20. September 2020, 20:57 Uhr

Fußball

FC Gießen unterliegt

Mit leeren Händen kehren die Regionalliga-Fußballer des FC Gießen von ihrem Gastspiel beim FSV Frankfurt zurück. 0:1 heißt es am Schluss. Doch es wäre mehr drin gewesen.
20. September 2020, 20:57 Uhr
Avatar_neutral
Aus der Redaktion
Voller Einsatz: Milan Salem vom FC Gießen (r.) im Zweikampf mit Denis Mangafic vom FSV Frankfurt.

Es ist schon zwölf, 13 Jahre her, da bestritten Daniyel Cimen und Daniel Endres einige Zweitliga-Partien gemeinsam für die Offenbacher Kickers, obendrein verbindet sie das Geburtsjahr 1985. Während Endres indes noch immer Tore hütet, ist Cimen längst als Trainer an den Seitenlinien unterwegs und staunte in dieser Eigenschaft über den einstigen Mannschaftskollegen, als sich am Samstagnachmittag die Wege wieder einmal kreuzten. Zum Leidwesen Cimens mit dem schlechteren Ende für seinen FC Gießen - nicht zuletzt dank Endres, der besonders am Anfang und am Ende dieses Hessenduells in der Fußball-Regionalliga Südwest mehrfach prächtig parierte und so dem FSV Frankfurt einen 1:0 (1:0)-Sieg festhielt.

»Ich weiß gar nicht, wie er den noch bekommen hat«, sagte Cimen über Endres’ erste Rettungstat nach acht Minuten bei einem Schuss des Gießener Offensivakteurs Dren Hodja - wobei der FSV Glück hatte, auch die folgenden Turbulenzen zu überstehen. Vor allem aber verhinderte der Frankfurter Schlussmann in der 82. Minute gleich zwei Mal den Ausgleich gegen den durchgebrochenen Jann Bangert, bei einem ersten Schuss und dem Nachsetzen nach dem Abpraller.

Thomas Brendel, Cheftrainer und Sportlicher Leiter des FSV Frankfurt, wusste, bei wem er sich zu bedanken hatte: »Er hat uns in der Aktion das 1:0 gerettet, deshalb bin ich direkt zu ihm«, wusste Brendel, der mit dem Abpfiff einen Sprint quer über den Rasen schnurstracks in die Arme seines Schlussmanns hinlegte, zur Feier des zweiten Heimsiegs im zweiten Heimspiel der neuen Saison: »Das war entscheidend.«

Die Gießener begannen gut. Die ersten 15, 20 Minuten dominierten sie, waren, so Cimen, »sehr präsent und aggressiv«, spielten mutig auf - und versäumten nur das Wesentliche. »Leider haben wir uns nicht belohnt«, bedauerte der FC-Coach. Danach kam der FSV mehr ins Spiel, erarbeitete sich Chancen und nutzte eine davon auch - mit dem 1:0 durch Muhamed Alawie, der eine an den zweiten Pfosten durchgerutschte Ecke kurz vor der Pause ins Tor grätschte. Wieder einmal nach einer Standardsituation, eine neue FSV-Spezialität. Cimen erzürnte diese Szene aus einem besonderen Grund. »Mich ärgert, dass der Spieler total frei an den Ball kommt«, tadelte er, »das war ein billiges Tor«.

Alawie, der bereits beim 2:1 gegen Bayern Alzenau zum Auftakt vor einer Woche getroffen hatte und in Ulm nach seiner Einwechslung die Vorlage zum FSV-Treffer beisteuerte, war damit neben Endres ein Matchwinner und obendrein mit großer Einsatzbereitschaft beispielhaft für die Einstellung aller Bornheimer, als es nach der Gelb-Roten Karte für Ahmed Azaouagh in der 64. Minute galt, die Führung in Unterzahl über die Zeit zu bringen.

Viel mehr als zwei gute Kopfballgelegenheiten durch den in der Schlussphase dann endgültig als Brechstange in den Sturm vorgerückten Gießener Kapitän Hendrik Starostzik (65./72.) ließ der FSV nicht zu - abgesehen eben von Bangerts Doppelchance, die Gießen durchaus einen Punkt hätte bescheren können.

»Wir müssen die Niederlage schlucken und nächste Woche wieder aufstehen«, blickte Cimen danach gleich schon wieder auf die folgende Aufgabe am kommenden Samstag daheim gegen Astoria Walldorf voraus.

Münn muss verletzt raus

Für den FSV, für den der Spielplan zum Einstieg in diese Regionalliga-Mammutrunde sieben Partien binnen 22 Tagen vorsieht, geht die Terminhatz schon am Mittwoch (15 Uhr) im Nachholspiel beim SC Freiburg II weiter.

Ob Jake Hirst dann wieder stürmen kann? Gegen seinen alten Verein musste der Ex-Gießener weiter aussetzen, die gereizte Fußsehne schmerzte noch zu sehr. Heute steht deshalb eine MRT-Untersuchung an, ebenso wie beim Gießener Mittelfeldtalent Louis Münn. Der im Sommer zum FC gekommene 19-Jährige, der in der vergangenen Saison schon einen Syndesmosebandriss verkraften musste, war bei einem Zweikampf umgeknickt und musste in der angeschlagen ausgewechselt werden. »Ich hoffe, es ist nichts kaputt«, sorgte sich Cimen.

Der Gießener Coach ärgerte sich über die verpasste Chance, beim FSV etwas Zählbares mitzunehmen: »Es ist eine bittere Niederlage, weil wir uns auswärts vier, fünf Großchancen erspielt haben und mindestens eine hätten versenken müssen. Wir hätten einen Punkt verdient gehabt. Wir wollten nach der Halbzeit nicht zu schnell zu viel Risiko gehen, hatten das Spiel nach der Gelb-Roten Karte dann aber unter Kontrolle. Hendrik Starostzik hatte zwei große Kopfballchancen, Jann Bangert muss den Ball alleine vor Daniel Endres kurz vor Schluss reinmachen. Beim Spiel mit dem Ball war das ein Fortschritt. Wir müssen aber aufpassen, dass wir uns immer für unsere gute Leistung loben und dann keine Punkte holen.«



0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos