01. April 2019, 12:05 Uhr

Gießen 46ers

Erneuter Rückschlag für Gießen 46ers im Playoff-Kampf

Mit 114:115 verloren die Gießen 46ers in einem der punktereichsten Spiele der Bundesliga-Historie. Gefühlt hatten die Hessen den Sieg beim 108:98 gegen Crailsheim 100 Sekunden vor dem Ende im Sack, verloren dann aber vollends den Faden.
01. April 2019, 12:05 Uhr
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Von Sebastian Kilsbach
Das darf doch nicht wahr sein – Frust bei (v. l.) David Bell, Siyani Chambers Jared Jordan, Larry Gordon und den fassungslosen Fans nach der 114:115-Heimniederlage der Gießen 46ers gegen die Merlins Crailsheim. (Foto: Friedrich)

Eine Aufholjagd, die durch Fehler der 46ers erst möglich wurde, hatte es Frank Turner erlaubt, mit einem Dreier den Sieg auf der Hand zu haben. Die Referees korrigierten nach Hinweis von Gäste-Coach Tuomas Iisalo die Uhr kurz zuvor von 3 auf 3,5 Restsekunden. Brachte dies dem Trainer so den Spott der Osthallenzuschauer ein, hatte der US-Amerikaner genug Zeit, um den Ball nach vorne zu bugsieren und über Jared Jordan durch die Reuse flutschen zu lassen. »Wenn es einer verdient hat, dann er«, strahlte Iisalo nach dem Spiel. »Er genießt unser volles Vertrauen. Es war natürlich auch ein Glückstreffer«, so der Finne weiter, der kurz zuvor mit seinem Team den Sieg tanzend auf dem Osthallenparkett feierte.

Die Gießener drehten unterdessen ihre Ehrenrunde mit finsteren Mienen. Mögen die Playoffs rechnerisch noch in Reichweite sein, rücken sie für die 46ers nach der zweiten Niederlage in Folge gegen einen Abstiegskandidaten in sehr weite Ferne. »Für einen Verein wie uns ist es gut, wenn wir überhaupt im Kreis derjenigen gehandelt werden, die um die Playoffs spielen«, sagte 46ers-Coach Ingo Freyer, konnte seine Konsternation kurz nach Spielende aber nur mühsam überspielen.

Trotz allen Frusts über den knappen Ausgang: Wie unterm Brennglas hatte das Spiel Stärken und Schwächen der diesjährigen Gießener Mannschaft in potenzierter Form offengelegt. Zu den Pfunden, mit denen die 46ers auch gegen Crailsheim wuchern konnten, zählt die starke Dreierquote. Durch schnelle Ballbewegungen war es eine 80-prozentige Ausbeute von jenseits des Perimeters, die Gießen im ersten Viertel mithalten ließen. Zu den Schwächen zählt die schwache Defensivarbeit. Freyer ließ über weite Strecken mit einer Zonenverteidigung operieren, die die Merlins ein ums andere Mal aus der Nahdistanz knackten. Vor allem Ben Magden war im ersten Viertel nicht zu bremsen und mit seinen zwölf Punkten maßgeblich beteiligt, dass der Aufsteiger eine Führung etablierte.

Da die 46ers im zweiten Abschnitt ihre Treffsicherheit aus der Distanz einbüßten, sollte sich daran über lange Zeit nichts ändern. Wann immer die Gießener einen Lauf zu starten schienen, fand Crailsheim die richtige Antwort. Schlechte Matchups auf beiden Seiten sorgten für eine Punktefülle, wie sie selbst in diesem Jahr ihresgleichen sucht. Erst ein 6:0-Run zum 48:51-Anschluss ließ die Merlins nervös werden. Coach Iisalo bat zur Auszeit, aus der die 46ers mit einer Ganzfeldpresse herauskamen – oder herauskommen wollten. Die Zuordnung stimmte nicht, weshalb Konrad Wysocki von der Grundlinie den völlig freien Philipp Neumann bediente, der unterm Gießener Korb nur zu dunken brauchte. DeWayne Russell durch Freiwürfe und Neumann aus der Halbdistanz sorgten in Folge eines unsportlichen Fouls für ein Vier-Punkte-Spiel, weshalb es mit 59:65 aus mittelhessischer Sicht in die Kabine ging.

Freyer begann die zweite Hälfte mit Youngster Alen Pjanic und Benjamin Lischka. Vor allem Erstgenannter glänzte durch defensive Hustleplays, etwa als er einem freien Ball hinterherhechtete, die Murmel rettete und für Brandon Thomas’ 68:71-Anschluss sorgte. Obwohl Crailsheim in Form von Russell die Osthalle erneut zum Schweigen brachte (77:72, 26.), wurde Pjanic bei seiner Auswechslung kurz danach mit stehenden Ovationen auf die Bank begleitetet. »Es hat Spaß gemacht. Ich wollte Gas geben und der Mannschaft Energie bringen«, so der 21-Jährige.

Tatsächlich war ein Ruck durch Publikum und Mannschaft gegangen. Angeführt von Bryant eroberten die 46ers erstmals seit dem ersten Viertel die Führung zurück. Crailsheim war der Druck vor allem im Schlussabschnitt anzumerken. Sherman Gays Putback-Dunk sollten die letzten Zähler über viele Minuten bleiben. Mit einem 14-Punkte-Lauf enteilten die Lahnstädter auf 108:98, trafen dann aber reihenweise schlechte Entscheidungen und ließen auch an der Freiwurflinie wichtige Punkte liegen. »Es spielen viele Faktoren mit rein, warum am Ende so ein Wurf herauskommt«, schob Freyer die Schuld nicht allein auf den zirkusreifen Distanzschuss von Turner, der die Gäste jubeln ließ.

Die Gießen 46ers sind nach der fünften Niederlage in Folge im tabellarischen Niemandsland angekommen. Nächster Gegner für die Freyer-Truppe ist Braunschweig am Freitag.



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