03. Oktober 2017, 22:04 Uhr

Wie ausgewechselt

Gießen 46ers bringen Meister an den Rand einer Niederlage

Mit einer couragierten Leistung bringen die Gießen 46ers den amtierenden Meister Brose Baskets Bamberg an den Rand einer Niederlage. Trotz des 84:87 kann das Team viel Positives aus dem Spiel ziehen.
03. Oktober 2017, 22:04 Uhr
Gießens Center John Bryant (l.) setzt seinen Körper gegen Bambergs Augustine Rubit ein. (Foto: Vogel)

Gießen 46ers


Jamar Abrams brachte es auf den Punkt: »So kämpft man, verdammt!« Der Forward der Gießen 46ers war angesichts der 84:87 (37:44)-Niederlage seines Teams am Dienstag beim deutschen Basketball-Meister Brose Bamberg nicht glücklich, aber dennoch deutlich zufriedener als noch vier Tage zuvor bei der 53:87-Heimpleite gegen Bayern München.

Von der ersten Sekunde an zeigten sich die 46ers gewillt, die Erinnerung an die Schlappe gegen München vergessen zu machen: Mit einem Dreipunktspiel brachte Benjamin Lischka die Gießener nach zwei Minuten erstmals in Führung (6:5), und bis zur Viertelpause konnten sich die Gäste von der Lahn sogar einen Drei-Punkte-Vorsprung erarbeiten. Mit einem 9:2-Lauf gelang es Bamberg dann, sich etwas abzusetzen: 44:37 für die Hausherren stand es zum Seitenwechsel. Doch wer glaubte, dass nach einem Donnerwetter von Brose-Coach Andrea Trinchieri nun die Bamberger Gießen aus der Halle schießen würden, sah sich getäuscht: Die 46ers hielten knallhart dagegen, zogen weiterhin ihr Spiel durch und zeigten keinen Respekt: Selbst Youngster Bjarne Kraushaar, der sein BBL-Debüt feierte, nutzte direkt die Gelegenheit und zog gegen den Griechen Nikos Zisis – immerhin Europameister und Euroleague-Champion – furchtlos zum Korb, wenngleich dieser Mut nicht mit Punkten belohnt wurde.


Bis in Schlussphase offenes Duell

So gelang den Gießenern, was kaum jemand zuvor für möglich gehalten hätte: Bis in die Schlusssekunden war die Partie offen, erst der letzte Schuss entschied das Duell. Ein 46ers-Sieg wäre alles andere als unverdient gewesen. Bamberg, ähnlich hoch favorisiert ins Spiel gegangen wie München am Wochenende, schaffte es fast nie, die Wut nach dem verlorenen Auftaktmatch gegen Würzburg so zu kanalisieren, dass man die Gießener hätte dominieren können.

Damit war die Bühne bereitet für eine spannende Schlussphase: 3:17 vor dem Ende war es Lischka, der von der Freiwurflinie eine 75:74-Führung erwarf. Bamberg konterte mit einem 6:0-Run, doch Gießen blieb wach und glaubte an die Siegchance – selbst, als die Oberfranken 26 Sekunden vor dem Ende durch den Ex-46er Ricky Hickman wieder mit fünf Zählern vorne lagen (86:81, 40.). Wiederum Lischka erzielte per Dreier den Anschluss, und als Hickman im darauffolgenden Angriff nur einen der beiden fälligen Freiwürfe verwandelte, war es erneut der Langgönser, der die Chance zur Verlängerung in der Hand hatte – doch Lischkas Dreier fand das Ziel nicht, die couragierte Leistung der 46ers wurde nicht belohnt.


Noch zu viele individuelle Fehler, zu viele Fouls

Das Mannschaftsspiel, das man am Samstag noch schmerzlich vermisst hatte, war am Dienstag deutlich zu erkennen und machte Spaß: 23 Assists sind ein starker Wert, nachdem es gegen Bayern nur zehn Vorlagen gab. Im Rebound waren die 46ers den Hausherren in der Brose Arena deutlich überlegen und griffen am Ende gleich zehn Bälle mehr ab als die Oberfranken.

Trotzdem, als Sieger gingen die Bamberger vom Feld. Das war einerseits den individuellen Fehlern der Gießener geschuldet: 16 Ballverluste leisteten sich die 46ers, darunter Pässe direkt in die Hände der Gegenspieler, die Maodo Lo und Co. zu einfachen Fastbreak-Punkten nutzten. Andererseits mussten die Mittelhessen am Ende auch der hohen Foulbelastung Tribut zollen: Zu oft konnten Darvin Davis, Austin Hollins und ihre Kollegen nur per Regelüberschreitung verhindern, dass die Bamberger freie Bahn zum Korb hatten. Die beiden US-Guards der 46ers mussten fast folgerichtig am Ende mit je fünf Fouls zusehen.

»Die Niederlagen gegen Bamberg und München tun gleich weh, weil es zwei Niederlagen und weil es jeweils zwei Minuspunkte sind. Aber die Anspannung bis zur letzten Minute tat uns gut, dass wir in Bamberg so lange mithalten konnten: Das gibt uns Auftrieb in dem, was wir tun«, wollte Gießens Trainer Ingo Freyer nach Spielende nicht entscheiden, welche Niederlage die schmerzlichere war. Ab heute gilt der Fokus dann ganz dem nächsten Heimspiel gegen Gotha: Am Sonntag gegen den Aufsteiger wollen die 46ers erstmals in dieser Saison als Sieger vom Parkett gehen.

Bamberg: Lo (14), Hickman (13), Mitrovic (12), Rubit (10), Taylor (10), Zisis (9), Harris (6), Radosevic (6), Nikolic (4), Staiger (3).

Gießen: Lischka (16/8 Rebounds), Abrams (15), Bryant (14/13 Rebounds), Hollins (12/4 Ballverluste), Davis (11/8 Assists/3 Steals), Agva (9), Marin (5/3 Assists), Manigat (2/5 Assists), Kraushaar, Völler.

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