15. Dezember 2016, 12:00 Uhr

Gießen-Achter mit neuem Boot in die Bundesliga

(sno) »Wenn der Ruderer merkt, dass die Kraft, die er investiert, zum Vortrieb des Bootes verwendet wird, wenn er das Rauschen des Wassers am Heck hört und das Boot gleitet, dann verspürt der Ruderer für eine kurze Zeit ein wirkliches Gefühl von Zufriedenheit.«
15. Dezember 2016, 12:00 Uhr
Gleich im ersten Jahr des neuen Achters gelang den Gießener Ruderern der Aufstieg. (Foto: sno)
Michel Zörb, Mitglied des Gießen-Achters, beschrieb einst in dieser Zeitung den Alltag eines Ruderers. Legt man seine Aussagen zugrunde, müssen seine Teamkollegen in der abgelaufenen Zweitligasaison zufrieden gewesen sein. Souverän glitten die Gießener zum Aufstieg. Jetzt gab das Team einen ersten Ausblick auf das bevorstehende Bundesligajahr und präsentierte den aktuellen Achter. Fragen und Antworten zu Gießens Aushängeschild auf der Lahn.

? War mit dem sportlichen Erfolg zu rechnen?
Nach dem Abstieg 2015 beschloss das Team, Kernarbeit zu leisten und den Wiederaufstieg langfristig anzugehen. »Der Plan war in dieser Saison wieder aufzusteigen«, erklärt Teamchef Eric Baumann. Die Arbeit begann im vergangenen Jahr und bestand darin, die unterschiedlichen Charaktere zusammenzufügen. »Das braucht Zeit, schließlich haben wir eine große Bandbreite von 18 bis Mitte 30, vom Ruder-Weltmeister bis zu jenem, der erst spät eingestiegen ist«, sagt Baumann. »Und auf dem Wasser müssen alle harmonieren. Auf der 350-m-Sprintstrecke kann dich ein kleiner Fehler das Rennen kosten.« Die Arbeit lohnte sich: Nach einer stabilen Saison wurde bei der Abschlussregatta in Berlin der Aufstieg klar gemacht.
? Welchen Einfluss hatte das neue Boot der Gießener?
Zum ersten Mal wurde der jetzige Achter in dieser Saison genutzt. »Es ist wichtig, dass das Boot möglichst fest ist«, erklärt Baumann. »Dieser Achter ist viel steifer, es geht auch keine Kraft in die Verwindung, sondern direkt aufs Wasser.« Der neue Achter kostete rund 30 000 Euro, vorher wurde mit einem mittlerweile 14 Jahre alten Gerät gerudert. Das macht sich im Rudersport, wo Kleinigkeiten entscheiden, bemerkbar. Ein Boot wird auf Bestellung gebaut, ist »auf jeden Fall zehn Jahre wettkampffähig«.
? Kann man im Ligabetrieb des Rudersports Geld verdienen?
»Da fließt kein Geld«, meint der Gießener Teamchef. Der finanzielle Aufwand – beispielsweise durch die Anschaffung des Achters oder die Fahrten nach Berlin oder Hamburg – ist trotzdem da. Insofern ist der Gießen-Achter auf Sponsoren wie die Sparkasse oder die Stadtwerke angewiesen.
? Was verändert sich durch den Aufstieg in die Bundesliga?
Generell ist eine Entwicklung im deutschen Rudersport zu erkennen, die Leistungsstärke nimmt zu. »Wenn ich heute mit 2012, als wir angefangen haben, vergleiche, da liegen sportliche Welten dazwischen«, meint Baumann. Aufgrund der Bundesliga-Konkurrenz wird sich das Trainingspensum steigern. Auch im Winter, sofern die Lahn nicht gefroren ist, wird trainiert. Die Austragungsorte werden in der Regel neu ausgeschrieben, ändern sich für die kommende Saison aber nicht. »Die weiten Fahrten beispielsweise nach Hamburg bleiben uns nicht erspart.« Auch Gießen war als Austragungsort schon einmal im Gespräch, wäre im Zieleinlauf aber nicht so zuschauerfreundlich wie andere Standorte.
? Wann und wo beginnt die neue Bundesliga-Saison?
Los geht es am 27. Mai in der Frankfurter »Main-Arena«. Dort ist mit großen Zuschauerzahlen zu rechnen. Trotz eines heftigen Gewitters kamen in der abgelaufenen Saison 5000 Besucher. Der Saisonabschluss (insgesamt fünf Wettkämpfe) findet am 16. September auf der Berliner Spree statt. Wie das Team des Gießen-Achters aussehen wird, steht voraussichtlich im März fest. Da Studenten und Auszubildende an Bord sind, erfolgt die genaue Zusammenstellung erst dann.
? Ist der Klassenerhalt für den Gießen-Achter realistisch?
Ja, meint Eric Baumann. Er zieht dafür zwei Vergleiche heran: In der Rowing Champions League Ende September ließen die Gießener den lokalen Konkurrenten, die Frankfurter Germania, hinter sich. »Sie sind so etwas wie das Bayern München im Rudern und wir sind vor ihnen gelandet.« Bei den Deutschen Sprintmeisterschaften in Krefeld wurde Gießen zudem Zweiter, Frankfurt Dritter. Der Teamchef ist sich sicher: »Wir sind also auf einem gewissen Niveau.«

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