30. März 2020, 07:00 Uhr

FC Gießen

FC Gießen: Die Lage verschärft sich

Der FC Gießen hatte schon vor der Corona-Krise finanzielle Probleme. Nun tut sich der Fußball-Regionalligist noch schwerer, zahlungswillige Unternehmen zu finden. Die Zukunft ist ungewiss.
30. März 2020, 07:00 Uhr
Die Fans des FC Gießen hoffen, dass es nach der Coronakrise weitergeht für den finanziell angeschlagenen Regionalligisten. ARCHIVFOTO: HF

Jake Hirst, Christopher Spang und Frederic Löhe werben in einer Videobotschaft für finanzielle Unterstützung für den FC Gießen: »Dem Verein geht es finanziell gerade nicht besonders - deswegen würden wir Spieler uns über jegliche Unterstützung von euch freuen«, sagt Mittelfeldakteur Spang, der wie seine Teamkollegen des Fußball-Regionalligisten derzeit nur einen individuellen Trainingsplan verfolgen kann. Die Regionalliga Südwest pausiert aktuell bis mindestens 20. April und hat nun die Ligateilnehmer gefragt, ob sie sich vorstellen könnten, die Saison ohne Zuschauer zu Ende zu spielen.

Wie auch der FC Gießen betonten die meisten Clubs, dass dies keine ernsthafte Option sei, schließlich machen die Zuschauererlöse einen beträchtlichen Teil der Einnahmen aus. Dass in den kommenden Monaten oder gar Wochen allerdings Veranstaltungen in der Größenordnung von 1000 oder mehr Besuchern gewährt werden, erscheint eher unrealistisch.

Die Heimspiele im Waldstadion, allen voran das Hessenpokal-Halbfinale gegen den TSV Steinbach Haiger, die dem finanziell angeschlagenen FC Gießen Geld in die leeren Kassen spülen sollten, fehlen - so ist der Verein, dem zur Restfinanzierung der aktuellen Saison nach früheren Angaben über 200 000 Euro fehlen, weiterhin auf Gönner angewiesen.

Nach einer anfänglichen Welle an Unterstützung ist die Hilfsbereitschaft, was größere Summen angeht, abgeflacht. Weiterhin hat der FC Gießen durch die Aktion »Club der 200« rund 12 000 Euro eingenommen. »Es hat sich nichts geändert am Stand«, sagt der kommissarische Geschäftsführer Markus Haupt. »Es ist aktuell sehr, sehr schwierig, neue Sponsoren zu finden. Das Coronavirus trifft alle, aber für uns kommt es zur absoluten Unzeit.« Bei der Suche nach neuen Geldgebern beteiligt sich auch der zurückgetretene Geschäftsführer Jörg Fischer, der im Hintergrund weiterhin mitwirkt, wenn auch nicht offiziell und an vorderster Front. Eine klare Trennung hat nicht stattgefunden, ein neuer Vorstand kann ohne Mitgliederversammlung nicht gewählt werden, der alte Vorstand müsste zudem ohnehin erst entlastet werden.

Man hoffe weiterhin auf Unterstützung, sagt Haupt, »auch wenn es nur Kleinigkeiten sind«. Solch kleine Unterstützung stellt beispielsweise den Erwerb der Retter-T-Shirts für 20 Euro dar. Rund 50 davon wurden bisher abgesetzt, was ergo rund 1000 Euro Einnahmen entspricht. Zudem haben Anhänger des FC imaginäre Geistertickets kreiert, die unter anderem über die Facebook-Plattform des FC erworben werden können.

Immer wieder kam in der jüngeren Vergangenheit auch die Frage auf, ob die Mannschaft auf Gehalt verzichtet oder nicht jeder der Spieler symbolisch 1000 Euro zur »Club der 200«-Aktion beitragen könne. »Niemand verlangt einen Gehaltsverzicht«, sagt Haupt. Die bei der Agentur für Arbeit für die Bezugsberechtigten beantragte Kurzarbeit würde für die Akteure schon »einen echten Einschnitt« bedeuten. Die Spieler verfolgen derzeit individuell einen Lauf- und Stabilisationsplan. »Über die App Runtastic können wir in Echtzeit verfolgen, wie jeder Einzelne läuft«, sagt FC-Trainer Daniyel Cimen. Das Team wurde in drei Gruppen eingeteilt, »laufstarke, mittelstarke Läufer und Torhüter«. Wenn die Spieler das Programm voll durchziehen, seien sie täglich bis zu zwei Stunden beschäftigt. »Die Kommunikation läuft derzeit über die Whatsapp-Gruppe - noch hat sich keiner krank oder verletzt gemeldet«, erklärt Daniyel Cimen. Diese Woche haben die Spieler bis zum Wochenende komplett frei. »Eine Wiederaufnahme des Trainings ist derzeit nicht planbar.«

Finanziell fokussiert sich bei der immer unwahrscheinlicher erscheinenden Rettung des FC alles auf neue Geldgeber. Wird der fehlende Restbetrag nicht aufgetrieben, droht ein Insolvenzantrag durch Dritte. »Wir können nur als Team funktionieren«, appelliert Gießens Keeper Frederic Löhe. »Unterstützt den Verein, damit es mit dem Fußball in Gießen weitergeht.«

Nirgends in ganz Deutschland rollt derzeit der Ball - die Sportplätze sind bis auf Weiteres gesperrt. Auf vielen Rasenplätzen Gießens wird der Ball früher oder später wieder rollen - ob er das auch im Waldstadion langfristig tut, ist derzeit fraglicher denn je.

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