster). Die Paarungen der Playoffs standen gerade fest, da entschloss sich die Bundesregierung für Veranstaltungsverbote mit mehr als 1000 Teilnehmern. Was folgte war eine Corona-Lawine, die im Shutdown gipfelte.

Dabei gab es in der Frühphase der Krise eine kurze Zeit, in der es Münster selbst oblag, wie mit der 1000-Zuschauer-Begrenzung umzugehen sei. Man kann nur mutmaßen, wie das die Baskets zum Rotieren gebracht haben mag. Die Westfalen hätten mit einer Rekordkulisse von 3000 Fans in der Halle rechnen dürfen. Es gibt Bundesligisten, die da nicht mithalten können.

Das Sportliche rückte aber schnell in den Hintergrund. Erst Recht für die weltreisenden Rackelo-Fans, die zu diesem Zeitpunkt schon einige Wochen unterwegs waren. Sieben Monate sollte die Tour eigentlich dauern, ein Lebenstraum in Erfüllung gehen. Von Bangkok nahm die Reise ihren Lauf über Kambodscha und auf die Perhentian-Inseln im südchinesischen Meer. Immer häufiger fiel aber das Wort »Corona«, wenn abends im Hotel das W-LAN aktiviert wurde.

»Aus Angst, in Malaysia stecken zu bleiben, buchten wir kurzerhand den Flug nach Australien um und flogen zwei Tage später«, erklärt Dernbach. »Als wir in Cairns aus dem Flughafen kamen, sprudelten die Glücksgefühle. Wir lagen uns in den Armen und waren dankbar, im Land unserer Träume zu sein«, so Lobers.

Ein Teil der Reisewarnungen umfasste den Hinweis, dass die Auslandskrankenversicherung nur noch zwei Wochen greife. Das Paar stellte den Sinn der Reise immer mehr in Frage: »Können wir sicher sein, weder andere noch uns zu gefährden, wenn wir weiterreisen? Können wir sicher sein, dass Australien die Grenzen offenlässt und wir jederzeit nach Hause kommen?«, erinnert sich Dernbach.

Am 21. März und damit ein halbes Jahr früher als geplant endete die Weltreise am Flughafen in Frankfurt. Ursprünglich wollten die beiden sogar ihre Wohnung untervermieten. »Heute sind wir dankbar, dass wir das nicht umgesetzt haben«, so Lobers. Trotzdem: Alle Vorräte waren restlos aufgebraucht. »Einkaufen? Keine gute Idee, wenn man in den 14 Tage davor an diversen Flughäfen dieser Welt unterwegs war«, erklärt Dernbach, warum sich das Paar freiwillig für die Quarantäne entschied.

Anne Leinweber wurde aktiv und wies sie auf die »Wir für euch«-Aktion der Gießen 46ers hin. Per E-Mail gaben Sie an, was am dringendsten benötigt wurde. Die Managerin übernahm die Einkaufstour selbst. Nur das begehrte Toilettenpapier war vergriffen - sie half mit dem privaten Bestand. »Das ist ein Weg, den beiden ein kleines bisschen zurückzugeben«, freute sich Leinweber.

Die Fan-Leidenschaft des Paares alleine hätte einen Zeitungsartikel verdient. In der Pro B reisen sie den Rackelos seit zwei Jahren hinterher. Schon vorher fanden erste Dates des frisch zusammengekommenen Paares in der Osthalle bei Spielen der ersten und zweiten Mannschaft statt. »So weit ist das doch gar nicht«, befand Lobers im Frühjahr 2018, als das Achtelfinale in Oldenburg wartete. Die Rackelos gewannen spektakulär und trafen im Viertelfinale auf Rostock. »Bei den 600 Kilometern bis an die Küste haben wir schon geschluckt«, erinnert sich das Paar unisono, fuhr aber trotzdem. Auch diese Partie konnten die Rackelos »stehlen«. 20 Zentimeter Neuschnee vor der Halle erwischten Team und Fans bei der Rückfahrt gleichermaßen kalt.

Hinter einen Schneepflug geklemmt ging es im Schneckentempo zurück Richtung Heimat. Dass die beiden in den folgenden Spielzeiten auch alle anderen Auswärtsspiele besuchten, war nach den Erlebnissen jener Tage fast eine Selbstverständlichkeit. »Wir haben es dann einfach durchgezogen«, lacht Lobers. Beiden geht es gesundheitlich gut. Auch die Quarantäne ist seit Kurzem vorbei. Die Weltreise soll nachgeholt werden.

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