01. April 2020, 12:10 Uhr

Basketball

Gießen 46ers Rackelos mit Playoff-Hattrick

Playoffs, Spannung, Halligalli? Nein: In der 3. Basketball-Bundesliga liegt das Spielgerät auf Eis. Vom Corona-Shutdown betroffen sind auch die Gießen 46ers Rackelos.
01. April 2020, 12:10 Uhr
Gemeinsam stark, die Pro B-Basketballer der Gießen 46ers Rackelos. FOTO: FRIEDRICH

Gießen 46ers


Rückblick: Im dritten Jahr seines Bestehens konnte das Farmteam des gleichnamigen Bundesligisten erneut die Playoffs erreichen. Bis zum letzten Spieltag bot sich die Hoffnung, zugleich das Heimrecht sicherzustellen. In der von sportlichen Schwankungen gekennzeichneten Pro B ist das keine Selbstverständlichkeit. Nach eher holprigem Saisonstart setzten sich die Rackelos auf einem Playoff-Platz fest. Doppellizenzspieler wie Tim Köpple, Leon Okpara und Tim Uhlemann haben daran großen Anteil: Alle konnten sich zu Leistungsträgern etablieren. An der Lahn machte man sich bereit für einen Playoff-Run. Dann kam der 8. März.

Es ist ein Sonntag. Ich beende gerade meine Arbeit, einige Texte mussten noch raus. Hinter Basketball-Gießen liegt ein langes Wochenende. Während sich die BBL-46ers im Hessenderby mit Frankfurt duellierten, scheiterten die Rackelos im »kleinen Derby« bei den Hanau WhiteWings. Gegner ist damit Münster, der Dritte des Nordens. Spiel eins der Best-of-3-Serie hätte am nächsten Samstag bei den Baskets stattgefunden. Im Kopf formuliere ich die Schlagzeile für den Vorbericht vor: »3000 gegen 5« kommt mir in den Sinn. Münster spielt in den Playoffs vor einer bundesligatauglichen Kulisse, schon sehr lange will der Verein aufsteigen.

Es ist zugleich jener Abend, an dem erstmals ein Veranstaltungsverbot für mehr als 1000 Zuschauer durch die Schlagzeilen wandert. Wir reden von der deutschen Frühphase der Corona-Krise. Coaches kleinerer Ligen werden noch einige Tage an dem Glauben festhalten, dass es bei ihnen vorerst weitergeht. Den Rackelos ist die Dramatik nicht zuletzt aufgrund der Münsterer Riesenkulisse frühzeitig bewusst.

Managerin Anne Leinweber steht im permanenten Austausch mit dem Achtelfinalgegner. Am Mittwoch werden noch Vorberichte gemacht, obwohl der Ernst der Lage längst jedem klar ist. Coach Rolf Scholz sieht das schon zu diesem Zeitpunkt ähnlich. »Es hat ein paar Tage gedauert, sich darauf einzulassen«, blickt der hauptberufliche Polizist auf diese Tage zurück. Er befindet die Entscheidungen für alternativlos und richtig.

»Natürlich hätten wir gerne gespielt«, schiebt der Trainer nach. »Die Meldungen überschlugen sich täglich, weshalb wir uns zwar normal auf das Achtelfinale vorbereitet haben, uns aber gleichzeitig immer unwohler fühlten, den Status Quo beizubehalten.« Daher begrüßte Scholz den schnellen Entschluss seitens der Liga. Bereits am späten Abend jenes »Vorbericht-Mittwoch« verkünden ProA und ProB, den kommenden Spieltag ausfallen zu lassen. Der Saisonabbruch wird nach einer Tagung der Vereinsvertreter sechs Tage später bekanntgegeben - und ist zu diesem Zeitpunkt keine große Überraschung mehr.

Seither hat sich die Welt - das lässt sich ohne Pathos sagen - verändert. »Der Abbruch war etwas enttäuschend, aber im Moment sind einfach andere Sachen wichtiger«, führt Kapitän Johannes Lischka aus. Er erinnert sich an die Tage zwischen dem letzten Hauptrundenspiel und dem Shutdown, der die Sportwelt etwas früher als die meisten anderen kalt erwischte.

»Nach dem Hanau-Spiel waren wir eigentlich ganz zufrieden mit dem Los gegen Münster. Es wäre geil gewesen, vor so einer Kulisse zu spielen, und auch die Matchups hätten gepasst«, so der ehemalige Nationalspieler. Mit Chad Prewitt, dem ehemaligen Power Forward der BBL-46ers und heutigem Co-Trainer der Baskets, wäre es gegen einen alten Bekannten gegangen. »Die ersten Nachrichten trudelten dann ein, zwischenzeitlich gingen wir von einer Geisterkulisse aus. Was dann kam, haben wir so auch noch nie erlebt«, erinnert sich Lischka. Scholz fiel vor allem der Abschied von seinen Jungs schwer. Auch bei Playoff-Spielen im K.o.-Modus kann jede Partie zwar die letzte sein: »Insofern ist es Teil des Sports, dass es von heute auf morgen vorbei ist. Und doch kann man sich besser darauf einstellen.«

Ein letztes Mal kam das komplette Team persönlich zusammen, als die Entscheidung der Liga verkündet wurde. Schon da war es den Verantwortlichen wichtig, die Abstandsregeln einzuhalten. »Wir haben eine persönliche Verantwortung gegenüber den Spielern und ihrer Gesundheit«, unterstreicht Scholz, dass er hinter den Entscheidungen der großen Tages- und kleinen Sportpolitik steht. Eine gewisse Traurigkeit ist allen Beteiligten trotzdem anzumerken. Nur danach gefragt, wie sich Lischka derzeit persönlich fit hält, muss der Innenspieler ins Telefon lachen: »Ich bin ein alter Mann und der Sommer wird lang. Für den Körper ist die Pause gut. Ans Training geht es frühestens Mitte April.«

Sollten Trainingsstätten da bereits wieder in einem moderaten Umfang zur Verfügung stehen: umso besser. Vorerst hat das Management alle Spieler mit Athletikplänen für häusliche Workouts versorgt. Das ist vor allem für die Doppellizenzspieler der Rackelos wichtig: Offiziell wurde die BBL-Saison noch nicht für beendet erklärt. »Alles in allem ist es traurig, dass wir die Playoffs nicht spielen konnten, aber die einzige richtige Entscheidung«, sagt Leinweber. Wichtig sei allein, dass die Spieler gesund und sicher durch diese Zeit kämen. An Spekulationen über die Zukunft möchte sich die Managerin daher nicht beteiligen.

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