16. Mai 2020, 16:00 Uhr

Rudern

Einsam auf der Lahn

Verantwortungsbewusst gehen die heimischen Wassersportler mit der möglichen Öffnung der Anlage um. Vorreiter ist der RC Hassia. Nur im Einer und mit Übungsleiter kann gerudert werden.
16. Mai 2020, 16:00 Uhr
Der Einer ist in Zeiten von Corona das Mittel der Wahl für die Gießener Ruderer. FOTOs: FRIEDRICH/CSO

Auf der Lahn wird wieder gerudert - wenn auch nur vereinzelt. »Wir sind alles Ehrenamtler und müssen nebenbei mal so ein Sicherheitskonzept erarbeiten«, erklärt Christopher Nübel vom Vorstand der Gießener Rudergesellschaft. Wir erklären, wo man unter welchen Bedingungen schon wieder auf’s Wasser kann.

Nur im Einer auf das Wasser: Beim rund 300 Mitgliederstarken Ruderclub Hassia kann seit dieser Woche nach Voranmeldung wieder gerudert werden. Ein strikter Wochenplan herrscht vor, »spontane Besuche soll es nicht geben«, sagt Vorstandsmitglied Kai Frenzel. »Die Nachfrage ist erfreulich gut. Als Sportverein wollen wir die gesunde Haltung unserer Mitglieder fördern und sind so froh, dass wir zumindest den Einer wieder anbieten können.« Training in Mannschaftsbooten ist untersagt, zu zweit rudern dürfen nur Familien oder Personen, die in einem Haushalt leben.

Auch der Ski- und Kanuclub Gießen hat das Training unter Auflagen seit dieser Woche wieder aufgenommen. Zurückhaltender verhalten sich die anderen drei Wassersportvereine im Kreis: Bei der Gießener Rudergesellschaft soll der Betrieb ab kommendem Montag anlaufen. »Wir nehmen uns Zeit, um ein nachhaltiges und praktisch umsetzbares Konzept in Ruhe auszuarbeiten«, sagt Christopher Nübel aus dem Vorstand.

»Uns lagen vor der Öffnung keinerlei Anwendungshinweise oder Tipps vor.« Der 250 Mitgliederstarke Verein verfährt ebenfalls nach dem Anmeldeprinzip: »Wir wollen Warteschlangen vermeiden, es muss immer ein Übungsleiter vor Ort sein.« Gerudert werden kann nur im Einer - »und 30 Stück davon haben wir leider nicht im Bootshaus«.

Noch unsicher ist man sich beim Wassersportverein Hellas Gießen - die Tendenz aber geht zur Eröffnung an diesem Wochenende. Da das Befördern des massiven Stegs auf die Lahn den Einsatz von zwölf bis 15 Personen erfordern würde, muss ein kleiner Notsteg her.

»Wir würden gerne ermöglichen, dass die Mitglieder bei schönem Wetter mal wieder aufs Wasser können«, sagt Hellas-Vorsitzender Michael Berkowski. Zwei Abers: »Die Masse wird nicht auf die Lahn können, da die Mehrheit keinen Einer fährt.« Und: »Wir beobachten die Zahlen weiter. Ich habe Bauchschmerzen, frage mich, ob sich die Leute an die Vorgaben halten.«

Weiter ruhen wird der Betrieb beim Paddelclub Wißmar. »Ich bin mit 60 Jahren einer der Jüngsten im Verein«, sagt Vorsitzender Bernd Ströher. »Viele der 135 Mitglieder zählen zur Risikogruppe.« Die junge Garde um Kanute Milan Zietlow (u.a. bereits süddeutscher Meister) müsse sich bei Trainingsbedarf selbst organisieren.

Verantwortungsbewusste Ruderer: Die Vorgaben sollen strikt umgesetzt werden: Nur symptomfrei mit Mindestabstand, Mund-Nasen-Schutz in Halle und Bootshaus, Umkleiden und Duschen zuhause, Reinigen der Materalien nach Benutzung. »Auch wenn das Ansteckungsrisiko auf dem Wasser gering ist, beugen wir uns den strengen Vorgaben«, sagt Hassia-Vorstandsmitglied Kai Frenzel. Michael Berkowski ist zwiegespalten, sagt: »Das Virus stirbt nicht an Altersschwäche, wir sollten vorsichtig bleiben.« Der Hellas-Vorsitzende erinnert auch an den Mehraufwand: »Neben Desinfektionsmitteln und Hygieneregeln muss jedes Training zur möglichen Nachverfolgung dokumentiert werden.«

Leistungssportler fördern und Sozialleben aufwecken: »Wir haben Mitglieder im Alter von acht bis 80 Jahren«, sagt Kai Frenzel. »Gerade das Sozial- und Sportleben der Älteren wurde komplett gekappt. Unser Kraftraum bleibt geschlossen, Treffen sind kaum möglich. Wenn einige mal wieder auf’s Wasser können, ist das schon etwas.«

Die Öffnung diene vor allem Leistungssportlern wie Marc Weber, der sich für Olympia 2020 qualifiziert hatte und nun einen neuen Anlauf nehmen muss. »So viele Kilometer auf dem Wasser wie möglich abspulen und die Form konservieren«, laute das Ziel.

Wettkämpfe in weiter Ferne: Dass die Pfingstregatta ins Wasser fällt, war früh abzusehen. »Sie ist ein Stück Gießen, das schmerzt vor allem emotional«, weiß Frenzel. Während Michael Berkowski die gesamte Saison »gedanklich abgehakt hat«, hoffen viele Ruderer noch auf den Herbst 2020.

Die Hessische Landesmeisterschaft in Eschwege ist für Ende September angesetzt, die Deutschen Sprintmeisterschaften in Werder (Havel) für Mitte Oktober. Frenzel: »Das ist das Maximale, was wir von der Saison noch erwarten können.«

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