01. Mai 2019, 17:27 Uhr

»Entwicklung zu schemenhaft«

01. Mai 2019, 17:27 Uhr

Unterhaltsame Aussagen, aber mäßige Resonanz: Das ist das Fazit der ersten Talkrunde »Gleiche Höhe«, die der in der Region bekannte Fußballtrainer Stefan Hassler in seiner Sportsbar »Ellis« am Montag erstmals präsentierte. Rund 30 Gäste lauschten zum Thema »Der Weg zum Profi« den Aussagen vom früheren Eintracht-Akteur Daniyel Cimen, dem früheren Bundesligaprofi Niko Semlitsch und Carsten Siebert, Vater des 18-jährigen Gießeners David Siebert, der in der U19 von Eintracht Frankfurt spielt. Wir haben die interessantesten Aussagen zusammengefasst.

Niko Semlitsch: »Ich fand unsere Zeit als Fußballprofi in den 70ern wesentlich schöner. Ich habe damals als Postbeamter 600 Mark im Monat verdient, bei Kickers Offenbach waren es auf einen Schlag 1200 Mark, später mehr. Wir hatten damals auch einen Bekanntheitsgrad, aber wir mussten nicht durch Hinterausgänge unentdeckt raus. Wenn sich heute ein Bundesligaprofi mit einer anderen Frau trifft, steht am nächsten Tag der Anwalt vor der Tür, weil die Ehefrau das über die Medien mitbekommen hat. Das war früher besser. Wenn die Frau gefragt hat, warum man so spät heimgekommen ist, dann war eben Stau auf der Autobahn. Die jungen Spieler können sich heutzutage nicht mehr frei entwickeln, sie werden früh in etwas hereingedrängt. Die Entwicklung ist zu schemenhaft, die Talente sollen quasi gezüchtet werden.«

Daniyel Cimen: »Ich wurde damals als Neunjähriger bei einem Hallenturnier angesprochen, ob ich nicht zu Eintracht Frankfurt wechseln möchte. Ich finde die Entwicklung heute insgesamt nicht gut. Jeder kann sich als Berater ausgeben, kleine Jungs, die Fußball spielen wollen, werden belästigt. Wenn es später um Verträge für die Bundesliga oder 2. Bundesliga geht, ja, dann braucht man eine Beratung. Aber in der Regionalliga braucht man keinen Berater. Ich weiß noch, dass ich als 16-Jähriger im Sommer teilweise drei, vier Tage frei hatte, ansonsten war wegen verschiedenster Termine alles durch den Fußball abgedeckt. Man ist jung, voller Elan und will den Durchbruch schaffen. Und wenn man einmal in der Bundesliga aufläuft, weiß man, dass man das immer wieder erleben will. Aber man merkt als junger Mensch auch, dass die Privatsphäre eingeschränkt wird.«

Carsten Siebert: »David spielt gerade in der U19 und muss schon einen irren Aufwand betreiben. Er fährt drei-, viermal die Woche mit einem Bus nach Frankfurt, ein- zweimal fahren wir ihn. Das ist so gewachsen, wir machen das gerne. Als er damals eine sehr starke U15-Saison als Rechtsverteidiger mit zehn Toren spielte, da hat das Telefon bei uns zu Hause ununterbrochen geklingelt, es waren bestimmt über 40 Anrufe von Leuten wie Christian Nerlinger und Co. Als wir uns für einen Berater entschieden haben und das bekannt war, haben die Anrufe aufgehört. David wusste selbst, wann er den nächsten Schritt gehen möchte, wir haben das immer aus dem Bauch heraus entschieden. Aber irgendwann kamen Fragen, die aus einer anderen Welt erscheinen und bei denen auch andere Stimmen als die von Mama und Papa zählen. Es ist Wahnsinn, was man in Verträge reinschreiben kann.« (Fotos: sno)

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