26. Februar 2020, 17:33 Uhr

Eishockey - ein Fall für Ingo Lenßen

Das Gesicht erkennt jeder - schon wegen des markanten Barts. Ingo Lenßen hatte auf SAT.1 sechs Jahre mit »Lenßen und Partner« eine eigene Serie. Nun tritt er in diversen Shows auf, in denen es um das Thema Recht geht. Der 58-Jährige ist Anwalt, Schauspieler, Buchautor und hat auch ein Amt bei der Deutschen Eishockey-Liga.
26. Februar 2020, 17:33 Uhr
TV-Anwalt Ingo Lenßen sitzt im Schiedsgericht der Deutschen Eishockey-Liga. (Foto: dpa)

Die Deutsche Eishockey-Liga gab im vergangenen Frühjahr die Neubesetzung ihres Schiedsgerichts bekannt. Dabei fiel auch der Name Ingo Lenßen. Und man fragte sich natürlich: DER Ingo Lenßen mit dem markanten Bart, der in der Serie »Lenßen und Partner« interessante bis, nun ja, skurrile Fälle gelöst hat? Ja, DER Ingo Lenßen. Da erfuhren wir auch, dass er einen ausgeprägten Eishockey-Hintergrund hat, Spieler und Trainer war. Grund für ein Interview.

Herr Lenßen, was muss man im Schiedsgericht der DEL tun?

Die Aufgaben sind, dass wir die Entscheidungen der Spielleiter, gegen die Vereine vorgehen, zu überprüfen haben. Was jeder kennt: Es geht um Sperren, die nach Spieldauerdisziplinarstrafen ausgesprochen werden. Um es zu verdeutlichen: Szenen wurden bisher von Tino Boos beurteilt, nun von Lorenz Funk junior als Vorsitzendem der Disziplinarkommission. Die spricht dann für einen - sagen wir - Check gegen den Kopf drei Spiele Sperre aus. Dagegen protestiert der Verein des gesperrten Spielers und wendet sich ans Schiedsgericht. Ich gehe davon aus, dass bei drei Spielen Sperre nichts passieren würde, aber bei acht würde er wohl ins Rechtsmittel gehen - und da wird der Fall uns vorgelegt. Insgesamt ist Eishockey aber ziemlich fair geworden. Ich glaube, es ist jetzt ein Ansinnen der DEL, etwa die Checks gegen den Kopf stärker zu ahnden. Die Geschwindigkeit des Spiels bringt irre Verletzungsgefahr mit sich.

Der Job erfordert Fachkenntnis...

Es hilft oft, dass man ein bisschen was von dem Sport versteht. Ich habe sicher Kollegen dabei, die im sportjuristischen Bereich sehr gut sind, die können das durch diese Kenntnisse wohl kompensieren, dass sie selbst keine Eishockeyspieler waren. Aber die Erfahrung eines ehemaligen Spielers und Trainers kann einen Input geben. Ich habe lange gespielt, mit 38 mein letztes Spiel gemacht, ich habe den Nachwuchs des Krefelder EV durchlaufen, habe Trainerlizenzen gemacht und Mannschaften in Deutschland und der Schweiz trainiert.

Sprechen wir über Ihren Werdegang im Eishockey. KEV, einer der großen Clubs, eine der Wiegen des deutschen Eishockeys …

… so empfinden die Krefelder sich auch.

Meister in den 50ern …

… und, wenn ich das einfügen darf, 2003 auch noch.

Der Titel, an dem die Krefelder wegen der Prämien, die sie zahlen mussten, fast zugrunde gegangen wären.

Richtig.

Die Junioren-Bundesliga gab es damals noch nicht. Wie war zu Ihrer Zeit der Spielbetrieb im Nachwuchs organisiert?

Ähnlich. Man musste sich für die deutsche Meisterschaft qualifizieren. Die bayerischen Clubs hatten sechs Plätze, zwei gab es für den Rest Deutschlands: Baden-Württemberg, Hessen, Nordrhein-Westfalen. Also, die Wiege stand eher in Füssen, Rosenheim, Miesbach, Tölz, Landshut. Dazukamen in der Endrunde Krefeld und Köln oder Krefeld und Düsseldorf. Mannheim hat sich, solange ich spielte, nie qualifiziert. Ich habe jedes Jahr um die deutsche Meisterschaft gespielt. Ich muss aber gestehen: Wir haben keine entscheidende Rolle gespielt, sind Sechster, Siebter oder Achter geworden. In Kaufbeuren hat Didi Hegen gespielt, in Landshut Klaus Gotsch - das waren so die Namen, auf die man traf.

Wer hat denn bei Ihnen gespielt?

Wir haben mit drei Mann immer an der Nationalmannschaft gerochen, Bernd Peltzer, der Sohn des KEV-Meistertrainers von 1952, unser Torhüter Christian Rost und ich. Tatsächlich als Profi hat später nur einer gespielt, er ist Ehrenspielführer des Krefelder EV geworden: Uwe Fabig. Der war Verteidiger in meinem Block. Wir anderen haben den Sprung nicht geschafft. Was wir aber erlebt haben, war die Pleite.

Gegen Ende Ihrer Juniorenzeit.

Wir waren vorgesehen als Junioren-Block in der Bundesliga-Mannschaft, haben im Sommer mittrainiert; dann kam der Vorstandsvorsitzende von Metro und verkündete, er würde Konkurs anmelden, wenn nicht bis zum nächsten Tag ein weiterer Sponsor kommt und eine Million Mark hinlegt. Das hat er auch getan. Ich habe in die Gesichter der Profis geschaut, Miro Slezak, Günther Kaczmarek, Lothar Kremershof - und erkannt, wie Existenzkampf aussieht.

Wie ging es für Sie weiter?

Mit einer schweren Knieverletzung und der Bundeswehrzeit, ich war eineinhalb Jahre weg vom Eishockey. Gespielt habe ich wieder in Konstanz, wo ich studierte. Als ich Torschützenkönig der Baden-Württemberg-Liga wurde, bekam ich ein Angebot, für Geld zu spielen. Das habe ich aber abgelehnt, weil ich mein Studium zu Ende bringen wollte.

Was macht den Eishockey-Zauber aus?

Die Schnelligkeit. Die Robustheit. Wobei ich jemand war, der vor Körperkontakt zurückgescheut ist. Wir hatten keinen Gesichtsschutz und ich relativ früh fünf Nasenbeinbrüche. Mit meiner Grundangst, dass was passiert, hatte ich nicht den Biss für einen Profi.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Deutsche Eishockey-Liga
  • Eishockey
  • Krefeld Pinguine
  • Lothar Kremershof
  • Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte
  • Schauspieler
  • Schiedsgerichte und Schiedsgerichtsbarkeit
  • Shows
  • Tino Boos
  • Redaktion
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 5 + 1: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.