22. Juni 2019, 07:00 Uhr

Fußball

Für die nächsten Jahre gut aufgestellt

Es ist auf jeden Fall ein besonderes Jubiläum. Die Schiedsrichtervereinigung Gießen feiert ihr 100-jähriges Bestehen. Das wird mit einem Festakt am Samstag im Bürgerhaus in Annerod gefeiert.
22. Juni 2019, 07:00 Uhr

Einer, der insgesamt acht Jahre als Vorsitzender die Geschickte der heimischen Referees lenkte, ist der Fernwälder Hans-Peter Schön. Der 58-Jährige ist immer noch als Beisitzer aktiv in diesem Gremium, ist aber auch seit September 2018 Vorsitzender des Regionalliga-Aufsteigers FSV Fernwald und im Vorstand für die Verwaltung zuständig. Wir haben mit Hans-Peter Schön gesprochen, wie sich das Schiedsrichterwesen verändert hat, wie es um den Nachwuchs bestellt ist - und warum es in den vergangenen Jahren zu vereinzelten Übergriffen auf Schiedsrichter in Deutschland kam.

Herr Schön, Sie standen acht Jahre lang als Kreisschiedsrichterobmann an der Spitze der Schiedsrichtervereinigung Gießen - wie fällt im Rückblick Ihr Fazit aus?

Hans-Peter Schön: Ich hatte 2008 die ehrenvolle Aufgabe, Nachfolger von Jürgen Arnold zu werden, der dieses Amt über 25 Jahre bekleidet und in der Schiedsrichtervereinigung seine Spuren hinterlassen hatte. Das war am Anfang der Übernahme nicht so einfach, weil ich mit all meinem Tun an »Jimmy« gemessen wurde. Wir, der Schiedsrichterausschuss, haben in dieser Zeit einige strukturelle Veränderungen vornehmen müssen, wie das Gründen eines Fördervereins oder die Einführung des DFBnet sowie die Planung zum 90-jährigen Jubiläum 2009 mit unseren heutigem Ministerpräsidenten und damaligem Innenminister Volker Bouffier. Ich denke wir, Martin Reitz, Harald Sandleben und ich, haben 2016 die richtige Entscheidung getroffen, die Ämter des Kreischiedsrichterobmannes, seines Stellvertreters und dass des Lehrwartes in jüngere Hände zu geben. Ich bin der Meinung, dass unser derzeitiger Vorstand mit KSO Andreas Reuter, seinem Stellvertreter Johannes Baumann und Patrick Haustein als Lehrwart und seinen Mitarbeitern richtig tolle Arbeit leisten und für die nächsten Jahre gut aufgestellt sind.

Wie sehen Sie die Schiedsrichtervereinigung Gießen für die nächsten Jahre im Vergleich mit anderen Kollegen in der Region Gießen/Marburg aufgestellt?

Schön: Es ist immer unser Ziel im Kreis, alle Spiele mit Schiedsrichtern zu besetzen. Derzeit hat unser Kreis noch 180 Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter, und wir sind noch in einer guten und vernünftigen Lage, mit den derzeitigen Mannschaftsbeständen damit auszukommen. Für die weiteren Kreise in der Region, wie unsere kleineren Kreise mit 80 bis 100 Schiedsrichtern, wird es problematischer, alles zu besetzen. Die Schiedsrichtervereinigung Alsfeld hat bei der kürzlich durchgeführten SR-Gewinnungs-Aktion, die sie auf Alsfelds Sportplätzen durchgeführt hat, nicht einen Neuling gewinnen können, obwohl sie eine top Öffentlichkeitsarbeit durchgeführt haben. Wichtig ist es innerhalb der Region, dass sich die Kreise gegenseitig unterstützen und das Kirchturmdenken unterlassen. Hier gibt es ein gutes Beispiel, es wird ein zentraler Lehrgang der Region Anfang Juli über ein komplettes Wochenende in der Sportschule Grünberg durchgeführt.

Sie sind immer noch als Referee im Einsatz. Was macht das Pfeifen für Sie interessant?

Schön: Derzeit bin ich noch zu 15 bis 20 Spielen pro Saison im Einsatz. Mehr lässt meine Zeit und weitere Tätigkeiten nicht zu, Ich möchte auch nicht an jedem Sonntag unterwegs sein, das habe ich lange genug gemacht. Das Pfeifen macht noch Spaß. Wenn man Glück hat, das kommt auf den Spielort an, lernt man tolle Leute kennen, was will man mehr!? Aber wenn ich 60 Jahre alt werde, ist Schluss damit, nach der Saison 20/21 werde ich das beenden.

Sie blicken auf über 30 Jahre als Schiedsrichter zurück. Gibt es Anekdoten?

Schön: Ich habe 1986 meine Schiedsrichter-Prüfung absolviert und habe bis 1990 noch selbst Fußball gespielt. Danach hatte ich das Glück und durfte ab 1990 Seniorenspiele leiten, danach ging es ganz schnell - und ich war von 1994 bis 2006 in der damaligen Landesliga unterwegs. In dieser Zeit durfte ich einige Freundschaftsspiele mit Bundesligisten pfeifen (1. FC Köln, Eintracht Frankfurt, Traditionsmannschaft Bayern München mit Gerd Müller in den 90er Jahren sowie Traditionsmannschaften von Dortmund und Mönchengladbach). Nicht zu vergessen die Assistententätigkeit mit Martin Reitz in Hessen und der Bayernliga mit einem Spiel in Würzburg gegen den FC Augsburg mit Armin Veh als Trainer. Das wäre ein interessantes, abendfüllendes Programm, wenn man alles erzählen würde. Aber ich möchte diese Zeit nicht missen. Wenn wir im Gespann unterwegs mit Martin Diehl, Theo Zuckermann oder Andi Reuter waren, haben wir tolle Leute kennengelernt.

Wenn Sie auf die letzten 20 Jahre blicken, was hat sich im Fußball für den Schiedsrichter verändert?

Schön: Der Fußball ist dynamischer und schneller geworden, die Herausforderungen für die Spitzen-Schiedsrichter sind wesentlich höher geworden als noch in den 90er Jahren. Wenn ich sehe, was unsere Spitzen-Schiedsrichter wie Patrick Haustein, Alexander Pächthold und Johannes Baumann für ein Laufpensum in Spielen und in Trainingseinheiten abliefern, da muss man den Hut vor ziehen. Was sich noch dramatisch verändert hat, sind die ständigen Regeländerungen und der ganze Hickhack mit Videobeweis. Da blickt fast keiner mehr durch - und das macht uns an der Basis Probleme.

In der jüngeren Vergangenheit gab es vereinzelt in Deutschland Übergriffe auf Schiedsrichter. Wie erklären Sie sich das?

Schön: Meiner Meinung nach ist das kein Problem des Fußballs, es ist ein gesellschaftspolitisches Problem. Hier ist der DFB und seine Verbände in Verbindung mit der Politik gefragt, Konzepte zu entwickeln, damit diese Übergriffe nachlassen. Die Ehrenamtlichen in den Kreisen können das nicht alleine leisten, an jedem Spieltag Verbandsaufsichten abzustellen, damit nichts passiert

Wie denken Sie, wird sich das Schiedsrichterwesen in den kommenden Jahren entwickeln?

Schön: Man wird vom DFB und der Liga schnellstens versuchen müssen, den Videobeweis und die Handspielregel zu vereinfachen, das hat Auswirkungen bis zur Basis. Für das Schiedsrichterwesen auf unseren Ebenen ist es vorrangiges Ziel, die Neulinge durch Paten und Tandem-Modelle so zu betreuen und auszubilden, dass sich der Trend verringert, dass Kolleginnen und Kollegen im ersten Jahr wieder aufhören und die Schiedsrichtervereinigung verlassen. (Foto: ov)

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