10. Dezember 2019, 07:00 Uhr

Gießen 46ers

Gießen 46ers: Die Kurve zeigt nach oben

Die Basketball-Bundesliga ist zurzeit eine Wundertüte. Gut, dass die Gießen 46ers ihren Kiosk gefunden haben, der ihnen die eine oder andere Überraschung gibt.
10. Dezember 2019, 07:00 Uhr
Form ansteigend - Gießens Comboguard Teyvon Myers setzt zum Dunking gegen Skyler Bowlin (Würzburg) an. FOTO: FRIEDRICH

Gießen 46ers


Die Gründe für den Sieg der Gießen 46ers am Samstagabend waren harte und disziplinierte Arbeit, Engagement, Wille und eine guten Teamleistung. Dennoch ragte beim 91:87 gegen den Playoff-Kandidaten Würzburg einer aus dem Team von Trainer Ingo Freyer heraus - der in dieser Saison aufgrund seiner mangelnden Fitness in der Kritik geratene John Bryant. Nachfolgend ziehen wir nach einem Drittel der Saison eine Zwischenbilanz und schauen dabei detaillierter auf einige Aspekte.

Ausbeute: Zehn Spiele, vier Siege, sechs Niederlagen. Die Gießen 46ers liegen im Soll und auf Platz zwölf der Tabelle - mit vier Punkten Abstand auf den MBC, der im 17er-Feld zurzeit Letzter ist, und mit vier Punkten Rückstand auf Würzburg, das den letzten Playoff-Rang einnimmt. Daran wird deutlich, wie eng es im Ranking zugeht. »Die Liga ist unglaublich ausgeglichen«, ist ein Standardsatz von Gießens Cheftrainer Freyer - was am letzten Spieltag mehr als deutlich wurde. Abstiegskandidat BG Göttingen stand beim schier übermächtigen FC Bayern München vor der Riesenüberraschung, führte mit 81:79, ehe der Finne Petteri Koponen in der Ecke 0,1 Sekunden vor Ablauf der Uhr den Dreier traf. Oder das 77:72 von Vechta gegen Ludwigsburg oder das 104:91 von Ulm in Oldenburg. Die Liga ist spannend - und jedes Spiel eine wahnsinnige Herausforderung. Übrigens: Die Bayern kommen am 22. Dezember in die Osthalle.

Teamspirit: Freyer hat eine gute Mischung von jungen und älteren Spielern, die sich immer besser ergänzen. Teyvon Myers scheint der emotionale Leader zu sein, der Comboguard teilt auch einmal im Training verbal aus, wenn die nötige Konzentration und Intensität fehlten. Auffällig ist, dass sich die Spieler während des Spiels mittlerweile sehr häufig zum Huddle aufstellen, untereinander Strategien besprechen und sich gegenseitig pushen. Das ist ungemein wichtig für den Geist in der Mannschaft. Ein absoluter Energizer ist Alen Pjanic, von dem vor Kraft strotzenden Jordan Barnett muss dagegen nicht nur auf emotionaler Ebene mehr kommen. Neuzugang Matt Tiby hat sich indes schnell in das Manschaftsgefüge integriert. Der Powerforward ist eher der Typ Arbeiter, Wühler und Rackerer, was dem Team weiterhilft und eine neue Dimension gibt. Sein unbändiger Einsatz kommt zudem bei den Fans in der Osthalle an. Brandon Thomas, einer der Leader auf dem Feld, ist außerdem ein wichtiges Bindeglied zu den Fans hinter dem Korb. Er sucht förmlich den Kontakt zu ihnen.

John Bryant: Der Kapitän ist und bleibt der Superstar in der Gießener Mannschaft. Da er nach gut vier Monaten endlich den Fitnesszustand hat, den er eigentlich zu Beginn der Saison hätte haben müssen, hat der 2,11-m-Mann zu seiner alten Stärke zurückgefunden. Er kann im Defensivverbund eine fast unüberwindbare Wand sein - wenn er in der Zone bleibt und nicht bei der Pick-and-Roll-Verteidigung an der Dreipunktelinie herumläuft. Vorne traut sich der 32-Jährige wieder mehr zu und findet eine gute Balance zwischen dem eigenen Abschluss und Pässen. Sein Triple- Double, wohlgemerkt sein erstes in seiner Karriere, am Samstag gegen Würzburg war ein Indiz dafür, dass es mit seiner persönlichen Leistung bergauf geht. »Big« John spielte 37,10 Minuten, erzielte 19 Punkte, holte zehn Rebounds und verteilte zwölf Assists. Bravo! Dass er sich nach seiner Galavorstellung eine Fahne schnappte, die Humba anstimmte und herumhüpfte, zeigte, wie sehr er sich über seine eigene Performance und die der Mannschaft gefreut hat. Agiert er weiter auf diesem Level, steigt die Variabilität der 46ers immens.

Defense/Offense: An beiden Enden des Feldes haben sich die Gießen 46ers verbessert - dabei lassen wir mal die rekordverdächtigen 21 Ballverluste im Heimspiel vor zwei Wochen gegen Ulm außer Acht. Gegen Würzburg passten die Protagonisten viel besser auf den Ball auf - nur achtmal verdaddelten sie die Kugel. Überhaupt gingen die Guards um Stephen Brown, Myers und Bjarne Kraushaar sehr durchdacht mit dem Ball um. Vor allem Letzgenannter, mit 20 Jahren der Jüngste in der Rotation, ließ mit einem starken Auftritt sein schwächeres Spiel gegen Ulm vergessen. Kraushaar im Zusammenspiel mit dem ebenfalls spielintelligenten Bryant - das ist Basketball vom Feinsten. Das Miteinander hat sich grundsätzlich verbessert - der Extrapass wird häufiger gespielt als zu Beginn der Spielzeit. Viel intensiver wird in der Defense agiert. Der Backcourt übt dabei viel Druck aus - und wenn dann dazu noch der athletische Flügel Pjanic einen gegnerischen Aufbauspieler deckt, hat der Gegner meist ein Problem, einen vernünftigen Angriffsrhythmus zu finden. Davon können die Würzburger Guards um Cameron Wells ein Lied singen.

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