31. Januar 2020, 23:03 Uhr

Ex-USC-Spieler und -Trainer Klaus Raschke wird 70

31. Januar 2020, 23:03 Uhr
Auch mit 70 Jahren noch Sportler und Lehrer durch und durch: Klaus Raschke im Gespräch mit AZ-Redakteur Philipp Keßler. FOTO: NICI MERZ

Einen Termin mit Klaus Raschke zu finden, ist gar nicht so einfach. Schließlich wird es ein Montagmorgen - allerdings erst, nachdem er sein Programm in der Rückenschule und der Herzsportgruppe »seiner« SG Rodheim abgespult hatte. »Dass ich das alles noch machen kann, ist ein Geschenk«, sagt er. Denn vor zwei Jahren musste er sich einer Operation am Herzen unterziehen. »Ganz ohne Sport geht es aber nicht«, sagt er, der seit 47 Jahren Teil des Vereins im Rosbacher Stadtteil ist. Kurz zuvor hatte es den gebürtigen Sachsenhäuser in die Wetterau verschlagen.

Im Rückblick liest sich der Lebenslauf von Raschke wie eine Fügung: Nach seinem Realschulabschluss geht der Frankfurter nach Wiesbaden, um Lehrer für Sport, Werken und Religion zu werden. Dort kommt er erstmals richtig mit Volleyball in Kontakt.

1973 wird Raschke Mitglied der noch jungen Rodheimer Abteilung, trainiert das Team. Zeitgleich spielte er für den USC Gießen in der Bundesliga. Der Grund für seinen Wechsel nach nur einer Saison zu einer Mannschaft, die damals in der untersten Spielklasse spielte, ist kurios: Am selben Wochenende hatte der USC ein Spiel in München, die Rodheimer ihr Aufstiegsspiel in Wiesbaden. Also fährt Raschke mit dem Nachtzug von München nach Frankfurt, mit dem Auto weiter nach Wiesbaden, wo sein Team im entscheidenden Match bereits 0:2 zurückliegt. In seiner letzten Auszeit sagt er: »Wenn ihr das noch gewinnt, spiele ich nächstes Jahr hier.« Die Mannschaft dreht die Partie, steigt auf - und »versprochen ist eben versprochen«, sagt Raschke und lacht. »Aber es war ein wirklich geiler Aufstieg.«

Fortan führt er das Team aus der Wetterau bis in die 2. Liga, spielt, trainiert, ist als Schiedsrichter aktiv, übernimmt dreimal die Abteilungsleitung. Für ein paar Monate verschlägt es ihn 1983 noch einmal zum USC - als Trainer der Bundesliga-Mannschaft. »Ich wollte damals eigentlich nicht so richtig, aber meine Teamkameraden haben gesagt: ›So eine Chance bekommst du nie wieder.‹« Der große Erfolg bleibt allerdings aus.

Der gelernte Zuspieler hat 1993 sein Abschiedsspiel in der »Ersten« gegen den deutschen Meister aus Wuppertal vor über 700 Zuschauern, setzt seine Laufbahn aber bis 2018 in der zweiten und dritten Mannschaft fort. Der ganz große Erfolg bleibt dem Talent jedoch lange verwehrt. Erst 2012 krönt er sich: Raschke wird - gemeinsam mit Stefan Weckmann (Ober-Roden) - erster deutscher Meister im Beachvolleyball der Senioren - 2012, 2014 und 2016 verteidigen sie ihren Titel. Bereits 2012 hatte es mit dem Seniorenteam aus Elmshorn auch in der Halle geklappt. »Einmal deutscher Meister in der Halle zu werden war immer mein Traum«, sagt er. »Das war ober-genial.«

Und heute? Auch mit 70 Jahren fühlt er sich so fit, um 2020 wieder anzugreifen - im Sand und in der Halle. Er sagt: »Man muss sich selbst immer wieder etwas anschieben und ein paar Ziele setzen.«

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