22. November 2019, 07:00 Uhr

FC Gießen

FC Gießen in Turbulenzen

Seit zwei Monaten verzögern sich die Gehaltszahlungen an die Mannschaft des FC Gießen erheblich. Was es damit auf sich hat und wie die Zukunft des Fußball-Regionalligisten aussehen könnte.
22. November 2019, 07:00 Uhr
Der Weg in die Zukunft ist für den FC Gießen ungewiss. (Foto: Friedrich)

Der FC Gießen durchlebt Ende November 2019 unruhige Zeiten. Sportlich stehen vor der Winterpause noch drei knifflige Aufgaben in der Fußball-Regionalliga Südwest an, morgen (14 Uhr) geht’s im Waldstadion gegen die zuletzt fünfach in Folge siegreiche SV Elversberg. Der Sportliche Berater Franz Gerber visiert für die letzten drei Partien vor der langen Pause mindestens fünf Zähler an, »um nicht hinterherzuhinken«. FC-Geschäftsführer Jörg Fischer erklärte letzte Woche: »Wir versuchen mit aller Macht, die Klasse zu halten.« Dafür waren in der Winterpause ursprünglich personelle Verstärkungen anvisiert - Basis dafür soll die neue Kapitalgesellschaft sein, in die die 1. Mannschaft ausgegliedert werden soll.

Doch die außerordentliche Mitgliederversammlung, auf der die Klubmitglieder der Ausgliederung zustimmen sollten, wurde nun abgesagt - und ins neue Jahr vertagt. Nach Angaben des Vereins, weil der Vorratsbeschluss der Mitglieder nur wirksam wird, wenn alle notwendigen Unterlagen und Bilanzen vorliegen würden. Das sei bis zum 28. November nicht zu gewährleisten. »Wir wollen das rechtlich absichern«, sagt Jörg Fischer.

Inzwischen verdichten sich die Anzeichen, dass die Kapitalgesellschaft und die Einbindung neuer Investoren aktuell überlebensnotwendiger denn je für den FC Gießen sein dürfte. Wie diese Zeitung aus Spielerkreisen erfuhr, verzögern sich die Gehaltszahlungen an die Mannschaft seit zwei Monaten erheblich. Im Oktober gingen die Gehälter mit zwei Wochen Verspätung ein, im November warten die Regionalliga-Kicker nach wie vor auf ihr Gehalt.

Ein Spieler sagt: »Wir geben auf dem Platz Gas, schließlich haben wir ja auch als Spieler einen Ruf zu verlieren. Aber in der Kabine wird das immer öfter zum Thema. Wenn du auf das Geld deines Arbeitgebers wartest, fährst du mit einem mulmigen Gefühl zum Training. Es macht das Ganze nicht leichter.«

Bis zum September gingen die Gehaltszahlungen verlässlich kurz nach Monatsbeginn ein - einen vereinbarten festen Zahlungstag gibt es nicht. Prämien werden nach Informationen dieser Zeitung schon seit Monaten gestrichen.

Jörg Fischer, der den Gießener Fußball mit der Gründung des FC zum Leben erweckt hat, begründet die Verzögerungen mit verspäteten Zahlungen von Sponsoren: »Das kommt mal vor und gehört auf dieser Ebene einfach dazu. Wir sind ein eingetragener Verein und auf Sponsorengelder angwiesen. Wenn wir das Spielrecht auf die neue Kapitalgesellschaft übertragen haben, können wir ganz anders agieren. Die neuen Gesellschafter haben dann ein Mitspracherecht. Das wird das Fundament des FC Gießen.«

Mit der Ausgliederung in die Gesellschaft mit beschränkter Haftung erhofft sich der Verein, interessanter für Investoren zu werden, die Anteile erwerben und an potenziellen Erlösen partizipieren könnten. Ursprüngliches Ziel war, an Neujahr handlungsfähig zu sein. Durch die neuerliche rechtliche Absicherung dürfte sich der Zeitplan verschieben.

Der Sportliche Berater Franz Gerber registriert die finanziell derzeit ungewisse Situation des FC Gießen, sieht im Verein aber nach wie vor »extrem viel Potenzial. Wenn man die Klasse hält, hat man in dieser Stadt gute Möglichkeiten.« Der 65-jährige Ex-Profi fährt weiterhin zweigleisig. Nachdem er sich Ende September dazu bereit erklärte, als Investor bei Nordost-Regionalligist Rot Weiß Erfurt einzusteigen, ist Gerber an gleich zwei Fußball-Viertligisten gebunden.

In Erfurt ist Gerbers sportliche Expertise gefragt - der kriselnde Verein entließ zuletzt Trainer Thomas Brdaric, auch auf Gerbers Anraten hin, der sich zuvor mit dem Erfurter Mannschaftsrat getroffen hatte und nun in die Suche nach einem neuen Trainer involviert ist. Sowohl in Gießen als auch in Erfurt spricht Gerber vom »Wir«. An diesem Samstag wird sich der Ex-Profi nicht die Partie zwischen dem FC Gießen und der SV Elversberg anschauen, sondern die von RW Erfurt gegen die VSG Altglienicke.

Die Anzeichen verdichten sich, dass Gerber mehr in beobachtender, denn in aktiver Rolle in Gießen aktiv ist: Bis heute hat der Berater des Vereins, einst für den sportlichen Strippenzieher Michael Fink gekommen, keinen potenziellen Neuzugang für die Winterpause vorgeschlagen - sein Einfluss auf die Regionalliga-Mannschaft beschränkt sich bis dato darauf, zwei Vertragsgespräche geführt zu haben.

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