18. Februar 2020, 23:33 Uhr

Füchse Berlin mit Ambitionen

18. Februar 2020, 23:33 Uhr
Ambitionierte, aber geerdete Ziele mit den Füchsen hat deren Sportvorstand Stefan Kretzschmar, der am Montag seinen 47. Geburtstag gefeiert hat. FOTO: DPA

Der Derbysieg gegen Magdeburg, seine bisherige Erfolgsstory in der Hauptstadt, sein 47. Geburtstag: Stefan Kretzschmar hätte viele Gründe für eine zünftige Party gehabt, doch für ein rauschendes Fest fehlte dem neuen Sportvorstand der Füchse Berlin schlicht und einfach die Kraft.

»Ich habe mich abends schön auf die Couch gelegt und Golf geschaut. Danach wollte ich eigentlich noch das NBA-Allstar-Spiel schauen, doch ich bin noch vor Mitternacht eingeschlafen«, sagte Kretzschmar an seinem Ehrentag. Statt feucht-fröhlicher Fete ging es am Abend noch zum Essen mit den Schwiegereltern.

Kretzschmar ist ruhiger geworden. Die großen Partys überlässt er inzwischen anderen, sein voller Fokus gilt seiner neuen Aufgabe als Top-Funktionär in Berlin. Der Sieg im Verfolgerduell gegen den SC Magdeburg am Sonntag rundete eine perfekte Woche für ihn ab. »Es herrscht momentan ein hoher Zufriedenheitsgrad. Die Spieler, der Trainer und die Fans in der Halle - alle sind glücklich«, sagte Kretzschmar: »Man spürt, es geht voran. Es geht bergauf.«

Das hat freilich nicht nur, aber auch mit dem Namen Kretzschmar zu tun. Fünf Siege holten die Füchse zuletzt. Als Dritter hat der Klub vor dem Saison-Endspurt mittlerweile wieder Tuchfühlung zur Spitze. Und mit dem Transfer von 2,15-m-Gigant Dainis Kristopans gelang Kretzschmar in der vergangenen Woche ein echter Coup auf dem Transfermarkt.

»Dass wir ein bisschen Richtung Champions League schielen, ist klar«, sagte Kretzschmar: »Ich bin aber kein Freund davon, nach einem Sieg mit einem Tor gegen Magdeburg den Fehdehandschuh gen Kiel in den Ring zu werfen. Wir tun gut daran, realistisch zu bleiben. Uns fehlt schon nach eine ganze Menge im Vergleich zu Kiel, allein budgetär sind das vier, fünf Millionen Euro.«

Kretzschmar wirkt geerdet. Mit den Berlinern hat er in den kommenden Jahren große Ziele, will den Klub zusammen mit Geschäftsführer Bob Hanning (»Haben ein sehr harmonisches Verhältnis«) an die nationale Spitze führen. Doch Realismus soll dabei stets an erster Stelle stehen - eine Tugend, die er bei den Fußballern von Hertha BSC zuletzt ganz offensichtlich vermisst hat.

Ob die Vision vom »Big City Club« oder der Abschied von Jürgen Klinsmann: Die jüngsten Vorgänge bei den Fußballern von Hertha BSC, einem mächtigen Mitbewerber auf dem Berliner Sportmarkt, kann Kretzschmar nicht nachvollziehen. »Natürlich gehört es zum Teil des Selbstverständnisses von Klubs in der Hauptstadt, erfolgreich sein zu wollen, doch das sollte nie aufgesetzt sein, sondern mit Qualität unterfüttert«, sagte er: »Das mit Jürgen Klinsmann wirkte aufgesetzt, theatralisch und ein bisschen zu viel nach Hollywood.«

Ambitionierte Ziele stünden auch der Hertha gut, sie sollten aber realistisch sein. »Träumereien können dir da ganz schnell auf die Füße fallen. Da gilt man schnell als Mannschaft mit großer Fresse«, sagte Kretzschmar.

Seine Ziele mit den Füchsen? Man wolle »in zwei bis drei Jahren, also noch in meiner ersten Legislaturperiode, als absolute Spitzenmannschaft wahrgenommen werden und wenn möglich um Titel spielen.« Das klappt womöglich schon in dieser Saison, am Donnerstag (19 Uhr/Sky) wollen die Füchse bei GWD Minden jedenfalls ihren nächsten Sieg einfahren.

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