09. März 2020, 16:00 Uhr

Gießen 46ers

Gießen 46ers: Der Käpt’n geht von Bord

Sprechchöre, Banner, Applaus - die Fans der Gießen 46ers verabschieden sich vom Ex-Geschäftsführer Heiko Schelberg. Emotionen pur beim Derby gegen Frankfurt.
09. März 2020, 16:00 Uhr
Gegenseitiger Dank: Die Fans der Gießen 46ers verabschieden Ex-Geschäftsführer Heiko Schelberg mit viel Applaus, Sprechchören und einem Banner - und der 47-Jährige ist davon sichtlich gerührt. FOTO: FRIEDRICH

Gießen 46ers


Ex-Geschäftsführer Heiko Schelberg geht: 20 Minuten vor Spielbeginn bedankte sich Gesellschafter Wolfgang Greilich für die Arbeit des 47-Jährigen. Als Schelberg selbst zum Hallenmikro griff, wurden seine Worte von den Gesängen der einsetzenden Fan-Choreographie übertönt (siehe unten.) Eine Wandlung: Gerade in seiner Anfangszeit vor acht Jahren war Schelberg umstritten. In einer seiner ersten Handlungen als Manager rief er eine auf den Naturelementen basierende Image-Kampagne ins Leben. Diese brachte ihn in Fankreisen den Spitznamen des Käpt’n oder Captains ein. Der Grund dafür ist eine amerikanische Zeichentrickserie der 90er Jahre. In dieser erwecken fünf ausgewählte Wächter des Planeten mit ihren Elementringen (Erde, Feuer, Wasser, Wind, Liebe) »Captain Planet«. Kurz gesagt: Die Idee brachte Schelberg viel Spott ein. Auch das Beinahe-Insolvenzjahr 2013 war seinem Standing nicht zuträglich. Zuvor hatten die Fans mit der Entscheidung gehadert, nach dem sportlichen Abstieg 2012 per Wildcard in der BBL zu verbleiben.

Aus Misstrauen wird Respekt: Erst im Laufe der Jahre wurde Fans und Umfeld klar: Schelberg und Gießen 46ers passen wie Ars… auf Eimer. Aufstieg und BBL-Konsolidierung - dafür flogen zunächst Coach Denis Wucherer die Herzen zu. Doch auch Schelbergs Anteil am Erfolg wurde immer stärker anerkannt. Sein Spitzname blieb, erhielt aber einen liebevollen Unterton. Am Samstag zelebrierte der Fanblock diesen mit einem Transparent, auf dem »Oh Captain! My Captain!« zu lesen war. Im Film »Club der toten Dichter« ist dies die ikonische Respektbezeugung gegenüber dem Englischlehrer John Keating, der am Ende für seine Lehrmethoden suspendiert wird. Teile seiner Schüler stellen sich auf ihre Tische und zitieren das gleichnamige Gedicht von Walt Whitman, das einst Abraham Lincoln gewidmet war: die maximale Respektbekundung.

Neuer Chefkoch - »Heiko in den Block«: Nachfolger Michael Koch verbrachte das Derby hinten auf der Bank der 46ers. So kam es, dass sich Schelberg ein womöglich letztes Mal auf seinem angestammten Platz am Rande des F-Blocks einfand. Das hitzige Gefecht auf dem Parkett wurde dabei immer wieder von Gesängen für den scheidenden Manager seitens des harten Fankerns untermalt. Nur einer davon war ein lautes »Heiko in den Block«, das immer wieder aufbrandete. Unter dem Jubel des Stehblocks folgte Schelberg im dritten Viertel der Forderung. »Wenn die Fans mich rufen, stehe ich Gewehr bei Fuß«, erklärt der Ex-Manager nach dem Spiel. Ein Spießrutenlauf aus Umarmungen und Fotos erwartete Schelberg, der im Block in die Gesänge einstimmte - und die Feierlichkeiten später im Bistro fortsetzte. Die Choreo selbst habe er gar nicht richtig wahrgenommen. »Dafür war ich zu sehr im Tunnel. Das war heute der vielleicht schwierigste Spieltag für mich. Dagegen war alles andere Peanuts«, so Schelberg, der die 46ers zwar im Herzen behält, jetzt aber zunächst Abstand schaffen möchte. (sks)

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