Lokalsport

Ein umgänglicher Typ

Der Center der Gießen 46ers verrichtet überwiegend die Drecksarbeit unter dem Korb. Der 1,99 m große Brettspieler ist mit seiner Physis vor allem in der Abwehr präsent. Das ist sein Job, den er gerne macht.
04. Februar 2017, 12:00 Uhr
Wolfgang Gärtner
marcovöller_010217
Ein gut gelaunter 46ers-Center Marco Völler, den nichts aus der Ruhe bringen kann. (gae)

Der Offenbacher freut sich auf das heutige Heimspiel gegen die BG Göttingen, das um 20.30 Uhr in der Sporthalle Ost beginnt. Dann wird der Modellathlet wieder im Kampf um gute Positionen unter dem Korb kräftig zulangen.

Das hat der Sohn des populären Vaters Rudi Völler (Ex-Fußball-Nationalspieler, -trainer und jetziger Sportdirektor des Bundesligisten Bayer Leverkusen) auch beim Spätmittagessen vergangenen Dienstag in einem Gießener Lokal getan. Der Hunger nach dem vierstündigen Training war groß. Er bestellte einen Auberginen-Hackfleischauflauf, erhielt aber einen Auberginenauflauf. Der Unterschied war anfangs nicht zu erkennen, da das Gericht mit Käse überbacken war. Es fehlte aber das Hackfleisch, und anstatt des Reises gab es Kartoffeln. Alles kein Problem für Marco Völler, der das im Stil eines Profis unaufgeregt löste.

Bringt Sie überhaupt etwas in Rage?

Marco Völler: Das kam in dieser Saison zwar noch nicht vor, aber auf dem Basketballfeld kann ich mich schon ganz schön aufregen. Einmal wegen meiner eigenen Fehler, auch mal, wenn die Mannschaft nicht mit der richtigen Intensität spielt. Im Privatleben komme ich eher selten in Rage. Da ist es ungewöhnlich, dass ich mich extrem aufrege.

Worauf führen Sie Ihre innere Ruhe zurück?

Völler: Das ist eine Charakterfrage. Jeder Mensch ist wie er ist. Ich bin halt in den meisten Situationen eher der ruhige Typ. Vielleicht kann man sagen, ich bin einfach ein bisschen geduldiger. Und manchmal sehe ich nicht den Sinn darin, mich aufzuregen, weil ich weiß, in zwei Minuten ist es eh nicht mehr aktuell.

Und was machen Sie, wenn Sie Aggressionen abbauen müssen?

Völler: Auf dem Feld ist es einfach: viel rennen und auspowern. Im Privatleben bildet sich bei mir selten ein Aggressionspotenzial. Wenn es mal kommt, denke ich darüber nach, worüber rege ich mich auf und versuche, es intelligent zu lösen.

Sie haben eine Hinrunde als BBL-Rookie hinter sich gebracht, ab wann wussten Sie, ich kann hier (locker) mithalten?

Völler: Das behaupte ich auch heute nicht, dass ich locker mithalten kann. Ich muss mich immer 100 Prozent ins Zeug legen und alles geben. Dass ich mithalten kann, wusste ich schon, bevor ich mein erstes Bundesligaspiel absolviert habe. Daran habe ich nie gezweifelt.

Was fällt Ihnen auf dem Court noch schwer?

Völler: Viele Dinge im Basketball sind nicht einfach. Mein Spiel könnte von der Entscheidungsfindung und Entscheidungsschnelligkeit ein bisschen schneller sein. Dort komme ich aber noch hin.

Und was fällt Ihnen leicht?

Völler: Dass mir etwas leicht fallen würde, kann ich nicht sagen. Es ist alles eine Überwindung. Man muss gegen den inneren Schweinehund kämpfen. Man muss sich immer 100-prozentig ins Zeug legen, dann wird man auch belohnt.

Mal stehen Sie in der Startaufstellung, mal nicht. Nervt Sie das?

Völler: Nein. Gar nicht. Das ist eine Entscheidung des Trainers, der das je nach Gegner anpasst. Wir sind eine tief besetzte Mannschaft. Vom Spielerischen her kann da jeder in der ersten Fünf stehen. Es gibt bei uns Spieler, die verschiedene Rollen einnehmen können. Und das ist in dieser Saison unsere Stärke. Ich habe damit überhaupt kein Problem, ob ich von der Bank komme oder starte.

Wie interpretieren Sie Ihre Rolle im Team?

Völler: Ich muss immer eine gute Defense spielen, weil ich offensiv nicht unbedingt der erste Anlaufpunkt bin. Meine offenen Würfe muss ich nehmen – das kann ich aber in den nächsten Wochen noch besser machen. Ich muss in der Offense gute Screens stellen. Wir spielen viel Pick-and-Roll. Im Angriff muss ich Gefahr ausstrahlen, in der Abwehr gut stehen.

Gibt es in Ihrem Team »Lieblingsspieler«, mit denen Sie besonders gut harmonieren?

Völler: Nein. Spielerisch verstehe ich mich mit allen gut. Klar, es gibt mal Tage, da läuft es mit dem besser, an anderen mit dem anderen.

Sie haben sich früh in der Saison entschieden, Ihren Vertrag zu verlängern, um ein weiteres Jahr bei den Gießen 46ers zu spielen. Was waren dafür die ausschlaggebenden Gründe?

Völler: Der Grund, warum ich nach Gießen gekommen bin, war die Nähe zu Offenbach, zu meinem Zuhause. Ich fühle mich in Gießen und im basketballerischen Umfeld wohl. Die ganze Organisation gefällt mir gut. Ich weiß nicht genau, was nächstes Jahr sein wird, wer meine Mitspieler außer Benni (Lischka) oder wer der Trainer sein wird. Aber man hat die Hoffnung, wenn einer wie ich frühzeitig zusagt, dass auch ein paar andere Spieler bleiben.

Und wie ist der Tenor innerhalb der Mannschaft, wer will bleiben?

Völler: Ich weiß nicht, mit welchen Spielern der Verein für einen Verbleib für die nächste Saison in Kontakt steht, aber ich denke, es gibt einige Spieler, die sich vorstellen können, dass sie hier weitermachen wollen. Ich würde mich über jeden freuen. Im letzten Jahr hat man schon gesehen, was es für Vorteile hat, einen großen Teil der Spieler zu halten.

Was zeichnet Sie außerhalb des Feldes aus?

Völler: Ich bin ein umgänglicher Typ. Ich verstehe mich mit allen gut. Bin aber – ab und zu – auch ein lustiger Zeitgenosse. Mit mir kann man, wie man heutzutage sagt, gut abhängen.

Was haben Sie getan oder was müssen Sie täglich tun, um so einen gestählten Körper zu haben?

Völler: Mittlerweile kann man sagen, das jahrelange Training hat sich ausgezahlt (lacht). Ich ernähre mich gut, habe aber keinen Ernährungsplan. Ich versuche aber, das Richtige in mich reinzuhauen. Es ist einfach viel Training.

Hat Ihr Vater, als Sie noch jung waren, auch Brandreden wie als Nationaltrainer und Teamdirektor in Bayer Leverkusen gehalten, wenn ihm etwas nicht gepasst hat.

Völler: Ich kann mich nicht daran erinnern, dass dies jemals passiert ist.

Im Spiel tragen Sie Ihr Haar als Dutt. Verstecken Sie ihre Haar ?

Völler: Ich kann mit offenen Haaren nicht spielen, dann fallen sie mir ins Gesicht und ich kann nichts mehr sehen.

Wie gehen Sie oder sind Sie mit der Popularität Ihres Vaters bei Ihrem eigenen Werdegang umgegangen?

Völler: Ich habe versucht, das relativ entspannt zu sehen und nicht viel darüber nachzudenken. Ich wurde selbst oft darauf angesprochen. Aber ich habe mir wenige Gedanken darüber gemacht und versucht, mein eigenes Ding zu machen.

Ist der Fußball-Bundesligist Bayer Leverkusen Ihr Lieblingsverein, den Sie unterstützen?

Völler: Ja. Ich hoffe schon, dass sie gewinnen. Das kommt von meinem Vater. Er ist 1994 nach Leverkusen gegangen. Da war ich fünf Jahre alt. Das war für mich der erste Verein, mit dem ich bewusst Kontakt hatte – und das ist in mir hängengeblieben. Und dann habe ich mit Leverkusen gefiebert, obwohl mein Vater dort nicht mehr aktiv Fußball gespielt hat.

Tauschen Sie sich gegenseitig vor den Spielen aus?

Völler: Wir telefonieren vor den Spielen ab und zu. Da wird aber nichts Großartiges ausgetauscht. Wir wünschen uns dann gegenseitig viel Glück. Viel mehr ist da nicht.

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/sport/lokalsport-gaz/Lokalsport-Ein-umgaenglicher-Typ;art1434,205857

© Giessener Allgemeine Zeitung 2016. Alle Rechte vorbehalten. Wiederverwertung nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung