02. Februar 2019, 07:00 Uhr

Mountainbike

Felix Drawer ist ein Techniker auf dem Bike

Felix Drawer hat ein gutes Gefühl, wenn er auf dem Handy die Trainingsdaten checkt und gut 15 Stunden sieht. Das Hobby des Atzenhainers ist Mountainbike. Aber für ihn geht es auch um Resultate.
02. Februar 2019, 07:00 Uhr
Bei solchen Hindernissen ist die technische Stärke von Felix Drawer gefragt. Der Atzenhainer ist vor der Saison 2019 wieder voll motiviert. (Fotos: privat)

Felix Drawer sitzt schon im Sattel. Neben ihm steht sein Vater Thorsten. Es regnet. Der Vater hält den Schirm. Felix Drawer ist »im Tunnel«, nur noch fokussiert auf das in wenigen Minuten beginnende Rennen. Er murmelt Worte wie »Handtuch«, »Flasche« oder »Uhr«. Thorsten Drawer reicht seinem Sohn die Sachen wortlos. »Da darf man ihn nicht ansprechen«, erklärt der Vater. So ähnlich sieht oft die Rennvorbereitung des Mücker Mountainbikers aus.

Der erste Wettkampf 2019 steht Ende Februar an. Bis dahin gilt es weiterhin, Grundlagen zu schaffen für die anstehende Saison. In den trüben Wintertagen schuftet Felix Drawer im Keller seines Zuhauses: Spinning, Kraft und Stabilisation. Vieles ist am Wohnort in Atzenhain möglich. Einmal pro Woche geht’s aber zu den Teamkollegen. Coach Eckhard Haas arbeitet mit den Jugendlichen von HWG Gedern in der Halle an den Basics. »Am Wochenende will ich aber aufs Rad, wenn es das Wetter zulässt«, sagt der 17-Jährige, der dann entweder mit dem Rennrad oder dem Mountainbike draußen unterwegs ist.

Nach dem ersten Rennen in Spanien steht das dortige Trainingslager an. Diese Zeit genießt Felix Drawer: »Wir sind meist in Jugendherbergen untergebracht. Tagsüber sitzt man mit den Kollegen auf dem Rad. Abends kochen wir alle gemeinsam und verbringen noch Zeit zusammen. Die anderen sind nicht nur Teamkollegen, sondern Freunde.« Auf dem Rad blüht Drawer auf.

Aber das war nicht immer so. Ende 2017 ließ die Motivation nach: »Er wollte nicht mehr fahren«, verrät der Vater. »Es war viel Überredungskunst vom Trainer sowie von der Familie notwendig.« Der motivatorische Knacks war nicht zuletzt bedingt durch die verpasste Hessenmeisterschaft, nachdem Drawer zuvor den Gesamtsieg im Hessencup geholt hatte. Bis zu 15 Stunden Trainingsaufwand die Woche standen zu Buche – aber es kam nicht das erhoffte Ergebnis heraus. Auch in der Schule gab es Veränderungen für den Atzenhainer. Dieses Loch führte dazu, dass er für die komplette Saison 2018 nicht mehr genug Grundlage hatte.

Jetzt sieht alles wieder besser aus. Zwar hat Felix Drawer im Rahmen seiner schulischen Ausbildung an der Gießener Max-Weber-Schule ebenfalls gut zu tun und absolviert derzeit auch ein Praktikum bei der Polizei. Dennoch ermöglicht ihm sein Zeitmanagement ein ambitioniertes Training. Die Übungseinheiten werden überwacht von Coach Eckhard Haas, der als Chef eines mehrköpfigen Trainerteams von HWG Gedern fungiert. Über die Polar-Uhr und die entsprechende App ist Haas immer auf dem aktuellen Stand in Sachen Pulswert, Herzfrequenz, abgespulte Kilometer und Höhenmeter. »Felix hat seine Stärken in den Technikwettbewerben wie dem Slalom. Er ist stark im Sprint. Verbessern kann er sich noch im Ausdauerbereich«, sagt der Trainer, der mit seinen Kollegen 14 ambitionierte Junioren betreut.

Saisonhighlight für das Team ist die deutsche Meisterschaft. Darauf ist auch das Training ausgerichtet. Höhepunkte für Drawer und Co. sind zudem die Rennen der Nachwuchs-Bundesliga. Gefahren wird noch dazu im Hessencup und anderen Serien. Nicht zu vergessen die Einsätze im Ausland. 2016 und 2017 kämpfte der junge Atzenhainer jeweils in Graz bei der Europameisterschaft um Punkte und Platzierungen. 2017 reichte es neben dem Gesamtsieg im Hessencup zum achten Platz bei der Bundesnachwuchssichtung und zu Rang drei beim Slalom der Nachwuchs-Bundesliga. 2015 durfte er sich in der U15 bereits Hessenmeister nennen.

Dabei sitzt Drawer noch gar nicht so lange im Mountainbike-Sattel. Am Anfang nahm er die Rolle des Trainingspartners von Cross-Country-Ass Thorben Jost ein, der im selben Ort wohnt und für den RSC Grünberg fährt. Drawer war damals Fußballer und dachte noch nicht an Wettkämpfe auf Rädern. Bis er eines Tages – nur so zum Schnuppern – einmal mitgekommen ist zu einem Rennen. Er durfte teilnehmen, sollte den anderen aber bei Überrundungsversuchen Platz machen. »Nur dazu kam es nicht. Felix ist selbst vorne mitgefahren und hat die anderen überholt«, erzählt sein Vater Thorsten. Nachdem die Lizenz beantragt war, ging es für die RSG Gießen und Wieseck in die ersten Wettbewerbe. Der Wechsel nach Gedern erfolgte dann 2016.

Hier fühlt sich das Sprint-Talent pudelwohl. Die Eltern – nicht nur die von Felix Drawer – sind fast immer mit dabei. Der Vater transportiert die Bikes mit dem Kleinbus zu den Wettkampforten. Oft bildet man Fahrgemeinschaften mit Kollegen. Darin wird an einem Renn-Wochenende (Freitag bis Sonntag) auch schon mal übernachtet. »Es ist wie in einer großen Familie«, sagt der 17-Jährige.

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