29. April 2020, 07:00 Uhr

FC Gießen

FC Gießen: Diese elf Spielerverträge verlängern sich automatisch

Bei einer vorzeitigen Beendigung der Fußball-Regionalliga Südwest wäre der FC Gießen ein Nutznießer. Wir sagen, weshalb die Probleme dann aufgeschoben, aber nicht aufgehoben sind.
29. April 2020, 07:00 Uhr
Beim Klassenerhalt in der Fußball-Regionalliga Südwest würden sich die Verträge von elf Spielern plus Trainer Daniyel Cimen automatisch verlängern, darunter die Kontrakte von Torhüter Frederic Löhe (links) und von Verteidiger Sascha Heil (Mitte). FOTOS: HF, PV (Foto: NORDMANN_S)

Die bisher in ihrer Turbulenz einmalige Saison 2019/20 des FC Gießen könnte in den nächsten Tagen um eine Kuriosität reicher werden: Sollte die Fußball-Regionalliga Südwest abgebrochen werden, dann hätte die Situation rund um das Coronavirus den FC Gießen fast im Alleingang gerettet. Durch die aktuelle Saisonunterbrechung konnte der Verein den Großteil der Personalkosten komplett einsparen, indem er auf 100 Prozent Kurzarbeit geschaltet hat.

Bezahlt werden müssen seit dem 16. März nur noch die beiden Werkstudenten Christopher Spang und Johannes Hofmann sowie die 450-Euro-Kräfte. Sollte die Saison abgebrochen werden, entfällt der Großteil der Personalkosten bis zum Sommer - und diese sind die finanziellen Hauptposten des angeschlagenen Regionalligisten, dem im Februar noch rund 200 000 Euro zur Restfinanzierung der laufenden Saison fehlten.

Geisterspiele würden den Verein wie viele andere Viertligisten nicht nur finanziell belasten, sondern ihn voraussichtlich in die Zahlungsunfähigkeit treiben. Schließlich würde die Kurzarbeit bei Wiederaufnahme des Spielbetriebs nicht mehr greifen, die Austragung von Partien ohne Zuschauer zusätzliche Kosten verursachen.

Welche Folgen wiederum eine Unterbrechung und eine geplante Fortführung des Spielbetriebs im Herbst 2020 hätte, ist aktuell nicht absehbar. Der Hessische Fußballverband hat in seiner geänderten Spielordnung jedenfalls klar gemacht, dass die Spielerverträge bis zum Ende der Saison - wann auch immer das sein möge - gelten würden. Mit einem Saison-Abbruch hätte der FC Klarheit - und Corona dem Verein paradoxerweise Luft verschafft.

»Wir hoffen, dass in der zweiten Mai-Woche eine Entscheidung von der Regionalliga getroffen wird«, sagt der kommissarische Geschäftsführer Markus Haupt. Ein Abbruch hätte den weiteren Vorteil, dass der derzeit auf einem Abstiegsplatz rangierende FC Gießen die Regionalliga Südwest halten könnte - »sie verspricht mehr Attraktivität als die Hessenliga«, weiß Markus Haupt.

Das wiederum spielt bei der künftigen Sponsorensuche eine gewichtige Rolle, denn: Die Probleme des FC Gießen sind aufgeschoben, aber nicht aufgehoben.

Sollte der Verein die Regionalliga halten, verlängert sich nicht nur der Kontrakt von Trainer Daniyel Cimen, sondern auch die vergleichsweise kostspieligeren Verträge von gleich elf Spielern automatisch. Dazu zählen die beiden Torhüter Frederic Löhe und Nils Ellenfeld sowie Jure Colak, Sascha Heil, Christopher Spang, Johannes Hofmann, Marco Koch, Tim Korzuschek, Jann Bangert, Jake Hirst und Dimitrios Ferfelis.

Die sich verlängernden Verträge mit elf Spielern sind eine finanzielle Belastung

Dass mit Mittelfeldakteur Timo Cecen nun einer der finanziell besser situierten Akteure den Verein in Richtung Türk Gücü Friedberg verlässt, kommt den Verantwortlichen demnach gelegen. Sie wissen, dass die automatische Verlängerung der teils besser dotierten Altverträge angesichts der knappen Kassen bedenklich ist.

Noch ist unklar, wann die nächste Spielzeit beginnt - schließlich ist nicht einmal das Ende der aktuellen abzusehen. Der FC Gießen würde bei der Finanzierung der kommenden Spielzeit nicht bei null anfangen, wird sich aber strecken müssen, um einen konkurrenzfähigen Viertliga-Etat zusammenzubekommen. Aktuell verfüge man durch einige Zweijahresverträge mit Sponsoren und Zusagen für die kommende Saison über »einen soliden Grundstock«, wie Haupt betont. Der kommissarische Geschäftsführer spricht von einer »sechsstelligen Summe« im niedrigen Bereich.

Zum Vergleich: In dieser Saison überstiegen die Personalkosten die Millionenmarke deutlich. Kurzfristig also könnte die besondere Corona-Situation dem FC helfen, langfristig dürfte das Virus und die damit einhergehende Unsicherheit in der Wirtschaft die Sponsorengenerierung und das sichere Stemmen eines kostspieligen Regionalligakaders erschweren - es sei denn, der FC einigt sich mit bisherigen Leistungsträgern auf eine Vertragsauflösung/Gehaltsreduzierung und baut verstärkt auf Nachwuchsspieler.

Seit Anfang April unterstützt der FC das Agaplesion Evangelische Krankenhaus in Gießen - auf vier Schichten am Tag aufgeteilt, dirigieren Spieler und Ehrenamtliche vom Verein Besucher und Patienten des Krankenhauses im Eingangsbereich.

Der Krankenhaus-Einsatz wird mit einer Spende belohnt

Dieser Einsatz der Fußballer steht in Zusammenhang mit einer finanziellen Gegenleistung, wie das Krankenhaus auf Nachfrage bestätigt: »Wir haben dem Verein eine Spende zugesichert.« Auch der kommissarische Geschäftsführer des FC Gießen, Markus Haupt, bestätigt: »Die Zuwendung steht in Zusammenarbeit mit unserem Einsatz im Krankenhaus. Die Höhe ist davon abhängig, wie lange wir noch helfen. Es gibt aber keinen Tages- oder Monatssatz. Noch ist kein Geld geflossen.«

So erhoffen sich beide Parteien von der Zusammenarbeit zu profitieren: Das Evangelische Krankenhaus bekommt personelle Unterstützung, der finanziell angeschlagene FC Gießen nach Absprache eine entsprechende Zuwendung.

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