18. Januar 2020, 16:00 Uhr

Siebenkampf

Ende einer Ära: »Es wird etwas fehlen«

Männer der ersten Stunde. Uwe Kreuter, Daniel Sack und Robert Rudel schauen noch einmal auf 37 Jahre Siebenkampf zurück.
18. Januar 2020, 16:00 Uhr
Daniel Sack ALLE FOTOS: ARCHIV/PRIVAT

Wir schreiben den 25. Oktober 1983. »Wer knackt den Jackpot? Heute fällt der Startschuss zum ›Siebenkampf für Sportexperten‹«, hebt unser (Ex-)Kollege Gerhard Steines (gw) das nahezu vier Jahrzehnte lang laufende Gewinnspiel mit sieben Fragen aus der bunten Welt des Sports aus der Taufe. An einem Tag, an dem wir darüber berichten, dass Jürgen Grabowski den Startschuss für das Frankfurter Sechstagerennen geben wird. Oder Lauf-Legende Grete Waitz zum fünften Mal in den letzten sechs Jahren den New-York-Marathon in 2:27:00 Stunden gewinnt. Der USC Gießen spielt noch in der Bundesliga, sodass wir nach dem Endergebnis des Spiels gegen Fortuna Bonn fragen. Oder nach der Siegerin des Damen-Tennisturniers in Filderstadt. Wir fragen zudem nach dem Gewinner der Basketball-Partie zwischen dem MTV 1846 Gießen und BSC Köln und wollen wissen, wie viele Punkte (damals noch 2, 1 oder 0) Hessen Kassel gegen den Karlsruher SC holt? Damals ein Zweitliga-Spiel, am Ende der Saison wird der KSC in die 1. Liga aufsteigen, Hessen Kassel Platz vier belegen.

Robert Rudel aus Friedberg war ein Siebenkämpfer der ersten Stunde. Und so »bedauert« er auch das Ende. »Der Siebenkampf hat unser Wochenende interessanter gemacht, wenn wir vorher die Tipps abgegeben und dann gefiebert haben, wie es ausgegangen ist«. Der gebürtige Echzeller, der seit 40 Jahren in Friedberg lebt, nimmt mit 3533 Punkten Platz fünf in der »Ewigen Rangliste« ein.

Der einstige Leichtathlet hatte deshalb auch seine Tipps zumeist der Gesamtwertung untergeordnet: »Mein Ziel war immer die jährliche Gesamtwertung«, um bei den Besten auch Eingang in die »Ewige Rangliste« zu finden. Und so wurde auch manchesmal weniger risikoreich getippt. Nur einmal in all den Jahren hatte der ehemalige OVAG-Mitarbeiter den Sprung in die »Ewige« verpasst. Mit dem Risiko war das bei Robert Rudel immer so eine Sache, lässt er uns augenzwinkernd wissen: Jedes Mal, wenn er alle drei Joker auf eine Frage setzte, lag er mit der Antwort falsch.

»Wir haben gerne beim Siebenkampf mitgemacht«, sagt Rudel, wobei sich das »Wir« auch auf seinen Sohn Marc bezieht. Im Debütjahr noch ein Jahr alt, spielt der Filius seit seinem zwölften Lebensjahr mit und »eiferte dem Papa nach«. »Das war so ein kleiner Familienzweikampf, jeder wollte den anderen übertrumpfen«, sind die Rudels dem Siebenkampf bis zum Schluss treu geblieben. Verbunden mit der Hoffnung: »Wir würden es begrüßen, wenn es demnächst wieder ein Sportgewinnspiel gibt.«

In die gleiche Kerbe schlägt Daniel Sack aus Heuchelheim (bei Gießen). »Ich hätte gerne weitergemacht, weil es irgendwo immer Spaß gemacht hat.« Der Berufschullehrer an der Friedberger Johann-Philipp-Reis-Schule gehört ebenfalls zu den »Männern der ersten Stunde«, er war es auch, der noch vor der Jahrtausendwende regelmäßig eine Ortswertung zum Jahresabschluss anfertigte. »Das hat natürlich viel Arbeit bereitet«, wie der 54-Jährige zurückschaut, allerdings »bin ich schon immer ein Statistiker«.

Sonderrunden das Salz in der Suppe

Bereits während der Schulzeit besorgte sich der Heuchelheimer das »Kicker Sonderheft« und fertigte während der Saison eigene Statistiken über »Spieler mit den meisten Toren« oder »Spieler mit den meisten Spielen« an. Von Vorteil war es stets gewesen, dass der passionierte Triathlet viele Sportartikel archivierte und je nach Fragestellung auf seine Unterlagen zurückgreifen konnte. »Allerdings hat sich dieser Vorsprung durch das Internets schnell relativiert«.

Obwohl Sack »ein paar Mal um ein oder zwei Punkte« an der Grenze zum Einzug in die »Ewige Rangliste« scheiterte, rangiert er zum Abschluss mit 3409 Punkten immerhin auf Rang sieben. Besonders stolz ist er auf den Gewinn einer Jubiläumsrunde, überhaupt waren Sonderrunden zu Olympischen Spielen, Fußball-Großereignissen, über das komplette Jahr oder über die Sommermonate hinweg das Salz in der Suppe, wobei er früher auch von seinem Archiv profitierte. Der Statistikanhänger weiß zum Beispiel, dass er im letzten Jahr 183 Packungen Haferflocken gegessen hat. So viel Reflektion muss sein.

Auf Platz eins der »Ewigen Rangliste« rangiert mit 3738 Punkten Uwe Kreuter. Und dass, obwohl der Dutenhofener nicht in jedem Jahr den Sprung unter die besten 150 bzw. 100 der Abschlusswertung schaffte. Von Anfang an dabei, »finde ich es sehr schade, dass der Siebenkampf jetzt beendet wird. Nach so vielen Jahren wird er einem auf jeden Fall fehlen«, hofft auch Kreuter darauf, dass in Zukunft ein wie auch immer konzipiertes Sportgewinnspiel neu aufgelegt wird. Der 54-Jährige erinnert sich gern an den Beginn der 90er-Jahre, als er das erste und einzige Mal die Jahresgesamtwertung gewann und ein Fotograf dieses Verlags zu ihm nach Haus kam für ein Portraitfoto.

Der ehemalige Tennisspieler des TC Krofdorf-Gleiberg und heutige Hobby-Mountainbiker hatte zu Beginn des Siebenkampfes noch mit Freunden in der Schule an der Beantwortung der Fragen gebastelt. Später war dies festes Ritual im Büro des Controllers, »mit den Arbeitskollegen haben wir über die Fragen gesprochen, getippt und am Montag natürlich gleich nachgefragt, wer wie viele Punkte erreicht hat«. In den Zeiten ohne Internet hatte sich auch Kreuter ein Archiv zugelegt, »es war ja damals viel schwieriger zu recherchieren, und nicht bei allen Sportarten war ich firm«.

Heute reicht oft das Internet

Als 1983 der Startschuss zum Siebenkampf fiel, waren in der Leichtathletik noch Jarmila Kratochvílová (Tschechoslowakei, 400 und 800 m), Edwin Moses (USA) über die 400 Meter Hürden und der Deutsche Jürgen Hingsen im Zehnkampf aktiv. Der Schwede Björn Borg beendete seine Tenniskarriere, der Hamburger SV gewannt durch ein 1:0 von Felix Magath über Juventus Turin den Europapokal der Landesmeister, der heute Champions League heißt. Hochspringerin Ulrike Meyfarth und Schwimmer Michael Groß wurden seinerzeit zu Sportlern des Jahres gekürt.

Während unsere Siebenkämpfer Kreuter, Sack und Rudel mit all diesen Namen und Ereignissen bestens vertraut sein dürften, werden die Jüngeren schon eher das Internet bemühen müssen, um sich Klarheit zu verschaffen. Wie üblich in all den 37 Jahren Siebenkampf: Schreiben Sie uns, wenn Sie Anregungen oder Fragen haben. Der Siebenkampf in seiner traditionellen Art ist Geschichte, alles hat seine Zeit. Was uns nicht daran hindern sollte, eventuell etwas »Zeitgemäßes« zu entwickeln. - Gerhard Steines (gw), Harold Sekatsch (se) und Ronny Th. Herteux (htr) bedanken sich bei allen Siebenkämpfern für 37 Jahre Treue.

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