31. März 2020, 07:00 Uhr

Frauenhandball

Gemischte Gefühle bei der HSG Lumdatal

Mit der Entscheidung des Hessischen Handball-Verbandes, die Saison 2019/2020 nach Ausbruch des Coronavirus abzubrechen, hat man bei der HSG Lumdatal zunächst für Verwirrung gesorgt.
31. März 2020, 07:00 Uhr
HSG Lumdatal, Meister der Oberliga. Am Erfolg beteiligt sind (hinten von links): Torwarttrainer Jan Wüst, Trainer Marcel Köhler, Lea Bulling, Doreen Schlapp, Selina Sauer, Ela Schuster, Julia Olemotz, Leona Parma, Lena Stein, Carolin Elmshäuser, Physiotherapeutin Jutta Hasenkamp, Trainer Michael Gilbert; vorn (von links): Nina Hasenkamp, Sibell Althen, Hanna Schmidt, Anna-Maria Fuhr, Katharina Smajek, Pia Cybulski, Franziska Müller, Madeleine Müller Es fehlen: Betreuerin Laura Ziegler, Athletiktrainerin Simone Stroh. FOTO: HSG LUMDATAL

Zu diesem Zeitpunkt belegte die Damenmannschaft in der Oberliga punktgleich mit dem TuS Kriftel Platz eins - und das einzige Duell zwischen diesen beiden Teams endete mit einem 27:27. Erst nachdem bekannt wurde, dass das bessere Torverhältnis herangezogen wurde, war klar: Lumdatal ist Meister und hat die Berechtigung, in die 3. Liga aufzusteigen. »Das kam sehr abrupt«, erklärt Hannah Schmidt, die auf dem Feld die Fäden zieht. »Wir hatten nicht mal die Möglichkeit, uns darüber gemeinsam zu freuen.«

Und so sieht man das Ganze eher mit gemischten Gefühlen. »Irgendwie kann man sich schon freuen, dass man das geschafft hat, aber es ist eine gedämpfte Stimmung«, sagt Trainer Marcel Köhler. »Das hat alles schon einen faden Beigeschmack.« Er verweist allerdings auch darauf, dass immerhin 17 von 22 Spielen absolviert wurden. »So kann man einfach auch über die Runde froh sein - und der Meistertitel ist das Tüpfelchen auf dem i. Wir freuen uns über unsere Leistung und können stolz darauf sein - und das unabhängig von 17 oder 22 Spieltagen.«

Als Aufsteiger aus der Landesliga wusste niemand, ob die Mannschaft in der Oberliga würde mithalten können. Die ersten beiden Saisonspiele bei der TSG Oberursel und gegen die TSG Walldorf verlor das Team. Es folgten 14 Partien, in denen die HSG keine Niederlage hinnehmen musste. Erst am 16. Spieltag verlor Lumdatal mit 24:25 gegen die HSG Bensheim/Auerbach II und trennte sich eine Woche später mit einem 30:30 von der HSG Wettenberg. »Wenn man drei, vier Spiele hintereinander gewonnen hat, kommt das Selbstvertrauen wieder. Da gibt es dann auch mal Spiele, in denen du eigentlich schlechter bist, sie aber trotzdem gewinnst«, lobt Köhler.

Die Landesliga hatten die Lumdataler Damen in der Runde zuvor dominiert. Erst zum Abschluss, als der Aufstieg bereits feststand, leistete sich die HSG zwei Niederlagen. Die Mannschaft blieb zusammen, keine Spielerin verließ den Verein, dafür kam eine wieder zurück. Ela Schuster konnte nach Babypause und Kurzeinsätzen in Marburg zur Rückkehr bewegt werden, wechselte aus dem Rückraum ins Tor, wo sie mit Julia Olemotz ein Gespann bildete. Es ist vor allem die mannschaftliche Geschlossenheit und die Tatsache, dass die meisten Spielerinnen seit ihrer Jugendzeit zusammen Handball spielen und befreundet sind, die die HSG so stark macht.

Allen voran Spielmacherin Schmidt und die Schwestern Franziska und Madeleine Müller, die am Kreis und im Rückraum feste Größen sind. Auf den Außenbahnen flitzen Doreen Schlapp und Caro Elmshäuser in die Gegenstöße, Selina Sauer zeichnet für die Siebenmeter verantwortlich. In der Torschützenliste rangiert Sauer mit 92 Treffern auf dem zwölften Platz und ist mit 75 Toren vom Punkt ligaweit die beste Schützin. Pia Cybulski und Nina Hasenkamp ballern aus dem Rückraum aus allen Rohren und sie alle profitieren von ihren Qualitäten im Eins-gegen-Eins. Bereits in der Oberliga waren die HSG-Damen ihren Kontrahentinnen oft körperlich unterlegen. Mit Schnelligkeit, Durchsetzungsvermögen und Spielwitz machten sie aus diesem Nachteil einen Vorteil. Mit ihrem variablen Angriffsspiel und ihrer bissigen Deckung setzten sich die Lumdatalerinnen in der Oberliga durch und erarbeiteten sich die Chance auf ein Jahr in der 3. Liga.

Nun ist der Verein gefragt. Kann man als HSG Lumdatal das Abenteuer 3. Liga finanziell stemmen? Kann man für dieses Abenteuer eine Halle finden, in der mit Harz gespielt werden darf? Und: Will die Mannschaft sich dieser Aufgabe stellen?

Als Trainer und 1. Vorsitzender ist Michael Gilbert in doppelter Funktion unterwegs. »Die Situation ist ziemlich undankbar, weil es im Moment noch keine klare Regelung gibt«, moniert er die Verfahrensweise. »Wir dümpeln, wo auch immer herum, und haben überhaupt keinen Plan, wie es weitergehen kann. Was auch mit diversen Regelungen in der Spielordnung zusammenhängt. Wir wissen noch gar nicht, wie wir aus diesem ganzen Desaster herauskommen und ob wir überhaupt noch über die Einnahmen in der kommenden Saison verfügen können. Geschweige denn, ob wir die Mehraufwendungen für die 3. Liga zusammenbekommen. Das ist völlig unseriös und so bin ich, je nachdem wie intensiv ich mich mit diesem Thema beschäftige, ziemlich stinkig.«

Bis zum 14. April muss die Meldung für die Spielklassen seitens der Vereine vorliegen, doch selbst dann ist noch nicht klar, wie es weitergeht. Denn die Entscheidung des Deutschen Handball-Bundes über das weitere Vorgehen in den drei höchsten deutschen Ligen steht noch aus. Es ist möglich, dass der DHB die Runde ohne Auf- und Absteiger beendet - und er hat noch bis zum 30. Juni Zeit, das zu entscheiden. »Sollten die Ligen des DHB bestehen bleiben, wäre eine Möglichkeit, die Ligen aufzustocken«, geht Köhler die Szenarien durch. »Es gibt aber sicherlich auch Mannschaften, die die Lizenzen gar nicht beantragt haben und dann runter müssten. Aber man kann es in so einer Situation nicht allen Recht machen, da muss man einfach auch mal mit negativen Folgen rechnen.«

Die Spielerinnen sind schon ein Stück weit euphorisch und würden gerne in der 3. Liga spielen. »Wir haben vorher natürlich schon darüber gesprochen, was wäre wenn«, so Schmidt. »Da lagen aber noch einige Spieltage vor uns und wir haben gesagt: Das wird sich schon irgendwie ergeben.« Beim letzten Training am 12. März saß die Mannschaft zusammen, hat die Situation auf sich wirken lassen.

Seitdem ist es still geworden im Lumdatal. Schmidt klingt ein wenig traurig wenn sie sagt: »Unsere Abschlussfahrt wurde abgesagt, es ist einfach keine schöne Situation. Wir sind noch nie so hässlich Meister geworden.«

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