17. Juni 2019, 11:55 Uhr

Basketball

Erinnerung an das Licher Basketball-Wunder

Gelungene Jubiläumsfeier: 20 Jahre nach dem Aufstieg des TV Lich in die Basketball-Bundesliga zelebrierten die Bierstädter auf ihre ganz eigene Weise.
17. Juni 2019, 11:55 Uhr
SEB
Applaus für Korbjäger-Legende Tyron McCoy (14) u. a. von den Nostalgie-Trainern Thorsten Leibenath und Jürgen Süßlin sowie Teamarzt Dr. Wolfgang Leutheuser. (Foto: Friedrich)

Ob Stefan Koch, Thorsten Leibenath, Tyron McCoy oder Thorsten Schäfer-Gümbel: Die Jubiläumsparty im Rahmen der Saisonabschlussfeier zum 20. Jahrestag des Bundesligaaufstiegs lockte das Who-is-Who des Licher Basketballs in die Dietrich-Bonhoeffer-Halle. Dort trugen große Teile des 1999er-Kaders ein Match gegen die aktuelle erste Mannschaft von Lich aus.

Dem Event war dabei von Anfang der »Licher Spirit« anzumerken: Kinder, die jede spielfreie Minute nutzen, um auf dem Parkett selbst ein paar Körbe zu werfen. Ein in die Halle wehender Bratwurst-Geruch vom Verkaufsstand an einem Nebeneingang. Oder Banden, die beim kleinsten Kontakt in sich zusammenbrechen und für aufgeregte Verantwortliche oder Spieler sorgen, die die Werbeträger flink wieder aufrichten.

Annette Gümbel, die das »Familientreffen« zusammen mit dem ehemaligen Spieler Kai Löffler auf die Beine gestellt hatte, erklärte zu Beginn, dass es »der Auftrag des Abends« sei, »die Erinnerung an das Wunder von Weißenfels an die nächste Generation weiterzugeben.« Heute wäre die Dietrich-Bonhoeffer-Halle kaum mehr tauglich für Zweitligabasketball. Damals, vor 20 Jahren, machte sie den Traum der Stadt von der Bundesligazugehörigkeit wahr.

Eine Hauptrunde mit 16 Siegen bei vier Niederlagen katapultierte den TV Lich in die Relegation. Dort spitzte sich alles auf ein Duell Lich versus Weißenfels zu. Die Wölfe fühlten sich vor dem Entscheidungsmatch bereits wie ein Aufsteiger, wie Markus Wedler beschreibt: »Sie gewannen in Bayreuth und spritzten auf dem Feld mit Sekt herum«, so die damalige Nummer 11. »Ihre Planungen für den Erstligaaufstieg liefen bereits«, schiebt Thorsten Leibenath nach. Banner, Spielerautos und Sektgläser wurden mit dem Label »1. Liga« bedruckt. »Wir hingegen konnten völlig befreit aufspielen«, erklärt der neue Sportdirektor von Ratiopharm Ulm, der am Samstag als Trainer der »99er« fungierte.

Der Wolfsbau platzte aus allen Nähten, als die Licher anreisten. Ein einfacher Sieg reichte nicht, durch die Hinspielniederlage galt es mit mindestens zwölf Zählern Vorsprung zu gewinnen. »Die hatten die Hosen voll, während Lich als Team agierte und ohne Druck an die Sache ging«, erinnert sich mit Peter Arnold ein Zeitzeuge des Sieges. Team und Fans feierten ausgelassen auf dem Feld. Manager Werner Soffel schlug überwältigt vom Glück die Hände überm Kopf zusammen, während die Anhänger des MBC konsterniert ins Leere starrten. Immer wieder regnete es Pilsdeckchen, die den Hallenboden schließlich komplett bedeckten. »Nach der Hinspielniederlage wurden die Umbaumaßnahmen an der Halle stillgelegt. Nach dem Sieg dachte ich nur: Was jetzt?«, erinnert sich die Vereins-Legende zurück.

Es sei aber Pflicht des Clubs gewesen, den sportlichen Aufstieg wahrzunehmen, »auch wenn von vornherein klar war, dass das kein Dauerzustand sein würde«, so Soffel weiter, der vor dem Spiel in einer emotionalen Rede geehrt wurde. Die Laudatio hielt Stefan Koch, der dem Gründungsvater des Vereins bescheinigte, dass Lich ihm »fast alles« verdanke. Der frühere Basketball-Trainer und heutige Kommentator bekam beim TV seine erste Chance auf der Trainerbank und ließ seinen Tränen freien Lauf, als die Aufstiegsmannschaft Soffel nach der Rede aufs Parkett holte. Enthüllt worden war kurz zuvor der nach ihm benannte Werni - eine Trophäe, die ab jetzt im Zwei-Jahres-Rhythmus Personen auszeichnen soll, die sich um den Licher Basketball verdient gemacht haben.

Die Partie selbst mit den Licher Legenden Sebastian Szymanski, Jan Bokemeyer oder Markus Wedler war ein launiges Aufeinandertreffen zweier Generationen, bei dem sich unterschiedliche konditionelle Voraussetzungen kaum verbergen ließen. Ein Steal von Chris Maruschka im ersten Viertel wurde lautstark umjubelt. Um den »alten Herren« Extra-Pausen einzuräumen, bat Koch wiederholt zur Sonder-Auszeit und hielt Interviews mit den Ehemaligen. Tyron McCoy, Topscorer der Liga 1999/2000, machte den Anfang. »Zu Saisonbeginn hat es mich gewurmt, dass wir so oft verloren haben«, gesteht der US-Amerikaner bereits vor dem Spiel. »Dann aber fühlte ich mich einfach als Teil eines tollen Teams. Ich habe nie zuvor und nie danach eine Mannschaft erlebt, die sich füreinander so aufgeopfert hat«, so der heutige Trainer. Übrigens: Die aktuelle TV-Mannschaft siegte mit 85:63 - aber das war an diesem Abend nebensächlich.

Nach dem Spiel hielten die Feierlichkeiten noch lange an. Bei aller Nostalgie mit Blick auf die Vergangenheit verliert Kai Löffler aber auch die Zukunft nicht aus den Augen. »Was bei uns in der Jugend nachwächst, stimmt uns froh. Es macht Spaß, das zu beobachten«, so der Mitorganisator.

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