04. Oktober 2020, 22:12 Uhr

Ein Viertel fehlt

Nach all den Querelen der vergangenen Woche ging es für den TV 05/07 Hüttenberg und den Wilhelmshavener HV zum Auftakt der 2. Handball-Bundesliga endlich um den Sport. Dabei zog der TVH mit 29:32 den Kürzeren.
04. Oktober 2020, 22:12 Uhr
JSA
Routiniert und viermal von Linksaußen erfolgreich: Christian Rompf. FOTO: THÜRMER

TV 05/07 Hüttenberg


Bis zum 24:24 in der 47. Minute war die Zweitliga-Premiere des TV 05/07 Hüttenberg gegen den Wilhelmshavener HV offen. Dann aber setzte sich der in den Schlagzeilen stehende Favorit aus dem Norden noch mit 32:29 durch.

Die Austragung des Spiels hatte lange auf der Kippe gestanden. Das kleinere Übel mit dem Ändern des ursprünglichen Spielortes aus der Rittal-Arena mit Zuschauern ins Sportzentrum Hüttenberg ohne Zuschauer auf Hüttenberger Seite. Die Unklarheit über den laufenden Spielbetrieb, das anstehende Insolvenzverfahren und die späte Zusage am Donnerstag zur Anreise nach Hüttenberg auf Wilhelmshavener Seite. Der heutige Montag wird wohl Klarheit über die Zukunft des Wilhelmshavener HV bringen.

Keine Zuschauer, kein Trommelwirbel, keine Einlaufzeremonie. Als Hendrik Schreiber für die Gastgeber zum 1:2 (3.) traf, war erstmals zu erkennen, wie die Hüttenberger die fehlenden Emotionen von den Rängen auffangen wollten. Schreiber war auch der prägende Akteur in den ersten Minuten aufseiten des TVH. Gingen vier der ersten sechs Treffer auf sein Konto, sorgte sein erfolgreiches Durchbrechen und das regelwidrige in den Arm greifen von Duncan Postel bereits nach acht Minuten für die Rote Karte gegen den WHV- Akteur. Der tschechische Neuzugang Vit Reichl war es dann, der kurze Zeit später mit seinem ersten Pflichtspieltor auch die erste Führung für die Hausherren herbeiführte. (7:6)

In der Folge wusste sich bei Wilhelmshaven vor allem Rechtsaußen Yannick-Marcos Pust in Szene zu setzen. Nach 19 Minuten gelang es TVH-Keeper Dominik Plaue erstmals, dem 21-Jährigen einen Wurf wegzunehmen, der davor bereits drei Mal gegen ihn eingenetzt hatte. Insgesamt bereiteten beide Außen der Gäste den Hüttenbergern gehörige Probleme. Im Angriff der Mittelhessen schlug dann allerdings die Stunde von Eigengewächs Johannes Klein. Sein folgender Ausgleichstreffer, der den Weg über den Innenpfosten und den Rücken des gegnerischen Torwarts Vortmann in das Tor fand, wirkte in seinen Emotionen wie ein Frustlöser. So setzte er kurze Zeit später Vit Reichl am Kreis sehenswert in Szene, der die beste Phase des Spiels für die Gastgeber einläutete. Drei Mal in Folge traf der 27-Jährige zum 17:14 (28.).

Der TV Hüttenberg drehte auch zu Beginn der zweiten Halbzeit auf. Es war die Phase, in der vielleicht am meisten die fehlenden Zuschauer bemerkbar waren. In jeden Ball warf sich die Griesbach-Sieben, kämpfte und ackerte, kam so durch Christian Rompf zum 22:18 nach 40 Minuten. Es war nur zu erahnen, was in dieser Zeit im Sportzentrum losgewesen wäre.

»Das war schon eine komische Situation für uns alle. Aber ich denke, man hat von Beginn an die Emotionen auf den Bänken mitbekommen und es war jedem klar, dass das hier kein Freundschaftsspiel ist«, sagte Hüttenbergs Coach Frederick Griesbach nach dem Spiel.

Sein Team bekam anschließend immer mehr Probleme im eigenen Spiel, was sicherlich auch dem jungen Alter und den nachlassenden Kräften geschuldet war. »Fehlende Cleverness«, bescheinigte Griesbach in der zweiten Halbzeit seiner jungen Mannschaft. Wilhelmshaven arbeitete sich Stück für Stück heran. Tobias Schwolow war es dann, der in der 47. Minute den Ausgleich beim 24:24 wiederherstellte. »Mit welcher Leidenschaft die Mannschaft sich nach den letzten Wochen und Tagen hier reinkämpfte, war unglaublich«, staunte WHV-Trainer Christian Köhrmann.

Kuno Schauer übernahm nun die Verantwortung für seine WHV-Farben und bestrafte die Hüttenberger Fehler konsequent. Dies sorgte dafür, dass eben Schauer zweieinhalb Minuten vor dem Ende mit seinem Tor zum 31:28 die Tür zum Auswärtssieg für den Aufsteiger öffnete.

TVH-Trainer Griesbach gab nach Abpfiff bereits die klare Richtung für das anstehende Duell am kommenden Samstag bei den Rimpaer Wölfen vor: »Jetzt müssen wir eben Rimpar unseren Frust spüren lassen und uns die Punkte zurückholen.«

Hüttenberg: Plaue, Niko Weber - Fuß (3), Schwarz, Opitz, Fujita, Ian Weber (1), Rompf (4), Zörb (1), Reichl (3), Mubenzem (2), Hübscher (1/1), Hahn (3/2), Klein (5), Schreiber (6)

Wilhelmshaven: Vortmann, Stasch, Grunz - ten Velde, Sabljic, Rozman (2), Delic (9/3), Postel (1), Schauer (6), Vorontsov, Konitz (1), Schwolow (4), Drechsler (2), Pust (7)

Stenogramm / Zeitstrafen: 8:2 Minuten. - -Rote Karte: Postel (8., Wilhelmshaven). - SR:: Friedel/Herrmann (Sachsen).

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