11. Januar 2020, 07:00 Uhr

FC Gießen

FC Gießen: Diese Vereinbarung symbolisiert die Zeitenwende

Jörg Fischer begleicht alle offenen Posten bis 31. Dezember 2019. Danach steht Markus Haupt in der Verantwortung. Diese Vereinbarung symbolisiert den Führungswechsel beim FC Gießen.
11. Januar 2020, 07:00 Uhr
Jörg Fischer zieht sich nach über einem halben Jahrzehnt zurück aus der vordersten Linie des FC Gießen. (Friedrich) (Foto: Harald Friedrich)

Jörg Fischers Rücktritt als Geschäftsführer des FC Gießen Ende November 2019 war nur der Vorbote - Anfang 2020 wird klar: Der Führungswechsel innerhalb des Fußball-Regionalligisten wird mit Jahresbeginn konsequent vollzogen. Der neue Geschäftsführer Markus Haupt und Jörg Fischer haben die Vereinbarung getroffen, dass Fischer alle offenen Beträge bis zum 31. Dezember 2019 begleicht - und sich danach aus der finanziellen Verantwortung zurückzieht. Das bestätigt Haupt: »Die Vereinbarung sieht vor, dass alle offenen Zahlungen, die bis Ende 2019 aufgelaufen sind, von ihm bzw. GHI beglichen werden. Zum 1. Januar soll es einen klaren Neuanfang geben«. Ohne Altlasten.

Fischer selbst sagt zur Frage, wie sein künftiges finanzielles Engagement beim heimischen Viertligisten aussähe: »Ich werde mich definitiv nicht mehr in dem Maße wie bisher engagieren. Vielleicht werde ich ein normaler Partner.« Mit Fischer ziehen sich auch sein Sohn, Vorsitzender Dominik Fischer, und Rechner Alexander Schmandt aus der ersten Reihe zurück.

Ab dem neuen Jahr übernimmt Haupt mit seinem sechsköpfigen Team die Verantwortung. In einem Treffen mit den potenziellen neuen Investoren bekräftigte Fischer persönlich dieses Vorhaben. »Es ist Grundvoraussetzung für die neuen Investoren, dass der alte Ballast abgeworfen ist«, sagt Haupt. Noch allerdings sei dies nicht geschehen. »Davon habe ich bis jetzt keine Kenntnis. Dann würde eine große Last abfallen.« Nach Informationen dieser Zeitung belaufen sich die aufgelaufenen Kosten auf einen mittleren sechsstelligen Betrag, den Fischer mittlerweile beglichen haben soll.

Der FC Gießen hat seit Oktober mit erheblichen finanziellen Problemen zu kämpfen und hat die Gehälter an Mannschaft und Mitarbeiter immer wieder nur verspätet auszahlen können. Zuletzt äußerte sich der neue Geschäftsführer Haupt vorsichtig optimistisch: »Wir arbeiten im neuen Team vertrauensvoll zusammen, haben viele Ideen. Wir arbeiten daran, dass wir finanziell auf sicheren Füßen stehen und sind optimistisch, dass wir die Situation bewältigen können.«

Die neue Führung ist darum bemüht, abzuarbeiten und aufzuräumen, Klarheit über den Ist-Zustand zu schaffen und den Fortbestand des FC Gießen zu sichern - notfalls mit einem geordneten Abstieg in die Hessenliga. »Wir haben mittlerweile einen Business-Plan für die Rückrunde«, sagt Haupt. »Wir wissen, was wir zu stemmen haben und welche Summe wir bis zum Sommer aufbringen müssen.«

Helfen soll dabei vor allem die Investoren-GmbH, die als Zwischenlösung bis zur Gründung einer Kapitalgesellschaft dienen soll. Bei den neuen Investoren soll es sich vornehmlich um Privatleute und nicht um Firmen handeln - exemplarisch dafür steht Pia Meier, Personalleiterin der Seidel GmbH & Co. KG aus Marburg. Das Unternehmen aus der Kosmetik- und Pharmaindustrie werde nicht beim FC Gießen einsteigen, erklärt Haupt - dafür aber ist ein Engagement der Privatperson Pia Meier denkbar.

Generell wird durch den Rückzug von Fischer und GHI als Hauptsponsor neuer Raum an der (Entscheidungs-) Spitze frei. Fest steht: Die Sicherheitsfirma Roscher wird bis zum Saisonende Trikotsponsor bleiben. Welche Befugnisse in Sachen Mitgestaltung neuen Investoren eingeräumt wird, dürfte zuvorderst von der Summe abhängen, die gezahlt wird.

Zumindest auf dem Papier herrscht mittlerweile auch in der Causa »Benefizspiel gegen Eintracht Frankfurt« Klarheit. Die Sportstiftung Hessen wurde mittlerweile drei Monate lang vertröstet, ehe diese dem FC Gießen eine Frist bis zum 15. Januar gesetzt hat. Sollten die Einnahmen aus dem »Spiel für den guten Zweck« nicht bei der Sportstiftung eingehen, wird der Fall - so ist zu vernehmen - wohl an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet. FC und Sportstiftung haben mittlerweile eine schriftliche Vereinbarung unterzeichnet, in der festgehalten ist, dass die Summe in Teilbeträgen gezahlt wird. Bis zum 15. Januar ist der erste in Höhe von 15 000 Euro fällig.

Sportlich startet der FC Gießen am Montag in die Vorbereitung auf die Restrunde. Das erste Testspiel steht am 18. Januar beim Gruppenligisten SG Waldsolms an, Ligastart ist am 22. Februar beim TSV Steinbach Haiger. Die Weichen für eine gesicherte Zukunft des FC Gießen werden im Hintergrund gestellt - inwieweit das Auswirkungen auf die Kaderplanung und die restliche Saison hat, ist Anfang Januar noch immer ungewiss. Sinnbildlich geht es für den Regionalligisten zurück auf Los.

,, Wir wissen, welche Summe wir bis zum Sommer aufbringen müssen

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