07. Februar 2018, 11:15 Uhr

Restart

Entspannt und angespannt

EM-Schmach. Bundestrainer-Diskussion. Bundesliga-Auswirkungen. Egal, die HSG Wetzlar und der TV 05/07 Hüttenberg sind voll und ganz auf den Handball-Restart im Oberhaus fokussiert.
07. Februar 2018, 11:15 Uhr
waldschmidt_ra
Von Ralf Waldschmidt

Während die HSG Wetzlar am Donnerstag gegen Altmeister Frisch Auf Göppingen (19 Uhr, Rittal-Arena) startet und dem weiteren Verlauf der Saison trotz Verletzungssorgen relativ entspannt entgegensehen kann, beginnt für Underdog TV 05/07 Hüttenberg am Sonntag um 12.30 Uhr in der Gießener Sporthalle Ost gegen Rekordmeister THW Kiel die »Mission impossible« Klassenerhalt.

Was hat sich während der EM-Pause personell bei den Bundesligisten getan? Abgesehen von den saisonal üblichen Wechseln zur bereits nächsten Spielzeit hat sich bei den Füchsen Berlin am meisten getan. Auf den sofortigen Abgang von Rückraum-Ass Petar Nenadic zu Telekom Veszprem haben die Hauptstädter mit den Nachverpflichtungen von Oliver Milde (VfL Bad Schwartau), Stipe Mandalinic (RK Zagreb) und Johan Koch (Kadetten Schaffhausen) reagiert, um ihren Champions League-Ambitionen zu erhalten.

Vorzeitiges WM-Aus vor einem Jahr, misslungene EM-Titelverteidigung in diesem Jahr. Wirken die Negativerlebnisse der Nationalmannschaft in der Bundesliga nach? Das lässt sich schwer abschätzen. Der Hype der EM 2016 ist verflogen, der neue TV-Vertrag mit Sky hat in der Hinserie einigen Erstligisten die Zuschauer-Bilanz verhagelt. Machen die europäischen Topstars mehr und mehr einen Bogen um die Bundesliga und findet die Champions League-Finalrunde wieder ohne deutsche Beteiligung statt, muss bei aller Ausgeglichenheit der Liga um deren Attraktivität gebangt werden.

Die HSG Wetzlar und der TV 05/07 Hüttenberg sind nicht ohne Verletzungsorgen ! Wetzlar muss in den ersten Wochen der Rückrunde auf Anton Lindskog und Alexander Hermann (beide mit Kreuzbandverletzungen) auskommen. Der baumlange Schwede war nach dem Ausfall von Evars Klesniks der Turm in der HSG-Abwehr, der österreichische Nationalspieler hatte den Verlust von Philip Weber im linken Rückraum gut kompensiert. Beide Ausfälle wiegen schwer.

Hüttenberg trifft es weniger hart. Szymon Sicko hat Knieprobleme und pausiert deshalb gerade im Training, nach seiner Schilddrüsenerkrankung in der Vorrunde droht der junge Pole erneut auszufallen. Dabei wären seine einfachen Tore aus der zweiten Reihe besonders wichtig. Ansonsten geht bei Johannsson, Lambrecht und Lipovina momentan die Grippe um, bis Sonntag gegen Kiel sollten sie aber wieder einsatzfähig sein.

Wie lauten die Zielsetzungen der beiden heimischen Erstligisten? Trotz aller Personalsorgen möchte die HSG Wetzlar ihren aktuellen zehnten Platz verteidigen. Drei Punkte beträgt der Rückstand zum Rangneunten TBV Lemgo, vier Punkte ist man vor dem Tabellen-13. HC Erlangen. Am Ende sollte die HSG auf Platz 10, 11 oder 12 landen. Bei 15 noch zu absolvierenden Partien kann sich die HSG zwar noch nicht ganz sicher sein, der Abstand von neun Punkten auf den ersten Abstiegsrang sollte in Anbetracht der bislang gezeigten grün-weißen Qualitäten aber weitgehend sorgenfrei machen.

Bei nur drei Zählern Rückstand zu Platz 14 (TVB Stuttgart) ist für die Mappes und Co. noch alles drin. Allerdings lassen die Stuttgarter und Gummersbacher Kaderstärken sowie das Lübbecker Nachrüsten die TVH-Hoffnungen nicht größer werden. Alles andere als Platz 17 oder 18 wäre die gleiche Sensation wie die letztjährige Rückkehr ins Oberhaus. Die TVH-Kontrahenten im Abstiegskampf, die Eulen Ludwigshafen und TuS N-Lübbecke, haben personell sogar noch einmal zugelegt. Azat Valiullin (TBV Lemgo) und Stefan Hanemann (HSG Konstanz) kommen sofort zu den Eulen. Die Ostwestfalen verstärken sich durch Mittelmann Dener Jaanimaa von der MT Melsungen enorm. Die Chancen auf einen Hüttenberger Klassenerhalt stehen somit bei 10:90.

Welche Rolle spielt das DHB-Pokal-Viertelfinale bei der HSG Wetzlar? Entgegen aller Beteuerungen, die Liga im Fokus zu haben, ist die Partie gegen den TVB Stuttgart am 4. März in der Rittal-Arena (15 Uhr) natürlich das »Spiel des Jahres. Nicht nur, dass die HSG Wetzlar nach 1997 und 2001 zum dritten Mal in ihrer Klubhistorie in das DHB-Pokal-Final 4 einziehen könnte, vor allem vom Imagewert und im Hinblick auf die zusätzliche Sponsorengewinnung wäre ein solcher sportlicher Erfolg von enormer Bedeutung.

Gibt es noch hinreichend Karten für die Rückrunden-Heimspiele von Wetzlar und Hüttenberg? Weder die HSG noch der TVH haben bislang eine Partie als ausverkauft gemeldet. Wetzlarer Tickets für die noch sieben Heimspiele bis Juni gibt es unter www.hsg-wetzlar.de oder www.eventimsports.de bzw. Telefon: 06441/20005-20. Beim TVH gibt es Karten für die noch neun Heimspiele in der Gießener Osthalle per E-Mail (tickets@tv-huettenberg.de) sowie per Ticket-Hotline (0176/70790113).

Wie ist der Stand der Personalplanungen für die neue Saison? Das Wetzlarer Management um Geschäftsführer Björn Seipp hat seine Hausaufgaben weitgehend erledigt. Die Abgänge der Leistungsträger Benjamin Buric (Flensburg/Handewitt), Kasper Kvist (Ribe Esbjerg) und Jannik Kohlbacher (RN Löwen) werden durch die Neuverpflichtungen von Torhüter Tibor Ivanisevic (Skjern HB), Lars Weissgerber (HG Saarlouis), Emil Frend Öfors (THW Kiel), Nils Torbrügge (TuS N-Lübbecke) und Lenny Rubin (Wacker Thun) kompensiert. Noch nicht bestätigt ist der Abgang von Philipp Pöter zum Zweitligisten Düsseldorf, ungeklärt die Vertragslage bei Stefan Kneer.

Der TV Hüttenberg verliert mit Spielmacher Dominik Mappes (zum HC Erlangen) seine Identifikationsfigur, zudem zieht es Jannik Hofmann aus Studiengründen zu den Eulen Ludwigshafen. Dafür ist es gelungen, Mittelmann Tomas Sklenak weiter zu binden. Unwahrscheinlich erscheint, dass die beiden Halben Vladan Lipovina und Szymon Sicko im Falle eines Abstiegs bleiben.



0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos