03. Dezember 2019, 12:00 Uhr

Basketball-Bundesliga

Gießen 46ers: Freyers deutliche Worte ans Team

Engagiert, aber fehlerhaft. Manchmal nicht mit dem nötigen Fokus. Und ohne Glück im Abschluss. Das 77:97 der Gießen 46ers gegen Ulm spiegelte nicht die wahren Kräfteverhältnisse wider.
03. Dezember 2019, 12:00 Uhr
Klare Angaben von Trainer Ingo Freyer, die das Gießener Team aber im Heimspiel gegen Ulm nicht im Detail umsetzen kann. Foto: Friedrich

Gießen 46ers


Die nackten Zahlen sprechen auch nicht unbedingt für die Bundesliga-Mannschaft von Trainer Ingo Freyer: Bei 21 Ballverlusten und einer Freiwurfquote von 57 Prozent (12 von 21) wird es schwierig, gegen eine Mannschaft zu gewinnen, die im EuroCup um internationale Meriten mitmischt und national um die deutsche Basketball-Meisterschaft mitspielen will.

Und dennoch: Fünf Dreier aus Gießener Sicht guckten mal kurz in die Reuse rein, um nach mehreren Umdrehungen wieder rauszuflutschen. Mehr Fortune an der Linie - und die 46ers wären eine längere Zeit an den Ulmern drangeblieben. Das in dieser Situation so oft zitierte Momentum fehlte ihnen. Vielleicht auch die Konzentration und das eine oder andere mal die Qualität im Vergleich zum hochkarätig besetzten Gegner. Aber aufgegeben haben sich die 46ers nie. Das honorierten die Fans.

Als MagentaSport-Kommentator Jörg Dierkes Gießens Headcoach Freyer am Sonntagnachmittag nach der Partie damit konfrontierte, dass ihm das Bemühen der 46ers insgesamt fehlte - wie bei der erfolgreichen Aufholjagd gegen den MBC -, fiel der 48-Jährige aus allen Wolken. Er verteidigte sein Team vehement. Sprach davon, dass man nicht in der Leichtathletik sei: »Das ist kein 100-m-Sprint ohne Gegenspieler. Wir sind aber beim Basketball - und da kommt eine Mannschaft, die absolut hohe Ambitionen hat.« Seine Mannschaft habe im Rahmen ihrer Möglichkeiten eine Reaktion gezeigt.

Für Freyer waren es vor allem die sieben Dreier in der ersten Hälfte, die die Gäste fast ungehindert einstreuten, die den größten Unterschied ausgemacht hätten und die dann letztlich der Schlüssel zum Sieg der Ulmer waren. Dass dies geschah, ärgerte ihn. »Wir waren optimal darauf vorbereitet. Dann liegt es an den Spielern selbst, das auch umzusetzen«, erklärte er mit der nötigen Kritik an seine »Jungs«, die aus welchen Gründen auch immer in diesen Momenten versagten. Dazu kamen in diesem Spielabschnitt für ihn noch zwei leicht vergebene Korbleger.

»Da musst du im Eins-gegen-Eins einfach konsequent sein, stronger als dein Gegenspieler. Das kannst du, wenn du dich darauf konzentrierst«, analysierte er. Die viel zu vielen Turnovers strich er ebenfalls heraus, auch wenn die für ihn nicht unbedingt ausschlaggebend gewesen sind. Sie waren aber zumindest ein weiterer Grund, warum es schließlich so deutlich wurde.

Matt Tiby stach beim Ballverlieren besonders heraus. Dem Neuzugang war es manchmal selbst peinlich, wenn ihm irgendwie der Ball aus den Händen glitt. Ihm klebte am ersten Advent schlichtweg das Pech an den Händen. Der Powerforward steckte aber nicht auf und war mit neun Rebounds Bester im Team der Gießener - dabei fünf am offensiven Brett.

Lehrgeld musste hingegen diesmal Gießens Backup-Spielmacher Bjarne Kraushaar zahlen. Der erfahrene Per Günther, ebenfalls als zweiter Pointguard agierend, vernaschte den 20-Jährigen nach Belieben. 14 Punkte in 18:36 Minuten Spielzeit waren für den 31-Jährigen, der in Gießen geboren wurde, zuletzt mit massiven Knieproblemen zu kämpfen hatte und noch nicht auf seinem eigentlichen Niveau spielt, die beste Ausbeute in der laufenden Saison. Er selbst war mit seiner Leistung zufrieden. Zur Gesamtvorstellung seines Teams konstatierte er: »Es war ein erwachsener Auftritt.«

Freyer indes sprach klare Worte in Richtung Kraushaar und Co.: »Wir können über die Jugendlichen wunderbar reden, wie toll sie waren. Aber wir müssen dann auch mal sagen, wenn sie nicht so toll waren, damit sie den Fokus behalten und daraus lernen. Wir können nicht immer pudern.« Kraushaar, der bislang als Youngster überzeugte, wird die Kritik verkraften und daraus seine Lehren ziehen.

Ansteigende Form ist dagegen Gießens Kapitän John Bryant zu bescheinigen. Er ist zwar immer noch nicht ganz der Alte beim Abschluss, aber der 32-Jährige wird von Spiel zu Spiel fitter und selbstbewusster, was sich vor allem gegen Ulm als exzellenter Passgeber und Leader auf dem Parkett zeigte.

Am kommenden Samstag gegen die Baskets aus Würzburg sind seine besonderen Fähigkeiten erneut gefragt. Denn dann kommt wieder ein potenzieller Playoff-Kandidat mit Ex-46ers-Trainer Denis Wucherer in die Osthalle. Dann wird man sehen, was sich die Gießen 46ers aus der Ulm-Partie zu Herzen genommen haben.

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