Lokalsport

Gießen und Grünberg fehlt nur die Krönung

Der Gießener und Grünberger Basketball-Nachwuchs hatte bis Mitte März eine gute Bundesliga-Zeit und noch Ziele vor sich - doch dann kam Corona. Eine Bilanz:
24. April 2020, 10:30 Uhr
JSG
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Und Action! Tim Schneider (weißes Trikot/hinten) und Robin Njie (9) sorgten mit ihren Gießen 46ers in der Jugendbasketball-Bundesliga U 19 für einigen Wirbel. FOTO: FRIEDRICH

Eine durchaus erfolgreiche Saison ist durch das Coronavirus für die Nachwuchs-Basketballerinnen und -Basketballer aus dem Kreis Gießen vorzeitig zu Ende gegangen. Alle drei Bundesliga-Teams hatten sich für die Playoffs qualifiziert und damit die selbstgesteckten Ziele erreicht. Während vor allem die U 16-Jungs noch über die ein oder andere vergebene Chance nachdenken werden, ist der Abbruch vor allem für die Mädchen aus Grünberg ärgerlich. Sie hatten gute Chancen ins Halbfinale einzuziehen und dann das Finalturnier vor eigener Kulisse zu bestreiten.

NBBL: Gießen 46ers am Playoff-Ziel

Am letzten Spieltag der NBBL-Hauptrunde hatte sich noch das Playoff-Derby gegen Frankfurt herauskristallisiert, doch dazu kam es nicht mehr. Trotzdem liegt eine positive Spielzeit hinter dem Team der Roth Energie BBA Gießen 46ers in der U 19-Bundesliga. Mit dem sechsten Platz in der Südgruppe zeigte das Team eine ansprechende Leistung und qualifizierte sich souverän erneut für die Hauptrunde A.

Mit dem neuen Modus standen für die Gießener Nachwuchsspieler noch größere Brocken im Weg als in den Jahren zuvor. Die acht besten Teams des Südens haben sich in der Gruppe gemessen, darunter Meisterschaftsfavoriten wie Ludwigsburg oder München. So war vor der Saison der Klassenerhalt das ausgesprochene Ziel. Mit vier deutlichen Siegen gegen Bayreuth und Nürnberg gelang dieses Vorhaben problemlos. Dazu bezwangen die Mannen von Trainer Ivica Piljanovic überraschend Vizemeister Bamberg in der Anfangsphase der Saison in der heimischen Osthalle. Obwohl es gegen die anderen Gegner nicht zu Erfolgserlebnissen reichte, kann die Saison als Erfolg abgehakt werden. In Ludwigsburg sowie bei den Heimspielen gegen Frankfurt und Bayern verkauften sich die Spieler der Jahrgänge 2001 und 2002 teuer.

»Ich sehe in meinem Team eine tolle Entwicklung«, gab Trainer Piljanovic vor Wochen bereits zu Protokoll. Dabei stach im Saisonverlauf vor allem ein Quartett heraus. 3 x 3-Experte Nico Lagerman sorgte für einige Highlights und war mit 18,3 Punkten bester Scorer des Teams. Der Kronberger war zugleich auch für seinen Heimatverein in der Regionalliga aktiv. Er ist im kommenden Jahr nicht mehr für die NBBL spielberechtigt.

Anders ist das bei Sebastian Brach, der sich auch bei den Rackelos als ein fester Bestandteil der Rotation etabliert hat. Der Pointguard war der Kopf der Mannschaft und ging mit 17,3 Punkten auch als Scorer voran.

Den Schritt in die Regionalliga-Rotation der Pointers hat Brachs Guard-Partner Tim Schneider geschafft. Der ebenfalls erst 18 Jahre junge Gießener kam auf 15,1 Punkte und war bei allen 14 Meisterschaftsspielen im Einsatz. Die beiden werden im kommenden Jahr zusammen mit Paul Carl das Team anführen, der zweite Rackelo im Kader kam bis zu seiner Verletzung auf 11,1 Punkte pro Partie.

Doch auch in der zweiten Reihe entwickelten sich Spieler wie Karl Maruschka, Fabian Baumgarten oder Henrik Kalusche. Dieser positive Trend war das zweite Ziel für die Saison, die Spieler individuell voranzubringen. »Es war in Anbetracht der Zeit, in der wir derzeit leben, das einzig richtige, den Wettbewerb zu beenden, auch wenn wir uns sehr auf die Playoffs gefreut haben«, sagt Piljanovic.

Neben Lagerman wird vor allem das altersbedingt Ausscheiden von den großen Spielern wie Finn Jakob, Till Wagner und Robin Njie eine Herausforderung für die nächste Saison. Mit Hannes Bergmann und Guard Yuma Janeck konnte der ehemalige Profi zuletzt aber auch Spieler des jüngsten Jahrgangs 2003 ins Spiel einbinden.

JBBL: Gießen 46ers mit Potential

Einen Schritt weiter in ihrer Saison waren schon die U 16-Jungs der Roth Energie BBA Gießen 46ers. Zwischen dem ersten und dem zweiten Playoff-Spiel wurde ihre Saison abrupt beendet. »Für unsere Kinder ist es schmerzlich, weil man am Ende einer Wettkampfphase natürlich immer wissen will, wo man tatsächlich gelandet ist. Mit dem vorzeitigen Beenden der Saison geht man natürlich unverrichteter Dinge vorzeitig in die Pause«, verrät Trainer Marcus Krapp.

Gelandet ist das JBBL-Team souverän in den Playoffs und stand im ersten Spiel kurz vor der Überraschung. In Ludwigsburg führten die Mittelhessen bereits deutlich, doch brachen sie im Schlussviertel ein. Nachdem sie sich in die Verlängerung retteten, setzte es dort aber die 63:76-Niederlage, mit der es nun in die ungewiss lange Pause geht. Das letzte Spiel spiegelt allerdings die Saison gut wieder. Immer wieder gab es Höhen und Tiefen, oft sogar binnen eines Spiels.

In der Vorrunde zeigte sich das Team um Topscorer Tristan Göbel souverän und zog mit lediglich einer Niederlage in die Hauptrunde ein. Beim Spiel in Düsseldorf, das die Gießener kurz vor der Halbzeit noch zweistellig anführten, zeigte sich aber schon das Problem der folgenden Gruppenphase. Wenn die Gegner körperlicher oder aggressiver wurden, hatten die Krapp-Schützlinge Probleme ihr Spiel aufzuziehen. Das zeigte sich speziell bei den Niederlagen gegen Düsseldorf oder in Heidelberg, wo die Lahnstädter gute Vorsprünge noch aus der Hand gaben. Zu selten konnte das junge Team konstant Leistung auf das Parkett und den Sieg nach Hause bringen wie im Heimspiel gegen Südhessen. Am Ende sprang nur der fünfte von sechs Hauptrundenplätzen heraus. Coach Krapp attestierte seinem Team aber immer wieder das Potential, zu den drei besten Teams der Gruppe zu gehören. Nur abrufen konnten sie es nicht.

Mit Noah und David Sann sowie Dusan Nikolic konnte ein Trio dabei wichtige Erfahrung für die kommende JBBL-Saison sammeln. Die weiteren Leistungsträger wie Göbel, der Siegener Phillip Becker oder Forward Lorenz Kohl müssen in die nächste Altersstufe wechseln. Das gilt auch für Christopher Herget, der das Team als Pointguard anführte und gerade in der Defensive zu einem der besten Spieler der Liga zu zählen ist. Für ihn und alle anderen Teammitglieder gilt es, die teilweise schmerzhaften Erfahrungen in positive Lerneffekte umzusetzen und nach der unfreiwilligen Pause mit neuer Motivation anzugreifen.

WNBL: Grünberg mit Top 4 vor Augen

Als sich das Team Mittelhessen im letzten Frühjahr nach dem Ausstieg von Marburg für die WNBL qualifizieren musste, dachte niemand, dass heute irgendetwas so wäre wie es ist. An Corona war noch nicht zu denken und die Grünbergerinnen waren alles andere als ein Topfavorit. Doch das Team von René Spandauw entwickelte sich trotz schwieriger Umstände hervorragend. Im Playoff-Viertelfinale standen die Gallusstädterinnen bereits und das Top 4 in eigener Halle war zum Greifen nah.

Dem jungen Team aus Mittelhessen öffneten sich am dritten Spieltag langsam die Augen, was sie gemeinsam leisten können. Nach einem 20-Punkte-Rückstand kurz vor der Pause drehten die Spandauw-Mädchen das emotionale Derby in Marburg binnen 13 Minuten und gewannen dieses und die nächsten fünf Spiele. Die vielleicht beste Leistung zeigten sie direkt nach der Weihnachtspause, als sie Rhöndorf keine Chance ließen. Die Rheinländerinnen hatten im Vorjahr mit fast unveränderter Mannschaft im Top 4 gestanden und sahen sich in Grünberg teils mit 30 Punkten im Rückstand.

Doch zur eh schon schwierigen Trainingssituation mit Spielerinnen aus vielen Vereinen, von Grünberg über Gießen und Butzbach bis Frankfurt und Hanau, gesellten sich dann noch Verletzte dazu. Für Janna Dauer und Emilia Arnheiter war die Saison im Januar vorzeitig beendet und Spandauw musste in der Folge zwei Starting five-Spielerinnen ersetzen. »Der Zusammenhalt im Team war unbeschreiblich gut«, blickt der Niederländer auf die Saison zurück. »Es tut mir für die Spielerinnen sehr Leid, dass sie keine Chance hatten, ins Top 4 einzuziehen. Gerade Alva Hedrich oder Kristina Wereschinski aus dem älteren Jahrgang können das jetzt nicht mehr erreichen, obwohl sie es sehr verdient gehabt hätten.«

Spielführerin Hedrich war mit ihrer Präsenz und Führungsstärke ein entscheidender Faktor beim Erfolg in der wohl stärksten Gruppe. Hätten sich bei Marburg nicht zwei Leistungsträgerinnen vor den Playoffs verletzt, wären wohl alle vier Teams aus der Gruppe Mitte ins Viertelfinale eingezogen. Auch Emilia Arnheiter hat ihre kometenhafte Entwicklung fortgesetzt. In dieser Saison wurde sie zu einer der besten WNBL-Verteidigerinnen auf den Guard-Positionen und war auch in der Offensive präsent. Dort wird sie auch in der kommenden Saison zusammen mit Elisa Mevius die Fäden in der Hand halten. Mevius ist 2004 geboren und damit noch zwei Jahre in der U 18-Bundesliga spielberechtigt. In der Hauptrunde überzeugte sie mit 15,7 Punkten und empfahl sich damit für regelmäßige Einsätze in der 2. Bundesliga bei den Bender Baskets. Auch dort beeindruckte sie mit 8,6 Punkten pro Spiel. Obwohl die Mannschaft seit dem Sommer nicht ein einziges Mal mit allen Spielerinnen trainieren konnte, entwickelte sich die Saison zu einem Erfolg, auf den Trainer und Spielerinnen hoffentlich bald aufbauen können.

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